Nebennierenadenom: Milder Cortisolüberschuss bei Typ-2-Diabetes mit höherem Sterberisiko verbunden

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Eine milde autonome Cortisolsekretion (MACS) erhöht bei Menschen mit einem Nebennierenadenom und gleichzeitigem Typ-2-Diabetes das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen und die Sterblichkeit, wie aktuelle Daten nahelegen. Ein milder Cortisolüberschuss könnte bei dieser Patientengruppe demnach prognostische Bedeutung haben.

Wie eine retrospektive Studie der Medizinischen Universität Wien gezeigt hat, war bei Menschen mit Nebennierenadenom die Sterblichkeit deutlich erhöht, wenn Typ-2-Diabetes und eine milde autonome Cortisolsekretion (MACS) gemeinsam vorlagen. Bei Menschen nur mit MACS oder nur mit Typ-2-Diabetes war die Sterblichkeit dagegen nicht signifikant höher als bei Menschen mit Nebennierenadenom ohne Typ-2-Diabetes und ohne MACS. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Cardiovascular Diabetology“ publiziert. Sie liefern damit wertvolle Hinweise für die weitere Forschung und möglicherweise für die künftige klinische Beurteilung.

Erhöhte Sterblichkeit beobachtet

Im Rahmen der Studie wertete das Forschungsteam um Michael Leutner (Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) Daten von 668 Menschen mit Nebennierenadenomen aus, die zwischen 1. Januar 2000 und 31. Dezember 2022 an der MedUni Wien untersucht wurden. 151 waren zu diesem Zeitpunkt auch von Typ-2-Diabetes betroffen und bei 277 wurde eine milde autonome Cortisolsekretion (MACS) festgestellt. Darunter versteht man eine geringe, eigenständige Cortisolproduktion der Nebenniere, ohne die typischen Krankheitszeichen eines Cushing-Syndroms.

Die Analysen zeigen einen Zusammenhang zwischen MACS und erhöhter Sterblichkeit bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen: Die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei dieser Gruppe lag bei 70 Prozent. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen ohne MACS betrug sie hingegen 85 Prozent. Bei Menschen mit Nebennierenadenomen ohne Typ-2-Diabetes lag die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei MACS bei 86 Prozent und ohne MACS bei 91 Prozent. „Auch nach Berücksichtigung wichtiger Einflussfaktoren wie Hypertonie, Dyslipidämie und Atherosklerose blieb der Zusammenhang bestehen“, kommentieren die Erstautorinnen Luise Bellach und Sarah Hofer-Zeni.

Milder Cortisolüberschuss als prognostischer Marker?

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass ein milder Cortisolüberschuss bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und einem Nebennierenadenom eine besondere prognostische Bedeutung haben könnte. Entscheidend ist nun, diesen Zusammenhang in prospektiven Studien zu überprüfen und zu klären, ob eine gezielte Behandlung des Cortisolüberschusses die gesundheitlichen Risiken tatsächlich senken kann“, erklärt Leutner.

Eine MACS wird bei etwa 20 bis 50 Prozent der Menschen mit Nebennierenadenomen beschrieben. Ein längerfristiger Cortisolüberschuss kann die Insulinwirkung beeinträchtigen und steht mit Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Zusammenhang. Die aktuelle Studie zeigt nun, dass dieser Zusammenhang in der untersuchten Gruppe bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und MACS besonders deutlich war. Die Datenanalyse liefert damit wertvolle Hinweise für die weitere Forschung und möglicherweise für die künftige klinische Beurteilung: Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes und Nebennierenadenomen könnte die Frage nach einer milden autonomen Cortisolsekretion besonders relevant sein.