Negative Silvesterbilanz: Deutsche Umwelthilfe fordert bundesweites Böllerverbot

Nach der negativen Silvesterbilanz ruft die Deutsche Umwelthilfe nochmals alle Menschen in Deutschland auf, den Offenen Brief zum bundesweites Verkaufs- und Anwendungsverbot für private Pyrotechnik zu Silvester bis zum 5. Januar zu unterschreiben (Symbolbild). Foto: © mitifoto-stock.adobe.com

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zieht eine verheerende Bilanz der vergangenen Silvesternacht und fordert erneut ein Verkaufsverbot für private Pyrotechnik.

„Bundesweit kam es zu schweren Verletzungen und mindestens zwei Todesfällen, zu gezielten Angriffen auf Polizei und Rettungskräfte sowie zu dramatischen Höchstwerten bei gesundheitsschädlichem Feinstaub“, resümiert die DUH. In München an der Mess-Station Landshuter Allee wurde zwischen 0 Uhr und 1 Uhr ein Feinstaub-Spitzenwert von 1458 µg/m³ (PM10) gemessen – zum Jahreswechsel 2021/22, als während der Corona-Pandemie ein Verkaufsverbot für Böller galt, lag der Wert laut DUH bei lediglich 62 µg/m³.

„Millionen Menschen und Tiere waren der extremen Luftverschmutzung, dem Lärm und der Panik schutzlos ausgeliefert“, beklagt die DUH.

Offener Brief für ein Böllerverbot

Die DUH fordert gemeinsam mit 65 weiteren Organisationen in ihrem #böllerciao-Bündnis Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, jetzt zu handeln und ein bundesweites Verkaufs- und Anwendungsverbot für private Pyrotechnik zu Silvester auf den Weg zu bringen.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre hätten gezeigt, dass lokale Verbotszonen, Appelle und das Abschieben der Verantwortung auf Kommunen nicht ausreichten. Der Offene Brief für ein Böllerverbot wurde nach eigenen Angaben bislang von mehr als 939.000 Personen unterzeichnet. Die DUH ruft alle Menschen in Deutschland auf, den Offenen Brief noch bis zur Übergabe an das Innenministerium am 5. Januar zu unterschreiben.

Alle Jahre wieder zu Silvester die gleichen Bilder – DUH fordert Böllerverbot

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Diese Silvesternacht war erneut eine Horrornacht für tausende Menschen, Einsatzkräfte und Tiere. Stellvertretend für die tausenden durch Böller in Panik geratenen Tiere steht der schlimme Vorfall in Hessen Anfang Dezember:

Dabei starb eine Reiterin, nachdem ihr Pferd durch ein in der Nähe gezündetes Feuerwerk in Panik geriet und sie tödlich verletzte. Wir sehen jedes Jahr dieselben Bilder: schwer verletzte und getötete Menschen, brennende Wohnungen, attackierte Polizistinnen und Polizisten und Rettungskräfte sowie Städte, die im giftigen Feinstaub versinken. Das alles ist kein Naturereignis, sondern politisch gemacht – weil seit Jahren nicht gehandelt wird. Punktuelle Verbotszonen und Appelle sind gescheitert. Wer ernsthaft verhindern will, dass sich diese Horrornacht Jahr für Jahr wiederholt, muss den Verkauf und das Abbrennen privater Böller und Raketen bundesweit verbieten. Innenminister Dobrindt steht jetzt in der Verantwortung.

Ein bundesweites Böllerverbot ist rechtlich einfach umsetzbar und von der Mehrheit der Menschen gewollt. Die Bundesregierung kann sich bei der Änderung der ersten Sprengstoffverordnung nicht länger hinter einer angeblich fehlenden Mehrheit der Länder verstecken: Laut einer aktuellen ,Spiegel‛-Umfrage fordern zehn von 16 Bundesländern mehr Handlungsspielräume und Änderungen an der Verordnung.“

Bundesregierung hält bundesweites Böllerverbot für „nicht verhältnismäßig“

In der Drucksache 21/3213, so teilt die DUH mit, erkläre die Bundesregierung ein bundesweites Böllerverbot weiterhin für „nicht verhältnismäßig“, räume jedoch gleichzeitig ein, dass ihr zu zentralen Fragen keinerlei belastbare Daten vorlägen, weder zu Verletzten noch zu den Kosten für Krankenhäuser, Feuerwehr oder Polizei. Als weiteres Argument führe die Bundesregierung an, es gebe keine Mehrheit der Länder für Änderungen der Sprengstoffverordnung. Diese Darstellung werde jedoch durch aktuelle Recherchen des „Spiegel“ widerlegt: „Laut einer Umfrage vom 30. Dezember 2025 sprechen sich zehn von 16 Bundesländern dafür aus, den Umgang mit Silvesterfeuerwerk künftig stärker selbst regeln zu können“, bekräftigt die DUH.