Negativer ctDNA-Test nach Zystektomie erkennt Patienten, die offenbar keine weitere Therapie brauchen5. April 2024 Ob eine adjuvante Therapie mit Atezolizumab nach Zystektomie Erfolg verspricht, darauf gibt eine ctDNA-Test Hinweise. Symbolbild: MQ-Illustrations – stock.adobe.com Neue Studienergebnisse zeigen, dass ein Test auf zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) im Blut Patienten mit fortgeschrittenem Blasenkrebs identifizieren kann, die nach einer Operation keinen Rückfall erleiden. Diesen Patienten könnte eine Folgetherapie erspart bleiben. Die Ergebnisse der Screening-Phase der Phase-III-Studie IMvigor011 wurden am 05.04.2024 auf dem Kongress der European Association of Urology (EAU) in Paris vorgestellt. Sie zeigen, dass etwas mehr als 90 Prozent der Patienten mit muskelinvasivem Blasenkrebs (MIBC), bei denen ein ctDNA-Test nach der Operation negativ ausfiel, keinen Rückfall erlitten. Die Ergebnisse bedeuten, dass durch den ctDNA-Test Patienten mit minimalem Risiko erkannt werden können, die wohl keine weitere Behandlung brauchen. MIBC ist eine fortgeschrittene Form von Blasenkrebs, bei der sich der Tumor in die Blasenwand ausgebreitet hat. Die Krankheit wird in der Regel durch eine Operation zur Entfernung der Blase behandelt. Bei etwa der Hälfte der Patienten kehrt der Krebs zurück, häufig in der Lunge und in der Regel innerhalb von zwei bis drei Jahren. Derzeit wird allen Patienten eine Anschlussbehandlung wie Chemotherapie oder Immuntherapie angeboten, um ein Wiederauftreten zu verhindern. Die Nebenwirkungen können jedoch schwerwiegend und lebensverändernd sein. IMvigor011 ist eine globale, doppelblinde, randomisierte Phase-III-Studie, welche die Wirksamkeit des Checkpoint-Inhibitors Atezolizumab im Vergleich zu Placebo bei Patienten mit Hochrisiko-MIBC untersucht. Die Studie wird von F. Hoffmann-La Roche Ltd. gesponsert. In der Screening-Phase der Studie werden MIBC-Patienten nach der Operation auf ctDNA untersucht. Diejenigen mit einem positiven ctDNA-Ergebnis werden randomisiert und erhalten entweder Atezolizumab oder Placebo. Die Patienten mit einem negativen Ergebnis erhielten keine weitere Behandlung, wurden aber bis zu zwei Jahre lang mit Scans und weiteren ctDNA-Tests weiter untersucht. In die auf dem EAU-Kongress vorgestellte Analyse wurden 171 Patienten mit einem negativen ctDNA-Test eingeschlossen, bei weiteren 115 wird die Nachbeobachtung fortgesetzt. Rezidiv nur bei einem Zehntel der Patienten Nur bei 17 der 171 Patienten (9,9%) kam der Krebs innerhalb von zwei Jahren zurück. Diese Ergebnisse waren unabhängig davon, in welchem Stadium sich ihr Tumor befand oder ob er erhöhte Werte des Checkpoint-Proteins Programmed Cell Death 1 Ligand 1 (PD-L1) aufwies, gegen das Atezolizumab gerichtet ist. Professor Thomas Powles vom Barts Cancer Institute in London (Großbritannien) leitet die IMvigor011-Studie. Er sagte: „Diese Ergebnisse sind sogar besser, als wir gehofft hatten. Das Risiko eines Rückfalls beträgt bei dieser ctDNA-Patientengruppe nur 1 von 10. Es scheint, dass dieser Test Patienten effektiv in zwei Gruppen filtern kann: diejenigen, die wahrscheinlich einen Rückfall erleiden, und diejenigen mit einem viel geringeren Risiko. Es ist attraktiv, die Behandlung auf gefährdete Personen zu konzentrieren und der Gruppe mit sehr geringem Risiko potenziell lebensverändernde behandlungsbedingte Nebenwirkungen zu ersparen. Wir hoffen, dass diese Daten es den Patienten ermöglichen, behandlungsfrei zu bleiben und dabei die Gewissheit zu haben, dass es unwahrscheinlich ist, dass ihr Krebs wiederkehrt.“ Joost Boormans, Professor für Urologie am Erasmus University Medical Center in Rotterdam (Niederlande) und Mitglied des EAU Scientific Congress Office, leitete die Sitzung, in der die Ergebnisse vorgestellt wurden. Ihm zufolge könnte die Analyse bedeutend für die Zulassung sein, da offenbar viele Patienten allein durch die Operation geheilt werden, was gegen eine Zulassung der adjuvanten Therapie für alle spreche. “Hier könnten die Ergebnisse der IMvigor011-Studie wirklich einen Unterschied machen, indem sie es uns ermöglichen, Patienten mit dem höchsten Risiko auszuwählen, die am meisten von der Behandlung profitieren, während wir andere, für die sie nicht erforderlich ist, verschonen. In einer Zeit, in der die Ressourcen im Gesundheitswesen unter Druck stehen, ist diese Art von Innovation wirklich notwendig”, so Boormans. (EAU/ms)
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