Neonatologie der Charité unter neuer Leitung

Prof. Harald Ehrhardt ist auf die Professur für Neonatologie der Charité berufen worden. (Foto: © Charité | Katharina Kiebacher)

Harald Ehrhardt hat zum 1. Februar die Professur für Neonatologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin übernommen. Mit der Berufung ist auch die Leitung der Klinik für Neonatologie am Campus Charité Mitte und am Campus Virchow-Klinikum verbunden.

Ehrhardt ist Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neonatologie. Er wechselt vom Universitätsklinikum Ulm an die Charité. Dort hatte er zuletzt die Professur für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin inne sowie die Leitung der gleichnamigen Sektion an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Der Wechsel an die Charité ist für mich eine große Ehre und zugleich eine spannende neue Aufgabe“, erklärt Ehrhardt. „Die Charité bietet hervorragende Voraussetzungen, um die Versorgung von Früh- und Neugeborenen kontinuierlich weiterzuentwickeln und Forschung, Lehre sowie die klinische Praxis noch enger miteinander zu verknüpfen.“

Innovative Therapien für eine gesunde Lungenentwicklung

„Eines unserer großen Ziele ist es, die Entwicklung der unreifen Lunge von Früh- und Neugeborenen so zu unterstützen, dass lebenslange Funktionseinschränkungen verhindert werden können“, betont Ehrhardt. Moderne und schonende Beatmungsstrategien spielen dabei eine zentrale Rolle: „Mit verbesserten, möglichst nicht invasiven Beatmungsverfahren wollen wir die Spontanatmung der Kinder gezielt unterstützen, die Sauerstoffversorgung stabilisieren und so die Belastung insbesondere für die unreife Lunge und das sich entwickelnde Gehirn weiter reduzieren.“

Forschung in internationalen Netzwerken

Nach seinem Wechsel an die Charité will Ehrhardt die Forschung in europäischen und globalen Netzwerken weiter ausbauen. Er ist überzeugt, dass sich nur durch die enge Zusammenarbeit vieler Experten und führender Kliniken die Chancen für Frühgeborene und Kinder mit einem schwierigen Start ins Leben nachhaltig verbessern lassen: „Unsere aktuellen Forschungsergebnisse zeigen, dass die Unterschiede im Outcome bei kleinen Frühgeborenen zu einem beachtlichen Teil auf Differenzen in der Versorgung zurückzuführen sind. Diese Erkenntnis bietet die große Chance, die Perspektiven dieser Risikokinder kurzfristig und global zu verbessern.“

Familie als zentraler Bestandteil der Behandlung

Eine Besonderheit in der neonatologischen Medizin ist der enge Kontakt mit den Eltern sowie die konsequente Einbindung der Familie in die Versorgung der Kinder auf den Intensiv- und Normalstationen. Der frühe Start ins Elterndasein trifft viele Familien unerwartet und ist häufig mit erheblichen emotionalen Belastungen verbunden. „Neben der medizinischen Versorgung der Kinder ist es uns ein großes Anliegen, die Eltern ab dem Tag der Geburt eng in die Versorgung einzubeziehen und auch psychosozial zu unterstützen“, erklärt Ehrhardt und fügt hinzu: „Wir möchten in weiteren Studien untersuchen, wie wirksam und nachhaltig die enge Zusammenarbeit auf der Station ist und wie wir die Entwicklung und Lebensperspektiven der Kinder nach der Entlassung in ein gut begleitetes häusliches Umfeld weiter verbessern können. Dafür benötigen Familien insbesondere in den ersten Lebensjahren eine engmaschige Begleitung und spezialisierte Betreuung.“

Forschung, Lehre und Nachwuchsförderung

Wissenschaftlich ist Ehrhardt mit der Verbindung von grundlagenwissenschaftlicher und klinischer Forschung gut vorbereitet, neue Erkenntnisse in der Versorgung von Frühgeborenen zeitnah umsetzen zu können. In der Lehre, der postgradualen Aus- und Weiterbildung sowie der Nachwuchsförderung von Medizinern und Wissenschaftlern ist es dem gebürtigen Münchner besonders wichtig, schon die Studierenden frühzeitig für die universitäre Medizin und speziell für die Neonatologie zu begeistern. „Wichtig sind für uns eine praxisnahe Ausbildung, moderne Therapien und die Verknüpfung von Forschung und Klinik als Grundlage für die unmittelbare Überführung des medizinischen Fortschritts in den klinischen Alltag“, betont Ehrhardt. „Gleichzeitig sind kommunikative und soziale Kompetenzen unverzichtbar, um eine sichere, verantwortungsvolle und familienzentrierte Versorgung zu gewährleisten.“