Netzhautdiagnostik: Malaria früher erkennen mittels moderner Bildgebung20. März 2019 In der Netzhaut sind Malaria-Erreger auch dann noch nachweisbar, wenn sie im Blut bereits abgetötet sind (Symbolbild). Foto: © Jevgenij – Fotolia.com Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern um Prof. Paquet-Durand (Tübingen) konnte zeigen, dass Malaria-Erreger in der Lage sind, die Blut-Netzhaut-Schranke zu überwinden und in das neuronale Gewebe der Netzhaut einzudringen. Malaria ist mit beinahe 500.000 Todesopfern pro Jahr eine der tödlichsten Krankheiten überhaupt. Verursacher der Infektionskrankheit sind Parasiten (Plasmodien), die durch Mückenstiche übertragen werden. Bei der sogenannten Zerebralen Malaria, die mit einer besonders hohen Sterblichkeit einhergeht, ist insbesondere das Gehirn als Teil des zentralen Nervensystems von der Erkrankung betroffen. Die Netzhaut des Auges ist ebenfalls Teil des zentralen Nervensystems, weshalb es bei der Form der Zerebralen Malaria in der Regel auch zu einer Symptomatik in der Netzhaut kommt. Hier setzt die Forschungsarbeit von Paquet-Durand vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen an. Aktuell hat er dazu in Nature Science Report publiziert. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern um Paquet-Durand aus dem Tübinger Forschungsinstitut für Augenheilkunde und dem Institut für Tropenmedizin haben die durch Malaria hervorgerufene Netzhautschädigung (Retinopathie) systematisch in einem Mausmodell untersucht. Diese Untersuchungen zeigten, dass die Symptomatik der Malaria in der Netzhaut der Maus der der menschlichen Retinopathie stark ähnelt. Neu dabei ist die Erkenntnis, dass die Krankheitserreger in der Lage sind, die Blut-Netzhaut-Schranke zu überwinden und in das neuronale Gewebe der Netzhaut einzudringen. Die dabei auftretenden degenerativen Gewebeveränderungen könnten auch die Symptomatik der Malaria im Gehirn erklären. Erreger auch noch nach Therapie in der Netzhaut nachweisbar Nach Behandlung der Versuchstiere mit Medikamenten gegen Malaria wurden die Erreger im Blut innerhalb von drei Tagen vollständig abgetötet, in der Netzhaut hingegen waren die Erreger auch noch nach zwölftägiger medikamentöser Behandlung vorhanden. Die Wissenschaftler vermuten die Ursache darin, dass gängige Anti-Malaria-Medikamente die Blut-Netzhaut-Schranke kaum überwinden können. Dies könnte erklären, warum es bei einem zu frühen Absetzen von Anti-Malaria Medikamenten zu Rückfällen mit häufig schwerwiegenden Folgen kommen kann. Weiterhin konnten die Forscher zeigen, dass mit modernen, nicht invasiven bildgebenden Verfahren wie der Scanning-Laser-Ophthalmoskopie (SLO) und der Optischen-Cohärenz-Tomographie (OCT) die Infiltration der Erreger in die Netzhaut frühzeitig erkannt wird. Zeitvorteil der Bildgebung könnte Heilungschancen verbessern Den Wissenschaftlern ist es gelungen, im Tiermodell die Malaria-induzierte Retinopathie mehrere Tage vor Auftreten von anderen Krankheitssymptomen zu diagnostizieren. Damit ergibt sich bei der Verwendung von bildgebenden Verfahren für die Netzhaut ein erheblicher Zeitvorteil. „In Zukunft könnten durch eine frühere Diagnose die Heilungschancen bei der Behandlung von Malariapatienten erheblich verbessert werden“, erklärt Paquet-Durand. Die Hoffnung ist nun, dass dadurch die hohe Sterblichkeit bei Malaria-Infektionen gesenkt werden kann. Publikation: A retinal model of cerebral malaria. François Paquet-Durand, Susanne C. Beck, Soumyaparna Das, Gesine Huber, Le Chang, Timm Schubert, Naoyuki Tanimoto, Marina Garcia-Garrido, Regine Mühlfriedel, Sylvia Bolz, Wolfgang Hoffmann, Ulrich Schraermeyer, Benjamin Mordmüller & Mathias W. Seeliger https://doi.org/10.1038/s41598-019-39143-z Quelle: Universitätsklinikum Tübingen
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