Neu in Ostbayern: Kaltes Plasma lässt Wunden schneller heilen25. April 2023 Wundbehandlung am Steißbein im neuen Johannesbad-Wundzentrum. Foto: © Johannesbad Gruppe Ein neues Wundzentrum an der Johannesbad Fachklinik Bad Füssing eröffnet Patienten mit schwierig verheilenden Wunden in Ostbayern neue Behandlungsoptionen. Erstmals können künftig auch Patienten in Ostbayern von der neuen Technologie zur Wundheilung profitieren: Die Johannesbad Fachklinik in Bad Füssing im Kreis Passau hat jetzt ihr neues Johannesbad-Wundzentrum eröffnet. „Zum Einsatz kommt dabei ein neuartiges Verfahren, das mit dem Deutschen und dem Bayerischen Innovationspreis ausgezeichnet ist und an Deutschlands führenden Kliniken wie der Charité in Berlin oder dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf verwendet wird: sogenanntes kaltes Plasma“, sagt Karsten Fuchs, der Leiter der Johannesbad Fachklinik Bad Füssing. „Diese Erweiterung unseres Behandlungsspektrums ist eine gute Nachricht für viele Menschen in der Region, die an sehr langsam oder nicht heilenden Wunden leiden“, betont Fuchs. Bundesweit seien bis zu drei Millionen Menschen von chronischen Wunden betroffen. „Unser neues Angebot kann Betroffenen in Ostbayern nun Hoffnung geben und neue Lebensqualität schenken“, sagt auch Oliver Kort, der Leiter Pflege und medizinische Dienste in der Fachklinik. Behandelt werden können in dem neuen Zentrum unter anderem Wundinfektionen mit multiresistenten Keimen, Dekubitus, Wundheilungsstörungen, nässende Geschwüre, offene Beine sowie das diabetische Fußsyndrom. Kaltes Plasma hat bei chronischen Wunden eine Reihe an hervorragenden Eigenschaften: Es wirkt antimikrobiell, kann ein breites Spektrum an sogar multiresistenten Bakterien und Pilzen abtöten, die Neubildung von Gefäßen anregen und die Durchblutung verbessern. Außerdem fördert es die Heilung der Wunde und hilft, Entzündungen zu hemmen. Das Unternehmen Coldplasmatech, eine Ausgründung des Leibniz-Instituts für Plasmaforschung e.V. in Greifswald, entwickelte die erste aktive Wundauflage zur Behandlung chronischer Wunden mittels kalten physikalischen Plasmas („Plasma-Patch“). Über diese spezielle Auflage wird ionisiertes Gas auf die Wunde aufgebracht. Wo sonst zum Beispiel aufgetragene Salben von der Oberfläche aus wirken, beginnt der Heilungsprozess hier in der Tiefe. Die Kaltplasma-Technologie basiert auf jahrelanger anwendungsorientierter Forschung. In einer umfangreicheren Studie mit 70 Patienten konnte beispielsweise an mit kaltem Plasma behandelten chronischen Ulzera – im Vergleich zu unbehandelten Wunden – eine Tendenz zur verbesserten Heilung bestimmt werden. In einem weiteren Anwendungsprojekt fanden Forschende heraus: Mit von Bakterien kolonisierte Wundflächen verkleinerten sich bei mit Plasma behandelten Wunden im Mittel um 88%. Speziell geschulte Experten bieten im Johannesbad-Wundzentrum künftig eine Individualtherapie mit kaltem Plasma zunächst ambulant, später eventuell auch stationär an. Zwei Johannesbad-Mitarbeiterinnen absolvierten in den vergangenen Monaten erfolgreich eine Weiterbildung zur „Fachtherapeutin Wunde“. Patienten werden dabei zweimal pro Woche schmerzarm versorgt – mit möglichen ersten sichtbaren Erfolgen bereits nach zwei Wochen. Wie können Betroffene künftig von dem neuen Angebot profitieren? Grundsätzlich gilt: Das CPTpatch ist erstattungsfähig. Die Kostenübernahme muss vor Beginn der Wundbehandlung genehmigt sein.
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