Neuartige microRNA im Kampf gegen kardiovaskuläre Erkrankungen identifiziert

Abbildung: ©Love Employee – stock.adobe.com

Eine Forschungsgruppe aus Finnland entdeckte kürzlich eine spezielle microRNA (miR-466c), welche im Zellkern von Mäusen an die Promotorregion des Wachstumsfaktors VEGFA bindet und somit dessen Expression hochreguliert. Die Forschenden erhoffen sich aus ihrer Erkenntnis auch einen Ansatz für einen künftigen Wirkstoff gegen ischämische kardiovaskuläre Erkrankungen.

Der Wachstumsfaktor VEGFA (vascular endothelial growth factor A) gehört zu einer Gruppe von Signalmolekülen, die u. a. bei der Angiogenese und Lymphangiogenese aber auch bei der Vasodilatation eine Rolle spielen. Die Regulation des VEGFA-Spiegels ist für viele Gentherapieanwendungen von Bedeutung und wird für die Behandlung von Erkrankungen wie Herzinfarkt und peripherer arterieller Verschlusskrankheit entwickelt.

MicroRNAs sind kleine RNA-Moleküle, die die Genexpression regulieren. Ihre eigentliche Aufgabe ist das Ausschalten von Genen, indem sie auf Boten-RNAs im Zellplasma abzielen. Die neue entdeckte microRNA miR-466c hat jedoch einen anderen Wirkmechanismus. Sie reguliert den VEGFA hoch, indem sie als Reaktion auf einen hypoxischen Reiz über eine nichtkodierende RNA an dessen Genpromotor im Zellkern bindet und diesen aktiviert. Dies geht aus einer neuen, in „Plos One“ veröffentlichten Studie von Forschern der Universität Ostfinnland in Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen hervor.

Diese Erkenntnisse erweitern nicht nur das akademische Verständnis der microRNA-Biologie, sondern sind auch von kommerzieller Bedeutung für die Entwicklung neuer RNA-Medikamente, ist sich die Studiengruppe sicher. Die Erhöhung der Expression von VEGFA durch kleine RNAs bietet ihnen zufolge neue Optionen für die Behandlung von ischämischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen die Blutversorgung des Gewebes beeinträchtigt ist.

„Das Phänomen der RNA-Aktivierung ist bereits seit 16 Jahren bekannt, aber sein kommerzielles Potenzial wurde erst vor kurzem erkannt“, sagt Assistenzprofessor Mikko Turunen, federführender Studienautor und Vorsitzender des neu gegründeten Unternehmens RNatives, das die microRNA bereits als Medikament hat patentieren lassen.

„Unser patentiertes microRNA-Medikament hat mehrere Vorteile gegenüber herkömmlichen Mitteln zur Steigerung der Genexpression. Zunächst einmal werden durch die Aktivierung des zelleigenen therapeutischen Gens (z. B. VEGFA) alle verschiedenen Spleißformen des Gens korrekt produziert. Da es sich um eine kleine RNA handelt, ist sie außerdem viel weniger immunogen und stabiler als längere RNAs, wie z. B. mRNA-basierte Medikamente“, sagt Turunen.

Zusätzlich zu den RNA-Medikamenten entwickelt RNatives künstlich hergestellte Exosomen für die Verabreichung dieser RNAs an die Patienten.