DKK 2026 Neue Ansätze gegen Langzeitfolgen nach Krebs19. Februar 2026 Symbolbild: © wladimir1804/stock.adobe.com Betroffene kämpfen oft noch Jahre nach durchgemachter Erkrankung mit belastenden Langzeitfolgen von Krebstherapien. Die aktuelle Forschung untersucht innovative Ansätze zur Prävention und Behandlung dieser Spätfolgen, um langfristig die Lebensqualität zu verbessern. Dank moderner Therapien überleben immer mehr Menschen ihre Krebserkrankung. Doch für viele endet die Belastung nicht mit der erfolgreichen Behandlung. In Deutschland leben rund fünf Millionen Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung, etwa 3,5 Millionen davon gelten als Langzeitüberlebende. Schätzungsweise die Hälfte leidet unter Spätfolgen, die ihre Lebensqualität erheblich einschränken. Auf dem Deutschen Krebskongress wurden aktuelle Strategien vorgestellt, wie diese Folgen künftig besser verhindert, erkannt und behandelt werden können. Genauere Hintergründe zu den Auswirkungen der Spätfolgen auf Alltag, Beruf und Lebensqualität finden Sie in einem gesonderten Beitrag am Beispiel von Melanom-Langzeitüberlebenden. Prävention und individuelle Therapie Ein zentraler Ansatz ist die Vorbeugung von Langzeitfolgen. So kommen bei Chemotherapien Kühlhauben oder Kühlpacks für Hände und Füße zum Einsatz, um taxanbedingte Neuropathien zu vermeiden. Studien zeigen, dass diese präventiven Maßnahmen Nervenschäden deutlich reduzieren können, wenngleich ein Restrisiko für Mestastasen in diesen Bereichen bestehen bleibt. Auch die Hippocampus-schonende Ganzhirnbestrahlung ist ein Beispiel für den Fortschritt: Frühere prophylaktische Bestrahlungen führten oft zu schweren kognitiven Einschränkungen, während moderne Techniken den Hippocampus schonen und so Gedächtnisfunktionen erhalten, ohne die Effektivität der Krebsbehandlung zu beeinträchtigen. Risikofaktororientierte Therapieanpassungen spielen ebenfalls eine Rolle, da Begleiterkrankungen wie Diabetes das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen. Durch gezieltes Monitoring und individuelle Anpassungen lassen sich Langzeitfolgen besser kontrollieren. Fortschritte in der Behandlung von Nebenwirkungen Spannende Fortschritte gibt es auch bei einigen Nebenwirkungen, die bislang als irreversibel galten. Bei peripherer Neuropathie wird beispielsweise die Rückenmarkstimulation (Spinal Cord Stimulation) erforscht: Implantierte Geräte senden elektrische Impulse an das Rückenmark und reduzieren Nervenschmerzen deutlich. Erste Daten aus Studien zu diabetischer Neuropathie zeigen sogar überraschende Überlebensvorteile bei bestimmten Patientengruppen. Ob dies eins zu eins auf Krebspatientinnen und -patienten übertragbar ist, werden zukünftige Studien zeigen. Hier sei außerdem anzumerken, dass die Forschung immer mehr versteht, wie Krebs und Nervenzellen interagieren. Auch wenn die Forschung hier noch in den Kinderschuhen steckt, eröffnet dies neue Möglichkeiten, wie man mit diesen Nervenschäden in Zukunft umgehen muss. Erste Ergebnisse deuten gar darauf hin, dass man durch gezielte Nervenblockade in vielen Fällen eventuell sogar den Krebs selbst bekämpfen könnte. Bei Lymphödemen kommen chirurgische Verfahren wie isolierte Lymphknoten-Transplantationen oder das Umklappen sogenannter „Flaps“ zum Einsatz, um die Region wieder besser zu vaskularisieren. Zudem werden experimentelle medikamentöse Therapien getestet, darunter Wachstumsfaktoren oder Fettstammzellen, die das Einwandern von Lymphgefäßen fördern. Auch Fibrosen nach Strahlentherapie lassen sich zunehmend zielgerichtet behandeln: Medikamente gegen das Dickkopf-3-Protein (DKK3) konnten kürzlich Hautfibrosen hemmen und erste Erfolge zeigen, während die molekulare Grundlagenforschung weitere Therapien ermöglichen soll. Auch die regenerative Medizin bietet potentiell neue Perspektiven zur Behandlung der genannten schwer behandelbaren Nebenwirkungen: Patienteneigene Stammzellen können differenziert und in geschädigtes Gewebe eingebracht werden. Erste Studien laufen für Herz-, Nerven- und Lymphgewebe. Auch künstlich gezüchtetes Gewebe oder regenerierende Medikamentenkomplexe sollen zerstörte Strukturen wiederherstellen. DDiese Ansätze stehen noch am Anfang; wenige Studien mit kleinen Fallzahlen begrenzen die klinische Umsetzung derzeit noch. Patientenwunsch im Fokus Nicht nur körperliche Schäden, sondern auch soziale und persönliche Aspekte beeinflussen das Langzeitüberleben. Junge Patientinnen und Patienten können sich vor Therapiebeginn zur Fertilität beraten lassen, Eierstockgewebe einfrieren oder Therapiepausen einlegen, um Kinderwunsch zu ermöglichen. Besonders wichtig ist hier die Einbeziehung der Patientenpräferenzen. Ein Berufsmusiker etwa würde durch ototoxische Chemotherapien stärker beeinträchtigt als jemand mit anderen Prioritäten. Auch alltägliche Nebenwirkungen wie dauerhafter Haarverlust oder chronische Schmerzen können so belastend sein, dass Betroffene eine Therapie ablehnen würden – diese Faktoren müssen in Entscheidungen berücksichtigt werden. Fazit Langzeitfolgen von Krebstherapien können jedes Organsystem betreffen und massiv die Lebensqualität einschränken. Prävention ist entscheidend, frühzeitiges Screening und individuelle Therapieanpassungen können Nebenwirkungen reduzieren. Gleichzeitig zeigen innovative Therapieansätze, dass Nebenwirkungen wie Nervenschäden, Lymphödeme und Fibrosen zunehmend behandelbar werden. Die regenerative Medizin eröffnet langfristig neue Möglichkeiten, befindet sich aber noch im experimentellen Stadium. Über allem steht die Einbindung der Patientenperspektive: Lebensqualität und individuelle Prioritäten müssen im Zentrum der Therapieentscheidungen stehen. Abschließend wird betont, dass dringend weitere klinische Studien nötig sind, um vielversprechende Ansätze gesichert in die Versorgung zu übertragen. (lj/BIERMANN)
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