Neue Behandlungsmethode für Glaukom: DFG fördert Studie an der Universitätsmedizin Göttingen15. März 2024 Andrea Antal und Michael Schittkowski (v.l.).Foto.© umg/fskimmel// Schittkowski An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) wird innerhalb einer Studie eine neue Methode zur Behandlung bei Glaukompatienten untersucht. Ziel ist es, den Gesichtsfeldausfall ohne operativen Eingriff mittels Elektrostimulation des geschädigten Sehnervs zu verringern. Prof. Michael Schittkowski, Bereichsleiter Strabologie, Neuroophthalmologie und okuloplastische Chirurgie in der Klinik für Augenheilkunde der UMG, und Prof. Andrea Antal, Leiterin der Arbeitsgruppe „Noninvasive Brain Stimulation Lab“ in der Klinik für Neurologie der UMG, untersuchen in der im Juli 2023 gestarteten VIRON-Studie eine neue Methode zur Behandlung des Glaukoms mittels Elektrostimulation. „Bei der transkraniellen Elektrostimulation (tES) handelt es sich um ein Verfahren, bei dem ein schwacher Wechselstrom durch die Kopfhaut und den Schädel (transkraniell) fließt und die Erregbarkeit der Nervenzellen beeinflusst“, erklärt Antal. „Im Rahmen dieser Studie soll untersucht werden, inwieweit sich die Aktivität des Sehnervs durch die Stimulation kurzfristig verändert.“ Ziel ist es, die eingetretenen Gesichtsfelddefekte zu verkleinern und das Sehvermögen der Patienten mit deutlich erkennbarem Glaukomschaden zu verbessern. Die Studie wird mit 1,5 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. „Da die Senkung des Augeninnendrucks bis heute die einzige therapeutische Möglichkeit ist, das Fortschreiten der Glaukomerkrankung zu verlangsamen, und ein einmal vorhandener Glaukomschaden weder durch Medikamente noch durch einen operativen Eingriff umkehrbar ist, wird deutlich, dass neue Therapieansätze dringend notwendig sind“, betont Schittkowski. Die Elektrostimulationsbehandlung wurde bereits in mehreren Studien angewandt, um das Restsehen bei einem beschädigten Sehnerv wieder herzustellen. Die Behandlung führte im Vergleich zur Scheinbehandlung zu einer bis zu zwei Monate nach Stimulationsbehandlung anhaltenden signifikanten Gesichtsfeldverbesserung und reduzierte die von den Patienten berichteten Beeinträchtigungen des täglichen Lebens. Die genaue Wirkungsweise der Elektrostimulation ist weiterhin ungeklärt. Zu den Erklärungsansätzen zählt die Förderung von Überleben und Regeneration retinaler Zellen. Als zugrundeliegende Mechanismen werden biochemische Prozesse wie die Freisetzung neurotropher Faktoren und eine erhöhte Durchblutung der Ader- und Netzhaut diskutiert. Erste Patienten konnten bereits erfolgreich in die VIRON-Studie aufgenommen werden.
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