Neue Behandlungsoption bei komplizierten Hirnaneurysmen11. September 2019 Mit sogenannten Mini-Flow-Divertern, die über die Leiste eingeführt werden, lassen sich auch kleine, kompliziert gelegene Aneurysmen behandeln. (Foto: ©Monkey Business – stock.adobe.com) Aneurysmen an kleinen, unübersichtlichen oder stark verzweigten Gefäßen tiefer im Gehirn gelten als nur schwer und mit hohem Risiko operierbar. Seit Kurzem bieten neue innovative Implantate auch für diese Aneurysmen Hoffnung auf einen schonenden und erfolgreichen Eingriff. Neuroradiologen am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) haben diese speziellen Stents bereits 70 mal erfolgreich einsetzen können und berichten darüber im “Journal of Neurointerventional Surgery”. Bei eher kleinen Aneurysmen und und sehr komplexen Gefäßverhältnissen galt bisher: In einer stundenlangen Operation muss der Schädelknochen geöffnet und die Gefäßfehlbildung offen operiert werden, mit hohem Risiko. Nur in seltenen Fällen konnte ein Eingriff über die Leiste versucht werden, mit oft unbefriedigendem Ergebnis für die Betroffenen. Oder es wurde zunächst abgewartet, ob sich das Aneurysma vergrößert. Seit einiger Zeit gibt es sogenannte Mini-Flow-Diverter, kleine, besonders eng gewebte metallische Gefäßstrümpfe, die in das geschädigte Gefäß eingeführt werden. Dies erfolgt mittels Katheter über einen kleinen Schnitt in der Leiste. Diese Art von Eingriffen gehört in der Neuroradiologie am Universitätsklinikum Leipzig (UKL) zum Alltag, weit mehr als 200 solcher Interventionen hat das Team um Prof. Karl-Titus Hoffmann und Oberarzt Dr. Ulf Quäschling bereits ausgeführt. „Das ist insgesamt eine neue Qualität in der Behandlung von Aneurysmen, die damit nachhaltig ausgeschaltet werden können“, erläutert Quäschling. Die neuesten Stents sind dabei so klein, dass sie auch bei tiefliegenden Aneurysmen und unübersichtlichen Gefäßen angewandt werden können. Die Leipziger behandeln damit inzwischen viele Patienten, denen an anderen Kliniken keine Hoffnung mehr gemacht wurde. Erste Erfahrungen veröffentlicht Erste Erfahrungen haben die UKL-Neuroradiologen vor Kurzem im „Journal of Neurointerventional Surgery“ veröffentlicht. Ihr Fazit fast 50 solcher Eingriffe später: Auch bei kleinen Aneurysmen, für die bisher die Empfehlung galt, nicht zu operieren, ist ein Eingriff eine erfolgversprechende Option. „Aktuelle Studien zeigen, dass auch diese Aneurysmen reißen und zu Blutungen führen können, was mit unseren Erfahrungen übereinstimmt“, sagt Hoffmann. Dann sei es aber oft zu spät, denn im Notfall überleben nur wenig mehr als zwei Drittel der Patienten, ungefähr ein Drittel mit langfristig erheblichen Beeinträchtigungen. „Wir können mit den neuen Möglichkeiten viele Notfälle verhindern“, ist der Leiter der UKL-Abteilung für Neuroradiologie überzeugt. „Für statistisch relevante Belege, dass die Zahl der Blutungen aufgrund eingerissener Hirnaneurysmen abnimmt, ist es aber noch zu früh, auch wenn es uns derzeit bei gleichzeitig deutlich steigender Anzahl von behandelten Aneurysmen so erscheint“, meint Hoffmann. Wichtig ist ihm, den Betroffenen Mut zu machen: „Auch bei scheinbar sehr komplizierten Fällen gibt es die Chance einer Behandlung, gerade auch dann, wenn es um Aneurysmen geht, die weder mit den herkömmlichen Katheterverfahren noch mit einer offenen Operation sinnvoll behandelt werden können“, sagt der Experte. Originalpublikation: Schob S et al.: Flow diversion beyond the circle of Willis: endovascular aneurysm treatment in peripheral cerebral arteries employing a novel low-profile flow diverting stent. J Neurointerv Surg, 14. Mai 2019
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