Neue Einblicke in Zusammenhänge zwischen Allergie und Krebs

Foto: © Thomas Suchanek/ Vetmeduni

Eine Studie unter Leitung der Vetmeduni Wien untersuchte mögliche gemeinsame Immunmechanismen zwischen allergischen Erkrankungen und krebsrelevanten Immunwegen. Während Monozyten und Makrophagen im Zusammenhang mit Krebs umfassend erforscht wurden, ist ihre Rolle bei allergischen Erkrankungen noch wenig verstanden. Die Studie trägt zusammen mit der neuen Forschungsplattform „ALO•HA“ dazu bei, diese bestehende Lücke in der Allergieforschung zu adressieren.

Die Forschungsarbeit liefert eine strukturierte Charakterisierung der molekularen Signaturen und funktionellen Signalwege humaner Monozyten und Makrophagen in allergischen Immunantworten und stützt sich dabei ausschließlich auf Evidenz aus Humanstudien und nicht auf Tiermodelle oder Zelllinien. Die genauere Charakterisierung dieser zentralen Immunzellen beim Menschen schafft eine solidere Grundlage für den Vergleich mit Immunantworten bei Tieren und liefert neue Erkenntnisse für eine One-Health-orientierte Immunologie.

Plattform zur Erforschung molekularer Zusammenhänge

Konkret hilft die Identifizierung gemeinsamer molekularer Signaturen und immunbezogener Signalwege über wesentliche menschliche allergische Erkrankungen hinweg, besser zu verstehen, wie Monozyten und Makrophagen zu allergischen Entzündungen beitragen. „Um diese Ergebnisse der wissenschaftlichen Gemeinschaft zugänglich zu machen, haben wir im Rahmen der Studie zudem ALO•HA (Allergy Linking Oncology Human Analyses) entwickelt – eine interaktive Webplattform, die es Forschenden ermöglicht, Moleküle, Erkrankungen, Probenquellen und Trends zu untersuchen und neue molekulare Zusammenhänge aufzudecken“, erklärt Studienerstautor Rodolfo Bianchini vom Klinischen Zentrum für Pferde der Vetmeduni.

Makrophagen als Ansatzpunkt für zukünftige Krebstherapien

Die Studie liefert zudem eine Grundlage, um zu untersuchen, wie allergieassoziierte Monozyten- und Makrophagensignaturen mit für Krebs relevanten Immunwegen zusammenhängen könnten. Daraus ergeben sich laut Bianchini neue Forschungsansätze, die langfristig zu zukünftigen therapeutischen Strategien beitragen könnten: „Unsere Arbeit rückt Makrophagen als potenzielle Instrumente der Immunmodulation in den Fokus und eröffnet weitere Chancen für die translationale Forschung und letztlich für die Versorgung von Patienten.“

Studie destilliert tausende wissenschaftliche Arbeiten

Die breit angelegte Review-Studie wurde in mehreren Schritten durchgeführt. Eine automatisierte Suche in den Datenbanken PubMed und Web of Science identifizierte zunächst 4.668 Artikel. Diese wurden anschließend anhand vordefinierter Ein- und Ausschlusskriterien manuell kuratiert, woraus sich 138 geeignete Studien ergaben. „Daraus identifizierten wir 451 Moleküle, die mit Monozyten- und Makrophagenreaktionen bei allergischen Erkrankungen assoziiert sind. Unsere Analysen zeigten zudem eine Forschungsverzerrung hin zu aus dem Blut stammenden Monozyten, eine Unterrepräsentation gewebsresidenter Makrophagen sowie eine begrenzte Einbeziehung von MicroRNAs“, so Bianchini.