Neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe erforscht schwere Pilzinfektionen

Nachwuchsgruppenleiter Dr. Mark Gresnigt im Labor. © privat

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine neue Emmy Noether-Nachwuchsgruppe am Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie – Hans-Knöll-Institut – (Leibniz-HKI) in Jena.

Dr. Mark Gresnigt wird die Gruppe leiten. Gemeinsam mit seinem Team möchte er herausfinden, wie sich das menschliche Immunsystem und pathogene Pilze gegenseitig wahrnehmen. Die Ergebnisse sollen Ansatzpunkte für neue Therapiemöglichkeiten liefern.

Pilze, unterschätzte Infektionserreger?

Schwere Pilzinfektionen fordern jährlich mehr als 1,5 Millionen Menschenleben. Das sind ungefähr so viele, wie auch durch Malaria oder Tuberkulose sterben. Erschwerend hinzukommt, dass sogenannte systemische Pilzinfektionen, die den gesamten Körper erfassen, schwer zu diagnostizieren und manchmal kaum zu behandeln sind.

Erreger – Wirt: Ein komplexes Zusammenspiel

Der Biologe Gresnigt möchte verstehen, wie sich das menschliche Immunsystem und Pilze gegenseitig wahrnehmen und wie sich das auf den Infektionsverlauf auswirkt. „Die Wahrnehmung von Stress ist für Pilze entscheidend, um sich an ihre Umgebung anpassen zu können“, erklärt Gresnigt. Der Nachwuchswissenschaftler aus den Niederlanden konzentriert sich mit seiner Arbeitsgruppe auf Candida albicans. Dieser Pilz ist bei den meisten Menschen ein harmloser Bewohner menschlicher Schleimhäute wie beispielsweise in der Mundhöhle oder im Verdauungstrakt. Doch bestimmte Umstände führen zu schweren Infektionen, die als Candidose bezeichnet werden. Gresnigt möchte herausfinden, welche Faktoren dafür verantwortlich sind.

„Ich gehe davon aus, dass der Hefepilz Candida albicans im Laufe der Evolution darauf trainiert wurde, auf die Signale des Immunsystems zu reagieren. Je nachdem, was sein Überleben gerade begünstigt, passt er seinen Lebensstil an – entweder als harmloser Bewohner oder eben als Krankheitserreger“, so Gresnigt. Doch auch das menschliche Immunsystem hat sich weiterentwickelt. Es erkennt die Änderungen beim Erreger und reagiert darauf. Mit seiner Arbeitsgruppe möchte Gresnigt genau diese Wechselwirkungen und die damit verbundene Entwicklung vom harmlosen Mitbewohner zu einem mitunter tödlichen Krankheitserreger – die sogenannte Pathogenese – besser verstehen. Mit diesen Erkenntnissen möchte die Forschergruppe außerdem Ideen für neue Therapien und Biomarker entwickeln, die zur Diagnose wichtig sind.

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Quellen Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie - Hans-Knöll-Institut (HKI), 13.05.2020