Neue Forschungsprojekte zu Morbus Alzheimer18. Februar 2020 Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit stehen im Verdacht, Erkrankungen wie Alzheimer zu fördern. (Foto: ©Mauricio – stock.adobe.com) In Deutschland erkranken jährlich rund 300.000 Menschen an Demenz. Zwei neue Forschungsprojekte untersuchen den Zusammenhang zwischen Lebensstil und der neurodegenerativen Erkrankung beziehungsweise welchen Einfluss Glucocorticosteroide auf das Erkrankungsrisiko haben. In Deutschland erkranken jährlich 500.000 Menschen an Diabetes und 300.000 an Demenz – bei mindestens zwei Dritteln davon handelt es sich um Alzheimer-Demenz. Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Leiden? Das auf fünf Jahre angelegte EU-Projekt namens PRIME – Prävention und Behandlung von Insulin-Multimorbidität in Europa – wird dieser Frage nachgehen. Konkret erforschen die beteiligten Wissenschaftler, wie Stoffwechselstörungen und Erkrankungen des Gehirns zusammenhängen. Insbesondere Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit stehen im Verdacht, Erkrankungen wie Alzheimer zu fördern. PRIME will herausfinden, wie sich solche Störungen des Gehirns auf veränderte Insulinsignale zurückführen lassen und wie dies mit körperlichen Krankheiten in Verbindung steht. Es handelt sich um ein Forschungsprojekt, an dem 17 verschiedene Hochschul- und Privatsektorgruppen aus neun europäischen Ländern beteiligt sind. Gemeinsam erhalten Sie aus dem EU-Programm Horizont 2020 sechs Millionen Euro für den Projektzeitraum 2020 bis 2024. Das Team am Universitätsklinikum Frankfurt leitet das Teilprojekt Intervention und integrative Modellbildung. Es wird durchgeführt an der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie unter der Leitung von Prof. Andreas Reif. Projektleiterin ist Dr. Silke Matura. Die Forscher bedienen sich Smartphone-Apps, um das Zusammenspiel von Ernährung, körperlicher Aktivität und Hirnleistung bei Patienten mit Diabetes mellitus 2 zu erfassen und zu untersuchen. Kann Alzheimer mit cortisonähnlichem Wirkstoff behandelt werden? Eine Analyse von Krankenkassendaten hat zu einem spannenden Hinweis geführt: Menschen, die Glucocorticosteroide (GCC) als Nasenspray zu sich nahmen, erkrankten später seltener an Alzheimer. Der Grund könnte in der entzündungshemmenden Wirkung von GCC liegen, zu denen auch Cortison gehört. Denn Forschungsergebnisse zeigen, dass Entzündungsvorgänge im Gehirn eine bedeutende Rolle bei der Alzheimer-Krankheit spielen und den Krankheitsfortschritt beschleunigen. Dr. Kristin Oberländer vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) am Standort Bonn geht der Frage nach, ob GCC die Entzündungen im Gehirn tatsächlich hemmen können und ob dadurch Lern- und Gedächtnisvorgänge verbessert und das Nervenzellsterben aufgehalten werden. Gefördert wird das zweijährige Forschungsprojekt von der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) mit 40.000 Euro. Die Forscherin arbeitet mit sogenannten Alzheimer-Mäusen, die mit wenigen Monaten bereits für Alzheimer typische Symptome zeigen. Eine Gruppe wird bereits nach den ersten sechs Lebenswochen mit GCC-Nasentropfen aus Budesonid behandelt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich bei den Mäusen noch keine für die Alzheimer-Krankheit typischen Eiweißablagerungen aus Beta-Amyloid gebildet. Bei einer zweiten Gruppe beginnt die Behandlung nach vier Monaten, wenn bereits erste Symptome zu beobachten sind. Auf diesem Weg soll der beste Zeitpunkt für eine mögliche Therapie ermittelt werden. Neben einem Gedächtnistest werden die Mäuse auf Entzündungsvorgänge, Beta-Amyloid-Ablagerungen und den Gesundheitszustand der Nervenzellen im Gehirn untersucht. „Wenn diese Untersuchungen positiv verlaufen, könnte im Anschluss eine klinische Studie mit einem GCC-haltigen Wirkstoff folgen, um langfristig eine wirkungsvolle Alzheimer-Therapie entwickeln zu können“, sagt Oberländer.
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