Neue Gene und natürliche Toxine lassen bei Chemotherapie-resistenten Kopf-Hals-Tumoren hoffen5. September 2023 Der Proteasomen-Inhibitor Carfilzomib wird bereits beim Multiplen Myelom eingesetzt. Bild: ©molekuul.be – stock.adobe.com Wissenschaftler der Queen Mary University of London, Großbritannien, haben zwei neue Gene entdeckt, die dazu führen, dass Tumoren im Kopf-Hals-Bereich gegen eine Chemotherapie resistent werden. Durch die Stummschaltung eines dieser Gene können Krebszellen, die zuvor nicht auf die Chemotherapie angesprochen haben, anschließend darauf reagieren. Die beiden entdeckten Gene sind bei den meisten menschlichen Krebsarten aktiv, was bedeutet, dass sich die Ergebnisse möglicherweise auf andere Krebsarten mit erhöhten Genspiegeln erstrecken könnten. Die Forschenden durchsuchten zudem eine chemische Bibliothek, die üblicherweise für die Arzneimittelentwicklung verwendet wird. Dabei fanden sie zwei Substanzen, die spezifisch auf die beiden Gene abzielen und resistente Krebszellen fast 30-mal empfindlicher gegenüber Cisplatin machen könnten. Sie tun dies, indem sie die Spiegel der beiden Gene reduzieren und könnten zusätzlich zu einer bestehenden Chemotherapie wie Cisplatin verabreicht werden. Einer dieser Stoffe ist ein Mykotoxin – Sirodesmin A – und der andere – Carfilzomib – stammt aus einem Bakterium. Dies demonstriert, dass es möglicherweise bereits existierende Medikamente gibt, die für die Bekämpfung neuer Krankheitsursachen eingesetzt werden können, was billiger sein kann, als neue entwickeln und produzieren zu müssen. Die von Wissenschaftlern der Queen Mary geleitete und in „Molecular Cancer“ veröffentlichte Forschung ist die erste Evidenz dafür, dass die Gene NEK2 und INHBA eine Chemotherapie-Resistenz bei Plattenepithelkarzinomen im Kopf- und Halsbereich (HNSCC) verursachen sowie dafür, dass die Stummschaltung von einem der beide Gene eine Chemotherapie-Resistenz gegenüber mehreren Medikamenten überwinden kann. Die Wissenschaftler verwendeten zunächst eine Methode namens Data Mining, um Gene zu identifizieren, die möglicherweise das Ansprechen des Tumors auf eine medikamentöse Therapie beeinflussen. Sie testeten 28 Gene an 12 Stämmen Chemotherapie-resistenter Krebszelllinien und fanden 4 „signifikante“ Gene, die besonders gut ansprachen, die sie dann weiter untersuchten und die Multi-Medikamenten-Resistenz testeten. „Diese Ergebnisse sind ein vielversprechender Schritt dahingehend, dass Krebspatienten in Zukunft eine personalisierte Behandlung basierend auf ihren Genen und ihrem Tumortyp erhalten, die ihnen ein besseres Behandlungsergebnis und ein längeres Überleben ermöglicht”, erläuterte Seniorautor Dr. Muy-Teck Teh. „Leider gibt es viele Menschen, die nicht auf Chemotherapie oder Bestrahlung ansprechen. Aber unsere Studie hat gezeigt, dass zumindest bei Kopf-Hals-Tumoren möglicherweise diese beiden besonderen Gene dahinterstecken, die dann gezielt zur Bekämpfung der Chemotherapie-Resistenz eingesetzt werden können.“ Bei 90 Prozent aller Kopf-Hals-Karzinome handelt es sich um HNSCCs, wobei Tabak- und Alkoholkonsum als wichtigste Risikofaktoren gelten. Jedes Jahr gibt es 12.422 neue Fälle von Kopf-Hals-Tumoren und die 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate von Patienten mit fortgeschrittenem HNSCC beträgt <25%. Eine Hauptursache für schlechte Überlebensraten beim HNSCC ist ein Behandlungsversagen, das auf eine Resistenz gegen Chemo- und/oder Strahlentherapie zurückzuführen ist. Im Gegensatz zu Lungen- und Brustkrebspatienten werden alle HNSCC-Patienten unabhängig von der genetischen Ausstattung ihres Karzinoms mit nahezu den gleichen Therapie-Kombinationen behandelt.
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