Neue Hoffnung für Nierenpatienten: DGIM verleiht Theodor-Frerichs-Preis6. Mai 2025 Foto: © Peakstock/stock.adobe.com Warum entwickeln manche Menschen eine schwere Nierenerkrankung, während andere verschont bleiben? Dieser bisher ungeklärten Frage hat sich Dr. Felicitas Eugenia Hengel vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf gewidmet. Beim nephrotischen Syndrom ist die Filterfunktion der Niere gestört, große Mengen Eiweiß gehen über den Urin verloren und es kommt zu ausgeprägten Wassereinlagerungen im Körper. Hengel konnte zeigen, dass bestimmte Autoantikörper maßgeblich an der Entstehung des Krankheitsbildes beteiligt sind – und schafft damit die Grundlage für neue diagnostische und therapeutische Ansätze. Für ihre herausragende wissenschaftliche Leistung wurde sie von der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) mit dem Theodor-Frerichs-Preis 2025 ausgezeichnet. Der mit 30.000 Euro dotierte Preis wurde gestern im Rahmen der feierlichen Eröffnung des 131. Internistenkongresses in Wiesbaden verliehen. Neue Therapieoption mit Rituximab Konkret konnte Hengel nachweisen, dass bestimmte Antikörper, die sich gegen das Eiweiß Nephrin richten, eine entscheidende Rolle dabei spielen. In ihrer multizentrischen Studie mit über 500 Patienten zeigte sich: Fast 90 Prozent der betroffenen Kinder und 69 Prozent der erkrankten Erwachsenen tragen diese Antikörper im Blut. Damit könnte ein gezielter Bluttest künftig helfen, die Erkrankung besser zu erkennen und schneller zu behandeln. Um zu bestätigen, dass die Autoantikörper tatsächlich die Erkrankung verursachen, entwickelte Hengel ein spezielles Mausmodell. Die Antikörper griffen dort direkt die Filterzellen der Niere an und führten so zur typischen Erkrankungsausprägung. Besonders relevant für die klinische Praxis: In ersten Untersuchungen zeigte sich, dass das Medikament Rituximab, das bestimmte Immunzellen gezielt ausschaltet, zu einer nachhaltigen Besserung bei vielen Patienten führte. Diese Erkenntnis bietet das Potenzial, die bislang unspezifische Behandlung mit allgemeinen Immunsuppressiva künftig deutlich zu verbessern. Zur Person Hengel studierte und promovierte an der Universität Heidelberg. Seit 2021 arbeitet sie als Assistenzärztin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und forscht dort als Clinician Scientist in der Nephrologie. Ihre Arbeiten wurden in internationalen Fachzeitschriften wie dem New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie ist zudem Teil eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs zur Erforschung glomerulärer Erkrankungen.
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