Neue Leitlinien zur Behandlung der Sepsis und des septischen Schocks13. März 2018 Symbolbild Foto: ©psdesign1, fotolia.com Die Leitlinie der Surviving Sepsis Campaign diskutiert die sepsisspezifische Behandlung und gibt Empfehlungen für allgemeine intensivmedizinische Maßnahmen. Der Artikel fasst die wichtigsten Empfehlungen zusammen und diskutiert zusätzlich einige entscheidende Änderungen. Dies soll den Leser ermutigen, die neue Leitlinie in den klinischen Alltag zu übernehmen. Eine wesentliche Neuerung in der aktuellen Leitlinie im Vergleich zu den vorherigen Versionen betrifft die neue Definition der Sepsis. Nach dieser wird eine Sepsis durch eine fehlregulierte Immunantwort verursacht, die zu einer lebensbedrohlichen Organdysfunktion führt. Der Terminus „dysregulated host response“ verdeutlicht, dass die schädliche Immunantwort nicht länger nur durch die überschießende Inflammation gekennzeichnet ist, sondern auch die wachsende Bedeutung der immunsuppressiven Komponente berücksichtigt. Der septische Schock wiederum stellt eine besondere Entität der Sepsis dar. Die zunehmende Kreislauf- und metabolische Dekompensation ist mit einem deutlich erhöhten Letalitätsrisiko assoziiert. Hierdurch ist die Sepsis eine der führenden Ursachen für Tod, Morbidität und Behandlungskosten, die 30 – 50% der Todesfälle von hospitalisierten Patienten erklärt. Die herausfordernde Behandlung der Sepsis hängt im Wesentlichen von 5 Eckpunkten ab: frühzeitiges Erkennen der Sepsis Behandlung der Infektion und Immunmodulation hämodynamische Stabilisierung Behandlung und (Re-)Kompensation des Organversagens suffiziente Regeneration und Rehabilitation Wie in den Jahren 2004, 2008 und 2012 wurde nach einem 4-jährigen Intervall die Internationale Leitlinie der Surviving Sepsis Campaign (SSC) umfangreich überarbeitet. Das Gremium, bestehend aus 55 Experten, wurde in die 5 Sektionen: „Hämodynamik“, „Infektiologie“, „Begleittherapien“, „Stoffwechsel“ und „Beatmung“ unterteilt und die Empfehlungen unter Zuordnung zu der jeweiligen Sektion aktualisiert, um die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in konkrete Therapie- und Handlungsempfehlungen umzusetzen. Hieraus ist ein mit 74 Seiten, 665 Referenzen und 93 Empfehlungen bemerkenswert umfassendes und für die Behandlung von septischen Patienten unverzichtbares Werk geworden, welches im Januar 2017 gleich an 2 Stellen publiziert wurde. Die Empfehlungen zur Behandlung der Sepsis im Kindesalter sind nicht mehr in dieser Leitlinie abgebildet und sollen separat im Laufe des Jahres publiziert werden. Die Struktur wurde grundlegend überarbeitet, um für die klinisch tätigen Kollegen einen effizienten Einstieg zu ermöglichen. Die Beurteilung der Empfehlungen erfolgt nicht mehr mittels Zahlenwerten und Buchstaben, sondern wird nach dem GRADE-System (Grading of Recommendations, Assessment, Development and Evaluation) den Empfehlungsgraden „strong“ und „weak“ zugeteilt. Die Evidenz wird additiv mit den Begriffen „high“, „moderate“, „low“ und „very low“ klassifiziert. Zusätzlich wurde die Entität der „Best Practice“-Empfehlung integriert, die bei eindeutiger und notwendiger Indikation, aber nur schwer fassbarer Evidenz verwendet wird. Die kurzen und prägnanten Empfehlungen zu Beginn eines jeden Abschnittes stellen die Basis für die Therapieentscheidungen im klinischen Alltag dar. Diesen folgt eine ausführliche wissenschaftliche Bewertung und Stellungnahme der aktuellen Literatur, die von Evidenztabellen und Literaturreferenzen begleitet wird. Sehr lesenswert zum Verständnis der neuen Leitlinienstruktur ist das von Dellinger und Kollegen verfasste Handbuch zur Leitlinienanwendung.
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