Neue Leitung für die Sektion Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie in Bonn

Ein Spezialist für punktgenaues Operieren im Gehirn: Prof. Jaroslaw Kazimierz Maciaczyk (Foto: © Johann Saba/UK Bonn)

Prof. Jaroslaw Kazimierz Maciaczyk ist neuer Leiter der Sektion Stereotaktische und Funktionelle Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn.

Am Standort Bonn möchte Maciaczyk einen schnellen Wissenstransfer von der Forschung in die Patientenversorgung und umgekehrt fördern. Dabei will er vor allem die Versorgung von Hirntumorpatienten verbessern und die Tiefe Hirnstimulation sowie die periphere Neuromodulation als Therapieoptionen unter anderem für Parkinson- und Schmerzpatienten ausbauen. Zuletzt war der gebürtige Pole zwei Jahre an der University of Otago in Dunedin (Neuseeland) tätig.

Maciaczyk operiert das Gehirn mit einem speziellen Verfahren, der so genannten Stereotaxie. Dazu bestimmt er mittels computerassistierter Berechnung die Zielpunkte exakt im dreidimensionalen Raum des Kopfes. Aufnahmen bildgebender Verfahren ermöglichen dabei eine hohe Präzision. „Wir können die Route ausrechnen, auf der wir keine wichtige Gehirnstruktur zerstören“, sagt Prof. Maciaczyk. „Es ist eine auf einen Millimeter – also auf die Größe einer Nadelspitze – genaue Methode.“ Ein am Kopf befestigter Metallrahmen ist dabei wesentlich für seine Zielgenauigkeit, wenn der Bonner Neurochirurg über ein kleines Bohrloch in das Gehirn vordringt. So kann er selbst äußerst kleine und tief gelegene Hirnareale punktgenau erreichen. So lassen sich unter anderem Proben für die Diagnostik entnehmen oder tiefe Hirnelektroden platzieren.

Elektrische Impulse sorgen für Ruhe und Ordnung

„Bei der Behandlung von Parkinson findet gerade ein Paradigmenwechsel statt: Eine Hirnstimulation im früheren Krankheitsstadium ist der alleinigen medikamentösen Therapie überlegen – also nicht warten bis der Betroffene austherapiert ist. Denn Patienten mit beginnenden motorischen Komplikationen sprechen viel besser auf die Therapie an. Zudem verlangsamt sie den Krankheitsverlauf, vor allem bei jüngeren Patienten, möglicherweise aufgrund der schützenden Wirkung der Stimulation auf Nervenzellen“, sagt Maciaczyk. Die Tiefe Hirnstimulation ist auch eine Option bei anderen Bewegungsstörungen wie essenziellem Tremor und Dystonie, schwer behandelbaren chronischen Schmerzen sowie bei psychiatrischen Erkrankungen wie Zwangsstörung oder Depression.

Außerhalb des Gehirns implantiert der neue Sektionsleiter Systeme zur Stimulation im Bereich des Rückenmarks oder peripherer Nerven. Damit hilft er beispielsweise Patienten mit medikamentös austherapierten Schmerzen oder Patienten mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) oder Angina pectoris. „Es ist eine Alternative für Betroffene, bei denen die Verengung der Gefäße nicht operativ behoben werden kann. Wir stellen die Mikrozirkulation wieder her, lindern die Schmerzen und im Falle der pAVK können auch oft Amputationen verhindern.“

„Besondere Wissenschaftslandschaft in Bonn“

Im Rahmen seiner onkologischen Forschung beschäftigt sich Maciaczyk mit Krebszellen, die Stammzellcharakter haben. Kleine Populationen solcher Tumorstammzellen sind der Ursprung eines bösartigen Tumors. Bei einer Operation bleiben in der Regel Krebszellen übrig, die eine Nachtherapie erfordern. Doch die Tumorstammzellen sind gegen Strahlung und Chemotherapie resistent. „Kommt ein Tumor nach einer erfolgreichen Krebsbehandlung wieder, ist dies auf eine dieser Stammzellpopulationen zurückzuführen. Ich will deren Regulation entschlüsseln, um sie bekämpfen zu können“, sagt der neue Sektionsleiter.

Maciaczyk setzt auf eine starke kooperative Vernetzung, sowohl innerhalb als außerhalb der Klinik. „Am Bonner Standort gibt es eine hervorragende klinische Forschung und Grundlagenforschung im Labor. Zudem gibt es ein komplettes Angebot modernster Hochleistungsgeräte gekrönt vom interdisziplinär angewandten Gerät für hoch-intensiven fokussierten Ultraschall (HIFU) zur Tremorbehandlung. Diese Vielseitigkeit gibt es kaum woanders“, beschreibt der Vater zweier Töchter seine Motivation an das Universitätsklinikum Bonn zu kommen und somit nach Deutschland zurückzukehren. Denn nach seinem Studium in Polen war er an den Universitätskliniken in Freiburg und Düsseldorf tätig, bevor er nach Neuseeland an die University of Otago in Dunedin ging.