Neue Phase der Immunantwort entdeckt14. April 2025 Drei Tage nach der Virusinfektion treffen CD8-T-Zellen (rot) erneut auf antigenpräsentierende Zellen (cyan), wo sie von CD4-T-Zellen (gelb) mit IL-2 versorgt werden, die nach einem Stop-and-Go-Muster wandern. Bild: ©Deeksha Seetharama/Max-Planck-Forschungsgruppe Ein Team an der Universität Würzburg hat eine bislang unbekannte Phase der Immunantwort entdeckt. Mit seinen in „Science“ publizierten Ergebnissen ändert sich die Annahme über den Ablauf des T-Zell-Primings. Das hat direkte Auswirkungen auf Impfungen und zelluläre Immuntherapien. Die Forschungsgruppen um Prof. Wolfgang Kastenmüller und Prof. Georg Gasteiger beobachteten mit innovativen Mikroskopietechniken, wie T-Zellen bei einer viralen Erkrankung aktiviert und vervielfältigt werden, und stieß dabei auf bislang unbekannte Vorgänge: Das Immunsystem vermehrt seine Abwehrzellen viel gezielter als gedacht. T-Zellen vermehren und spezialisieren sich während der Immunreaktion Um gezielt infizierte Zellen zerstören zu können, müssen T-Zellen sich vermehren und spezialisieren. Dieser Prozess nennt sich T-Zell-Priming und beginnt, wenn T-Zellen in den Lymphknoten auf dendritische Zellen (DCs) treffen. Diese Zellen präsentieren ihnen Antigene und aktivieren die T-Zellen durch verschiedene Signale. Die Aktivierung dauert etwa 24 Stunden. In dieser Zeit bleiben die T-Zellen mit den DCs in Kontakt und erhalten Instruktionen, um sich zu spezialisieren. Danach lösen sie sich, wandern weiter und vervielfältigen sich schnell. Einige entwickeln sich zu Effektorzellen, die sofort gegen Erreger kämpfen, andere werden zu Gedächtniszellen, die bei einer erneuten Infektion schnell reagieren können. Nur die besten T-Zellen werden ausgewählt Das Immunsystem steht dabei vor der Herausforderung, aus einer ungeheuer großen Anzahl von individuell unterschiedlichen T-Zellen rasch diejenigen zu identifizieren, die einen bestimmten Erreger spezifisch erkennen können. Diese werden dann im „Priming“ als Klone vermehrt. Dr. Katarzyna Jobin und Deeksha Seetharama sind die Erstautorinnen der Studie. „Wir haben herausgefunden, dass es nicht nur eine Phase bei der Aktivierung von T-Zellen gibt, sondern zwei“, beschreibt Seetharama. „Während die erste Phase des Primings dazu dient, möglichst viele spezifische T-Zellen zu aktivieren, dient die neu entdeckte zweite Phase dazu, diejenigen zu selektionieren und gezielt weiter zu vermehren, die das Pathogen am besten erkennen können. So wird sichergestellt, dass die Immunantwort möglichst effizient ist“, fasst Jobin zusammen. Das Priming von CD8 T-Zellen erfolgt in zwei Phasen. In der Aktivierungsphase (Tag 1) binden naive T-Zellen für 24 Stunden an dendritische Zellen (DC), proliferieren und wandern in tiefere Lymphknotenbereiche. In der Selektionsphase (Tag 2-3) gewinnen die T-Zellen ihre Sensitivität zurück, wodurch hochaffine Klone wieder mit antigenpräsentierenden Zellen interagieren. CD4 T-Zellen unterstützen dies mit IL-2, während regulatorische T-Zellen die IL-2-Verfügbarkeit begrenzen. Diese Prozesse fördern die Expansion und Differenzierung zu Effektor-CD8 T-Zellen. Abbildung: ©Erstellt mit Biorender/Max-Planck-Forschungsgruppe „Vorher dachte man, es gibt nur eine Phase und die initial aktivierten Zellen schalten dann auf Autopilot“, ergänzt Kastenmüller, „aber wie die Besten ausgewählt werden, war bisher nicht bekannt.“ Ergebnisse könnten genutzt werden, um Therapien zu verbessern Die verschiedenen Phasen der Immunantwort basieren auf einer zyklischen Aktivierung der T-Zellen. Nach der ersten Interaktion werden die T-Zellen zunächst desensitiviert und es dauert zwei bis drei Tage, bis sie erneut bereit sind, weitere Signale mit Hilfe ihres T-Zell Rezeptors wahrzunehmen. Dann beginnt die zweite Phase, in der sie erneut instruiert werden. In chronischen Infektionen sowie bei Krebserkrankungen kommt es immer wieder zu Phasen der Aktivierung und Desensitivierung – daher haben die Ergebnisse Auswirkungen auf Immuntherapien gegen Krebs, beispielsweise auf CAR-T-Zelltherapien. „Wir hoffen, dass unsere neuen Erkenntnisse dazu beitragen, ein tieferes Verständnis für die Optimierung von auf T-Zellen basierenden Therapieansätzen zu gewinnen. Und dass wir besser verstehen, warum diese Therapien manchmal scheitern“, erläutert Gasteiger.
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