Neue Rezepte gegen das „Kreuz mit dem Kreuz“12. Januar 2022 Schlüsselübergabe für das neue Schmerzzentrum, v.l.n.r: Finanzvorstand Werner Weißenberger, Klinikleiter Karsten Fuchs, Chefarzt Oliver Wolf, Vorstandschef Markus Zwick (Foto: Johannesbad Gruppe/Rudolf G. Maier) Die Johannesbad Gruppe hat Anfang Januar ein Ambulantes Praxiszentrum für Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie in Bad Füssing offiziell eröffnet. Markus Zwick, Vorstandsvorsitzender der Johannesbad Gruppe sieht in dem neuen Kompetenzzentrum einen „Meilenstein, der vielen Schmerzpatienten neue Hoffnung geben kann”, wie er bei der Einweihung sagte. Die Johannesbad Gruppe stelle die Weichen, um die Behandlung und Therapie von chronischen Schmerzen deutlich zu verstärken, so Zwick. Johannesbad-Finanzvorstand Werner Weißenberger sprach von einer „wegweisenden Zukunftsinvestition in die medizinische Kompetenz unseres Unternehmens, die weit über die Region hinaus strahlt”. Acht von zehn Deutschen haben Probleme mit dem Rücken In Deutschland leiden heute acht von zehn Menschen im Laufe des Lebens unter behandlungsbedürftigen Rückenschmerzen. Das hat eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Versicherungsunternehmens Swiss Life ergeben. Bandscheibenschäden gehören nach offiziellen Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zu den 20 häufigsten Diagnosen in den Arztpraxen. Mit zuletzt rund 21 Prozent führen Rückenschmerzen heute die Statistik der Ursachen für Arbeitsunfähigkeit an, so eine Erhebung der Deutschen Angestellten-Krankenkasse. Rückenprobleme sind nach den Zahlen verschiedener Krankenkassen auch für etwa ein Fünftel aller Frühverrentungen in Deutschland verantwortlich. Die Zahl der Wirbelsäulen-Operationen ist nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung allein im Zeitraum von 2007 bis 2015 um mehr als 70 Prozent gestiegen. Dabei wird heute deutlich öfter operiert als in den Nachbarländern: Laut der 2017 veröffentlichten Bertelsmann-Erhebung kamen in der Bundesrepublik 2015 pro Jahr auf 100.000 Einwohner knapp 1000 Eingriffe an der Wirbelsäule. In Frankreich sind es nur 250, in Großbritannien sogar nur 160. Zu mehr Schmerz- und Beschwerdefreiheit habe dieser Trend zur OP in Deutschland allerdings nicht geführt, so der Gesundheitsdienstleister: „Viele Patienten werden nach einer Rücken-OP in den kurz darauffolgenden Jahren oft erneut, teilweise sogar mehrfach operiert, das belegt eine aktuelle Studie der Siemens-Betriebskrankenkasse. Eine groß angelegte Studie der Techniker Krankenkasse hat zudem ergeben, dass acht von zehn Rückenoperationen unnötig sind”, sagt Dr. Oliver Wolf. Als Chefarzt des Interdisziplinären Rücken- und Schmerzzentrums der Johannesbad Fachklinik Bad Füssing geht er seit vielen Jahren einen anderen, ganzheitlichen und schonenderen Weg, um Menschen zu helfen. Die jahrelange Erfahrung dort zeigt, dass multimodale Schmerztherapien bei massiven Rückenschmerzen oft wirksamer helfen als ein chirurgischer Eingriff. Kritiker: Es wird zu oft und zu schnell operiert „Aus medizinischer Sicht ist für mich das oft vorschnelle Operieren bei Rückenschmerzen in Deutschland nicht nachvollziehbar”, sagt Wolf. „Bei den meisten Rückenproblemen – selbst bei massiven Schmerzen – kann Patienten mit multimodalen Schmerztherapien in den allermeisten Fällen ‘unblutig’ ohne Operation geholfen werden”, so der Chefarzt. Beim multimodalen Ansatz werden unterschiedliche Behandlungsansätze miteinander kombiniert, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Dazu gehören laut der Johannesbad Gruppe bei Rückenproblemen beispielsweise millimetergenaue sowie mit Bildwandler und Kontrastmittel exakt kontrollierte wirbelsäulen-, rückenmarks- und nervennahe Infiltrationen. Dabei wird ein Medikament punktgenau an der schmerzverursachenden Stelle eingebracht. Psychologische Behandlungen wie Verhaltenstherapie, Schmerzdistanzierung und auch Hypnose stellen einen weiteren Baustein dar. Zudem enthalten die ganzheitlich ausgerichteten Therapiepläne spezielle Physiotherapie für Schmerzpatienten, Stoßwellentherapie sowie ergänzende Therapien wie Akupunktur und Qigong aus der Traditionellen Chinesische Medizin. Was die Schmerztherapie in Bad Füssing auch noch besonders mache, sei die hauseigene Johannesbad Therme. Das stark schwefelhaltige Thermal-Mineralwassers aus staatlich anerkannter Heilquelle wirke bei Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen entzündungshemmend, muskelentspannend und schmerzlindernd. Der medizinisch-therapeutische Nutzen sei vielfach nachgewiesen, so der Gesundheitsdienstleister. „Wir können unseren Patienten mit 4500 Quadratmetern Wasserfläche eine der weltweit größten Areale an medizinisch nutzbarem Thermalwasser anbieten – für Wassertherapien, aber auch für die Erholung in therapiefreien Zeiten”, ergänzt Wolf. Steigende Nachfrage aus Deutschland, Österreich, Europa Nach Angabe des Klinikums ist die Nachfrage gesetzlich und privat Versicherter nach der multimodalen Schmerztherapie in den letzten Jahren ständig gestiegen Die Einrichtung sei heute eines der größten stationären multimodalen Schmerzzentren Deutschlands. Über 10.000 Betroffene seien bereits behandelt worden. Diese positiven Entwicklungen hätten auch den Ausschlag für die Erweiterung des stationären Bereichs des Rücken- und Schmerzzentrums und die Eröffnung des neuen ambulanten Praxiszentrums für Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie gegeben. Wolf ergänzt: „Das ambulante Facharztzentrum für Orthopädie und Spezielle Schmerztherapie an der Johannesbad Fachklinik bemüht sich um einen Kassenarztsitz, um das ambulante Therapieangebot und die nahtlose Weiterbetreuung der chronischen Schmerzpatienten regional mittel- und langfristig auch gesetzlich versicherten Patienten anbieten zu können.” Weiterer Schlüssel für den Behandlungserfolg: Zeit „Die heute oft übliche 5- bis 10-Minuten-Behandlung pro Patient hat bei uns keinen Platz”, so Wolf weiter. Schmerzmediziner müssten sich einfach viel Zeit bei der Sondierung der oftmals komplexen Herausforderung bei chronischem Schmerzgeschehen nehmen. „Allein die Aufnahmeuntersuchung mit Gespräch, körperlicher Untersuchung und technischer Diagnostik kann bei uns oft eine Stunde in Anspruch nehmen, bei Bedarf auch durchaus länger.” Auch ambulante Schmerztherapien müssten ohne Zeitdruck geplant werden können, stationäre Aufenthalte dauerten in der Regel 16 Tage. Das gebe ausreichend Zeit, für jeden Patienten einen individuellen „therapeutischen Maßanzug” zu schneidern, betont der Schmerzmediziner.
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