Neue S2k-Leitlinie zur Behandlung von Narkolepsie

Die DGN hat eine aktualisierte S2k-Leitlinie zur Behandlung von Narkolepsie veröffentlicht. (Symbolbild: © toa555/stock.adobe.com)

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat gemeinsam mit weiteren Fachgesellschaften eine aktualisierte S2k-Leitlinie zur „Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern“ herausgegeben.

Die chronische neurologische Erkrankung Narkolepsie hat oft erhebliche Auswirkungen auf Alltag, Schule, Beruf und soziale Teilhabe. Betroffen sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Da es sich um eine seltene Erkrankung handelt, wird sie häufig spät erkannt und ist vielen Medizinerinnen und Medizinern außerhalb spezialisierter Zentren nur eingeschränkt vertraut.

Um die Versorgung zu verbessern, hat die DGN gemeinsam mit einem Verbund weiterer Fachgesellschaften die aktualisierte S2k-Leitlinie „Behandlung der Narkolepsie bei Erwachsenen und Kindern“ herausgegeben. Sie ersetzt frühere Versionen aus den Jahren 2008 und 2012 und berücksichtigt aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse sowie neue Therapieoptionen. Federführend an der Erarbeitung beteiligt war Prof. Ulf Kallweit, Inhaber der Stiftungsprofessur für Narkolepsie- und Hypersomnolenzforschung an der Universität Witten/Herdecke (UW/H).

„Die Leitlinie soll Ärztinnen und Ärzten als klare, praxisnahe Orientierung dienen, wie Menschen mit Narkolepsie heute evidenzbasiert behandelt werden können. Gerade bei seltenen Erkrankungen sind solche Handreichungen wichtig, weil nicht alle Behandelnden täglich mit diesem Krankheitsbild zu tun haben“, erklärt Kallweit. „Darüber hinaus adressieren wir mit der Publikation Betroffene bzw. deren Angehörige, damit sie ein besseres Bild von ihren Therapieoptionen bekommen.“

Die wichtigsten Aspekte und Neuerungen der Leitlinie auf einen Blick

• Fokus auf die Behandlung: Die Leitlinie widmet sich ausschließlich der Therapie von Narkolepsie – bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

• Differenzierung nach Leitsymptomen: Therapieempfehlungen orientieren sich gezielt an den Hauptsymptomen wie starker Tagesschläfrigkeit, Kataplexien (plötzlicher Verlust des Muskeltonus) und gestörtem Nachtschlaf.

• Mehr zugelassene Medikamente: Neue Wirkstoffe erweitern die medikamentösen Optionen und ermöglichen eine individuellere Behandlung. Eine detaillierte Aufstellung, geclustert nach Symptomen, gibt einen Überblick.

• Verbesserte Versorgung von Kindern und Jugendlichen: Erstmals stehen auch für jüngere Betroffene mehr zugelassene Therapieoptionen zur Verfügung, die die Leitlinie benennt.

• Differenzierte Therapieoptionen: Die Leitlinie bietet konkrete Entscheidungshilfen (Erst-, Zweit- und Kombinationstherapien) für die klinische Praxis.

„Der große Fortschritt ist, dass wir heute deutlich individueller behandeln können“, so Kallweit. „Wenn eine Therapie nicht ausreichend wirkt oder nicht gut vertragen wird, stehen inzwischen Alternativen zur Verfügung – das verbessert die Versorgung spürbar.“

Neben der medikamentösen Therapie stellt die Leitlinie auch nicht-pharmakologische Maßnahmen heraus. „Es geht nicht nur um Medikamente, sondern auch darum, Betroffene zu befähigen, ihren Alltag besser zu strukturieren und Symptome bis zu einem gewissen Grad selbst zu beeinflussen“, betont der Schlafforscher. So empfehlen die Expertinnen und Experten etwa geplante Kurzschlafphasen, um die Einschränkung durch Tagesschläfrigkeit zu mindern. Die Kombination von Behandlungsansätzen, so der Neurologe, sei entscheidend für eine langfristige Verbesserung der Lebensqualität.

Einbindung von Betroffenen

Um gezielt die Perspektive von Patienten in die Leitlinie einzubinden, haben die Herausgeberinnen und Herausgeber Vertreterinnen und Vertreter aus Selbsthilfegruppen und Vereinen in die Arbeitsgruppe eingeladen. Ihre Erfahrungen und Verbesserungswünsche für Behandlungen flossen nicht nur in die Diskussionen ein, sondern wurden auch in einem eigenen Abschnitt der Leitlinie festgehalten.

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