Neue Spezialsprechstunde für Kinder mit chronischen Schmerzen2. Juli 2020 Oberarzt Dr. Andreas Hiemisch leitet die Interdisziplinären Psychosomatik für Kinder und Jugendliche am UKL, die nun ihr Angebot um eine neue Spezialsprechstunde für Kinder mit chronischen Schmerzen erweitert hat. (Foto: Stefan Straube/UKL) An der Institutsambulanz der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) gibt es ein neues Angebot: eine Spezialsprechstunde für Kinder mit chronischen und wiederkehrenden Schmerzen. So werden jene Schmerzen bezeichnet, die mindestens mehrmals pro Woche auftreten und dies über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten. “Diese jungen Patienten haben einen hohen Leidensdruck. Sie gehen oft zum Arzt. Eine Ursache wird trotzdem nicht gefunden und damit fehlt auch eine hilfreiche Behandlung”, erläutert Oberarzt Dr. Andreas Hiemisch, Leiter der Interdisziplinären Psychosomatik für Kinder und Jugendliche, “und da das Problem manchmal schon seit einem oder mehreren Jahren besteht, sind die Familien oft sehr verzweifelt und bringt sie, aber auch die behandelnden Ärzte, meist niedergelassene Kollegen, an ihre Grenzen, weil sie Tag für Tag damit konfrontiert werden.” Mit der neu eingerichteten Spezialsprechstunde am UKL sollen betroffene Familien und involvierte Mediziner Unterstützung erhalten. “Ergebnisse der KiGGS-Studie haben gezeigt: Schmerzen sind gar nichts Seltenes bei Kindern. Das können Bauch-, Kopf, Rücken- oder Wachstumsschmerzen sein”, erläutert Hiemisch. Ein Kind könne damit negative Empfindungen wie Angst verbinden, aber auch positive, wenn es wegen der Schmerzen besondere Zuwendung erfährt. 40 Prozent aller Kinder und Jugendlichen haben laut KiGGS-Studie wiederkehrende Schmerzen. KiGGS ist eine Langzeitstudie des Robert Koch-Instituts zur gesundheitlichen Lage der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. “Chronische Schmerzen entstehen bedingt durch das Zusammenspiel vieler Faktoren, nicht nur körperlicher”, erläutert Hiemisch und nennt drei entscheidende Faktoren: Da sind zum einen biologische Faktoren. Zu ihnen gehört zum Beispiel die Migräne. Daraus kann chronischer Kopfschmerz entstehen, der täglich auftritt. “Habe ich täglich Schmerzen, reagiert mein Körper auch anders auf diese, wird insgesamt sensibler auch für andere Schmerzen”, so der UKL-Experte. Eine weitere Gruppe sind die psychologischen Faktoren: “Was macht das mit mir? Bin ich frustriert, fühle ich mich hilflos”, umreißt er. Hinzu kommen soziale Faktoren. “Kinder mit chronischen Schmerzen gehen oft für längere Zeit wegen häufiger Krankschreibungen nicht zur Schule. Wie reagiert das Umfeld darauf? Entstehen Ausgrenzungen?” In diesem Zusammenspiel entstünden chronische Schmerzen und verstärken sich in einem Teufelskreis, beschreibt Hiemisch die Zusammenhänge. Für den Besuch der Spezialsprechstunde benötigen Patienten eine Überweisung vom Kinderarzt. Dann kann über die Psychosomatik-Ambulanz ein Termin vereinbart werden. Für das Erstgespräch nehmen sich die Ärzte eine Stunde, manchmal auch noch mehr Zeit, führen mit den Patienten und ihren Familien ein intensives Gespräch. Dass sich eine Therapie lohnen kann, zeigen Studienergebnisse des Deutschen Kinderschmerzzentrums: Danach würden sich bei 70 Prozent der Betroffenen nach einer Behandlung Schmerztage und Schmerzintensität verringern. “Bei anderen braucht es intensivere Betreuung, da oftmals andere Erkrankungen wie eine Depression zugrunde liegen können, was auf diesem Weg herausgefunden werden soll”, sagt Hiemisch. Die Interdisziplinäre Psychosomatik für Kinder und Jugendliche steht unter der gemeinsamen Leitung der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Zirka 300 Patienten werden dort pro Jahr behandelt. “Mussten auch wir uns wegen der Corona-Pandemie wochenlang mit Video- und Telefonsprechstunden behelfen, läuft der Betrieb mittlerweile fast wieder auf normalem Niveau”, erklärt der Leiter der Einheit. Die meisten Patienten sind zwischen sechs und 18 Jahren alt, manchmal auch jünger, können doch bereits Dreijährige an Migräne leiden.
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