Neue Studie untersucht Wirksamkeit der Tiefen Hirnstimulation zur Behandlung der Alzheimer-Krankheit

Eine Phase-II-Studie untersucht, ob die Stimulation des Fornix bei leichtgradiger Alzheimer-Erkrankung einen klinischen Effekt erzielt. (Foto: © B. BOISSONNET/BSIP)

Das Forschungsunternehmen Functional Neuromodulation hat eine Studie initiiert, um die Sicherheit und Wirksamkeit der Tiefen Hirnstimulation bei Patienten mit leichtgradiger Alzheimer-Krankheit zu untersuchen. Zielstruktur ist der Fornix (THS-f), der den Hippocampus mit dem Corpus mamillare verbindet und eine wichtige Rolle beim Lernen spielt.

“Die Tiefe Hirnstimulation des Fornix kann experimentell die Aktivität des neuronalen Netzwerks für Gedächtnis steigern und auch die neuronale Aktivität damit verbundener anderer Hirnregionen erhöhen. Die Ergebnisse der ADvance-II-Studie sollen uns helfen zu erkennen, ob dieses Verfahren auch bei betroffenen Patienten die neuronale Aktivität zielgerecht positiv beeinflussen und dadurch zu besseren klinischen Effekten bei leichtgradiger Alzheimer-Erkrankung führen kann”, kommentierte Prof. Lutz Frölich, Gerontopsychiater am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim.

Bei der Studie handelt es sich um eine randomisierte, kontrollierte und doppelblinde Studie, die bis zu 210 Probanden umfassen soll. In die Studie eingeschlossen werden Patienten, die an einer leichtgradigen Alzheimer-Demenz leiden und über 65 Jahre alt sind. Die Studie wird sowohl in Deutschland, den USA und Kanada durchgeführt.

Erster Studienpatient implantiert

Nun wurde der erste Patient am Barrow Neurological Institute in Phoenix (Arizona, USA) in die Studie eingeschlossen und mit zwei direktionalen THS Elektroden sowie einem Neurostimulator implantiert. Die Elektroden übermitteln leichte Stromimpulse in das Gehirn, um den Fornix als wichtige Struktur eines neuronalen Netzwerks für Gedächtnis zu stimulieren.

“Es besteht dringender Bedarf, neue Wege bei der Behandlung der Alzheimer Erkrankung einzuschlagen.  Pharmakologische Therapien haben bisher einen sehr begrenzten Nutzen gezeigt. Die THS ist eine vielversprechende Alternative zu medikamentösen Therapieansätzen und weist bei anderen neurologischen Erkrankungen eine historische Erfolgsgeschichte vor. Basierend auf den ermutigenden Ergebnissen der Phase-II-Studie haben wir eng mit einer Gruppe von wissenschaftlichen und klinischen Experten sowie mit Zulassungsbehörden zusammengearbeitet, um die ADvance-II-Studie zu entwickeln und mit dieser festzustellen, ob die THS-f ein neuer Ansatz zur Behandlung dieser verheerenden Krankheit sein kann”, sagte Todd Langevin, CEO von Functional Neuromodulation.

Die ADvance-II-Studie baut auf den Ergebnissen der vorangegangenen Advance-I-Studie auf, die eine positive Wirkung der THS-f bei Patienten ab 65 Jahren nahelegt. Die Ergebnisse dieser Studie führten Ende 2017 auch zur Vergabe eines CE-Zertifikates der THS-f für Patienten mit leichter Alzheimer-Krankheit in Europa.

Über die ADvance II-Studie

Die Studie wird von Prof. Jürgen Voges, Universitätsklinik Stereotaktische Neurochirurgie, Universität Magdeburg, Prof. Constantine Lyketsos, Lehrstuhl für Psychiatrie am Johns Hopkins Bayview Medical Center, Baltimore, Maryland, USA und Prof. Andres Lozano, Neurochirurgische Klinik an der University of Toronto, Ontario, Kanada, geleitet.  Weitere Informationen zur Advance II-Studie sind unter www.fxneuromod.com, www.advancestudy4ad.com und https://studykik.com/4010435-alzheimer-studie zu finden.

Die Advance II-Studie wird derzeit an zehn Zentren in den USA, Kanada und Deutschland durchgeführt. Zu den deutschen Standorten gehören z. Zt. die Universitätskliniken in Berlin, Kiel, Köln, Magdeburg, München und Würzburg.