Neue Studie zu Tuberkulose: Höheres Risiko während und nach einer Inhaftierung

Abbildung: © daniel/stock.adobe.com

Eine in Paraguay durchgeführte Studie bestätigt, dass Inhaftierte einem alarmierend hohen Tuberkuloserisiko ausgesetzt sind. Dieses erhöhte Risiko bleibe dabei auch noch Jahre nach Entlassung aus der Haft bestehen, ­schreiben die Wissenschaftler.

Die Arbeitsgruppe fordert daher in ihrer in „The Lancet Regional Health – Americas“ veröffentlichten Arbeit dringend wirksame Maßnahmen zur Tuberkulosebekämpfung, um die Gesundheit von Strafgefangenen – und den Personen in ihrer Umgebung nach der Entlassung – zu schützen.

Dass Gefängnisse ein hohes Risiko für die Übertragung von Tuberkulose darstellen, ist bekannt: Die Tuberkuloseprävalenz in Strafanstalten übersteigt die in der Allgemeinbevölkerung bei weitem. „Allerdings gibt es nur begrenzte Informationen darüber, wie sich das Tuberkuloserisiko im Laufe der Zeit während der Inhaftierung und nach der Entlassung entwickelt“, erklärt Seniorautor Alberto García-Basteiro vom Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal; Spanien). Kenntnisse darüber seien aber von großer Bedeutung, da Personen, die sich im Gefängnis mit Mycobacterium tuberculosis infizieren und entlassen werden, erheblich zur Krankheitsübertragung innerhalb der Allgemeinbevölkerung beitragen können.

In Paraguay, wo die genannte Untersuchung durchgeführt wurde, lag die Tuberkulose-Inzidenz im Jahr 2020 bei 48 Fällen pro 100.000 Menschen in der Allgemeinbevölkerung, im Vergleich zu mehr als 3000 Fällen pro 100.000 Menschen in Strafanstalten. Das Forschungsteam analysierte Berichte zu Tuberkulosefällen von fast 2996 inhaftierten und ehemals inhaftierten Männern aus fünf der 18 Gefängnisse Paraguays. „Die ausgewählten Gefängnisse sind die größten und ältesten und verfügen über digitale Aufzeichnungen mit hochwertigen Daten aus elf Jahren, von 2010 bis 2021“, erklärt Guillermo Sequera von der Universidad Nacional de Asunción (Paraguay), Erstautor der Studie. Die Forschenden ermittelten mit Tuberkulose verbundene Risiko­faktoren während der Inhaftierung und nach der Entlassung, darunter eine Überbelegung der Gefängnisse, die Haftdauer und erneute Inhaftierungen.

Bei 451 (15 %) Personen wurde Tuberkulose diagnostiziert: 58 Prozent dieser Fälle ereigneten sich im Gefängnis und 42 Prozent in der Zeit nach der Entlassung. Den Beobachtungen der Forschenden zufolge verdoppelt sich das Tuberkuloserisiko bereits nach sechs Monaten in Haft und steigt mit jedem weiteren Jahr im Gefängnis deutlich an: von 1335 Fällen pro 100.000 Personenjahren im ersten Jahr auf 8455 nach acht Jahren.

Die Wissenschaftler fanden es nicht überraschend, dass das Erkrankungsrisiko mit zunehmender Belegungsdichte pro Zelle anstieg. Nach der Entlassung aus der Haft gehe die Tuberkulose-Inzidenz zurück, bleibe jedoch zehnmal höher als in der Allgemeinbevölkerung.