Neue Therapieoption bei schweren Infektionen, aber keine Belege für Überlegenheit

Foto: Ralf Baumgarten

Die neue Antibiotika-Kombination Ceftolozan/Tazobactam erweitert nach Einschätzung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Behandlungsoptionen bei schweren Infektionen und Resistenzen. Es fehlten jedoch Nachweise für Vor- oder Nachteile im Vergleich zu anderen Antibiotika, bemängelt das Institut.

Die Kombination von Ceftolozan mit Tazobactam erweitert das Spektrum der Antibiotikatherapie bei Erwachsenen mit schweren Infektionen in Lunge, Harnwegen, Nierenbecken und Bauchhöhle. Angesichts der fortschreitenden Resistenzentwicklung bei Bakterien stellt diese Wirkstoffkombination damit eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption dar.

In vier frühen Nutzenbewertungen hat das IQWiG nun untersucht, ob Ceftolozan/Tazobactam bei schweren Infektionen in den verschiedenen Organen neben der Erweiterung der Behandlungsoptionen auch einen Zusatznutzen im Vergleich zu einer patientenindividuellen antibiotischen Therapie bietet, welche die jeweilige Resistenzsituation berücksichtigt.

Das Ergebnis, so das Institut: Es fehlen aussagekräftige Studien für einen solchen Vergleich, insbesondere, weil die lokale und individuelle Resistenzsituation in den Zulassungsstudien nicht ausreichend berücksichtigt wurde. In der Gesamtschau zeigen sich auf Basis der vorliegenden Daten daher keine Belege für Vor- oder Nachteile von Ceftolozan/Tazobactam.

Zu enger Vergleich liefert keinen Anhaltspunkt für Zusatznutzen

Um Resistenzentwicklung zu vermeiden, sollten Antibiotika möglichst gezielt eingesetzt werden, also abhängig vom Erregerspektrum vor Ort und von der jeweiligen Erregersensibilität. Dabei ist auch die lokale Resistenzsituation zu berücksichtigen, weil sich die Verbreitung von resistenten Keimen von Ort zu Ort stark unterscheiden kann.

Die zugrunde liegenden Zulassungsstudien in den vier Dossiers seien zwar prinzipiell hochwertige randomisierte kontrollierte Studien (RCTs), gesteht das IQWiG den Herstellern zu. Allerdings verglichen sie die neue Wirkstoffkombination bei den Indikationen für Lunge und Bauchhöhle beziehungsweise für Harnwege und Nierenbecken jeweils nur mit einem anderen Antibiotikum – ohne dass sich dabei jeweils relevante Unterschiede zwischen Interventions- und Kontrollgruppe zeigten, kritisiert das Institut. Dieser stark eingeschränkte Vergleich entspreche jedoch nicht den viel breiteren Therapieoptionen, die gemäß der zweckmäßigen Vergleichstherapie als geeignete Therapie vorgesehen seien. Es sei aus den Studiendaten auch nicht ableitbar, dass die lokale Resistenzsituation in den jeweiligen Studienzentren sowie die individuelle Resistenzsituation nach Erregernachweis ausreichend berücksichtigt wurde.

„Das ist sehr schade“, sagt Thomas Kaiser, Leiter des IQWiG-Ressorts Arzneimittel, „denn die Entwicklung neuer Antibiotika ist grundsätzlich notwendig und zu begrüßen. Für Aussagen zum Zusatznutzen benötigen wir aber Studien, die die lokale und individuelle Resistenzlage angemessen berücksichtigen. Daran fehlt es leider in den vorgelegten Studien.“

Ein Vergleich mit weiteren Therapieoptionen unter Berücksichtigung des lokalen Erregerspektrums, des Resistenzprofils, des Infektionsrisikos mit multiresistenten Erregern und der Erregersensibilität auf Basis eines Antibiogramms biete durchaus aussichtsreiche Möglichkeiten für den Beleg eines Mehrwerts von neuen Antibiotika, erklärt das IQWiG.

Insgesamt lasse sich kein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen von Ceftolozan/Tazobactam gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie ableiten, ein Zusatznutzen sei damit nicht belegt.

Auch aus In-vitro-Daten kein Vorteil für Ceftolozan/Tazobactam ableitbar

Die Empfindlichkeit oder Resistenz eines Erregers für verschiedene Antibiotika lässt sich außerhalb einer konkreten Behandlungssituation im Labor (in vitro) untersuchen. Auch auf Basis von In-vitro-Daten ist ein Vorteil für ein neues Antibiotikum grundsätzlich vorstellbar, falls der neue Wirkstoff eine hohe Wirksamkeit zeigt, während die im Anwendungsgebiet bisher verfügbaren Wirkstoffe (nahezu) keine Wirksamkeit zeigen.

Die In-vitro-Daten im Hersteller-Dossier seien jedoch unvollständig, weil gar nicht alle verfügbaren Wirkstoffe untersucht wurden, bemängelt das Bewertungsinstitut auch hier. Anhand der Auswertungen dieser In-vitro-Daten sei zudem ersichtlich, dass mehrere getestete Wirkstoffe bei den untersuchten Erregern wirksam sind und neben Ceftolozan/Tazobactam eine mögliche Behandlungsoption darstellen.

(IQWiG/ms)