Neue Version der S3-Leitlinie Zervixkarzinom15. März 2021 © motortion – stock.adobe.com Das Leitlinienprogramm Onkologie hat unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) die S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Zervixkarzinoms überarbeitet. Unter der Koordination von Prof. Dr. Matthias W. Beckmann (Universitätsklinikum Erlangen) und Prof. Dr. Tanja Fehm (Universitätsklinikum Düsseldorf) wurden neue Empfehlungen formuliert, etwa zu operativen Therapien, zur Radiochemotherapie, zur medikamentösen Therapie und zu bildgebenden Untersuchungsverfahren. Ziel der S3-Leitlinie ist es, einen Qualitätsstandard als Basis für eine individuell zugeschnittene, qualitativ hochwertige Therapie zu etablieren. Der Gebärmutterhalskrebs hat in den vergangenen Jahrzehnten in seiner Inzidenz abgenommen, vor allem bedingt durch das 1971 eingeführte Krebsfrüherkennungsprogramm. Die Reduktion der Inzidenz hat jedoch nicht dazu geführt, dass die Mortalität der Patientinnen mit Zervixkarzinom abgenommen hat. Hinzu kommt: Die Therapie der Patientinnen ist weiterhin ausgesprochen heterogen. Die jetzt aktualisierte S3-Leitlinie soll den onkologisch tätigen ÄrztInnen eine akzeptierte, möglichst evidenzbasierte Entscheidungshilfe für geeignete Maßnahmen zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientinnen mit Zervixkarzinom an die Hand geben. Update operative Therapien Bei den operativen Therapien gibt es mehrere Studien, die gezeigt haben, dass die offene radikale Hysterektomie bessere Überlebenschancen bietet. Ist die Erkrankung auf die Gebärmutter begrenzt, ohne Nachweis von Lymphknotenmetastasen, wird die Gebärmutter meist vollständig entfernt. „In den vergangenen 20 Jahren haben sich vielfältige Operationstechniken etabliert. Neue Studiendaten belegen aber, dass bei der radikalen Hysterektomie – also der vollständigen Entfernung des Organs – das offene Operationsverfahren bei bestimmten Patientinnengruppen gegenüber laparoskopischen Verfahren eindeutig Vorteile für das Gesamtüberleben hat“, sagt Fehm. Update Radiochemotherapie Bei der Strahlentherapie wird in der überarbeiteten Leitlinie die Radiochemotherapie als der Standard weiter definiert. Nochmals betont wurden die Daten zur intensitätsmodulierten Radiotherapie und die individualisierte MRT-gestützte Brachytherapie, beziehungsweise die image-guided adaptive Brachytherapie. Diese Techniken sind ein obligater Bestandteil der Behandlung der Zervixkarzinompatientinnen und sollte im Rahmen von umfassender Planung an einem Behandlungsort durchgeführt werden. Update Rezidiv- und Metastasierungssituation In der Rezidiv- und Metastasierungssituation sind sowohl was die Bildgebung, wie aber auch die medikamentöse Therapie anbelangt, mehrere Studien zu Bevacizumab und Pembrolizumab durchgeführt worden und in der Leitlinie mit konkreten Empfehlungen berücksichtigt. „Neben den klinischen Informationen zeigt sich darüber hinaus, dass eine Konsolidierung der Qualitätsindikatoren stattgefunden hat. So konnte der Bericht der Zertifizierungskommission Gynäkologische Krebszentren des Jahres 2020, basierend auf den Daten des Jahres 2019, zeigen, dass die Zahl der Zentren deutlich angestiegen ist (mehr als 150 in Deutschland) und dass für viele der Qualitätsindikatoren, die die Grundlage der Zertifizierung darstellen, über die Jahre hinweg immer bessere Ergebnisse erreicht werden konnten“, erklärt Beckmann. Die aktuelle Version der Leitlinie soll die Grundlagen für handlungsrelevante ärztliche Entscheidungsprozesse auch vor dem Hintergrund des Konzepts des „Shared-Decision-Making“ liefern. Das Modell zielt auf eine partnerschaftliche Arzt-PatientIn-Beziehung, die gekennzeichnet ist durch einen gemeinsamen Entscheidungsfindungsprozess. An der Erstellung der S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Zervixkarzinoms waren insgesamt 41 Fachgesellschaften und Organisationen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Die Leitlinie ist im Internet kostenfrei abrufbar. Zudem sind die Inhalte in der kostenfreien Leitlinien-App integriert und sowohl für Android-Smartphones als auch iPhones verfügbar.
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