Neue Versorgungsangebote in der Krise31. März 2020 Die Corona-Krise beschleunigt die Einrichtung von Telefon- und Videosprechstunden. (Foto: ©Agenturfotografin – stock.adobe.com) Die Versorgungssituation von Parkinson-Patienten ist wie überall zwar eingeschränkt, aber „akute Probleme werden zuverlässig versorgt“, erklärt Prof. Günter Höglinger, Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG). Dabei hat sich ein Trend herausgestellt: Die Corona-Krise beschleunigt auch in Parkinson-Einrichtungen massiv die Einführung von Telefon- und Videosprechstunden. „Die medizinische Versorgung von Parkinson-Patienten ist auch in der Coronakrise grundsätzlich gesichert, aber natürlich mit Einschränkungen wie derzeit in allen medizinischen Einrichtungen“, fasst Höglinger die Situation an den Parkinson-Zentren zusammen. Eine DPG-Blitzumfrage unter 20 Kliniken und Spezialambulanzen habe gezeigt, dass sich alle auf die außergewöhnlichen Umstände eingerichtet haben. „Zwar muss der Patientenverkehr in den Krankenhäusern aus Gründen des Infektionsschutzes weitgehend reduziert werden, doch alle akuten Problemfälle werden zuverlässig versorgt. Weiterhin werden neue Versorgungsangebote wie Telefonsprechstunden und telemedizinische Sprechstunden eingerichtet – wie auch an meiner Klinik“, so Höglinger, Direktor der Neurologischen Klinik an der Medizinischen Hochschule Hannover. Als Akutfälle gelten etwa begleitende Infekte, akinetische Krisen, Psychosen, notwendige Einstellungen von Medikamentenpumpen oder „Hirnschrittmacher“ bei Patienten mit Tiefer Hirnstimulation. Zahlreiche Telefon- und Videosprechstunden eingerichtet „Wir haben aus Gründen des Infektionsschutzes alle stationären Fälle, bei denen es möglich war, entlassen und haben unsere Sprechstunde in der Klinik beendet“, erzählt zum Beispiel Prof. Claudia Trenkwalder aus Kassel. „Dafür haben wir eine neue Videosprechstunde eingerichtet.“ „Patienten sollten jetzt unbedingt nach Telefon- oder Videosprechstunden fragen, wenn sie keinen Präsenztermin erhalten“, rät Prof. Alexander Storch von der neurologischen Universitätsklinik in Rostock. Die Parkinsonklinik Beelitz leistet kollegiale Hilfe und bietet Praxen mit Parkinson-Patienten neurologische Unterstützung per Video an, berichtet Prof. Georg Ebersbach. Sind Parkinson-Patienten gefährdeter als andere? Die Experten gehen davon aus, dass Parkinson-Patienten wegen ihrer Erkrankung kein erhöhtes Infektionsrisiko haben. „Wenn aber weitere altersbedingte Begleiterkrankungen wie z.B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Lungenkrankheiten bestehen, kann es bei Parkinson-Patienten mit einer Infektion mit dem SARS-CoV-2-Virus zu Komplikationen kommen“, erklärt Höglinger. Deshalb habe der Infektionsschutz eine sehr hohe Priorität. Die bekannten Regeln sollten in jedem Fall ernst genommen werden. „Die geringen SARS-CoV-2-Infektionsraten z. B. in Japan zeigen eindrucksvoll, dass die von unserer Bundesregierung empfohlenen Maßnahmen wie räumliche Distanz und Hygiene im Alltag sehr wirkungsvoll die Ausbreitung des Virus unterbinden können“, sagt Höglinger. Die DPG rät außerdem älteren Parkinson-Patienten zu einer Influenza- und Pneumokokken-Impfung, um eine Doppelinfektion zu vermeiden.
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