Neue Vorsitzende, neue Zahlen, neuer Blog

Dr. Anette Leue. Quelle: VDGH

Auf der Mitgliederversammlung der Fachabteilung Life Science Research (LSR) des Verbandes der Diagnostica-Industrie (VDGH) wurde der Vorstand neu gewählt. Am 31. stellte der VDGH dann die Jahresbilanz 2022 vor.

Zur neuen Vorstandsvorsitzenden wurde Dr. Anette Leue gewählt. Die promovierte Biologin ist Head of Digital Marketing and Communications der Promega GmbH, Walldorf. „Wir werden unsere Branche greifbarer machen und Politik und Gesellschaft ihren Nutzen aufzeigen. Hierzu werden wir Schlüsselthemen wie Zell- und Gentherapie, Fachkräftemangel oder auch Nachhaltigkeit stärker in den Fokus der Vorstandsarbeit nehmen“, erklärt Leue.

Als Stellvertreter wurden Dr. Axel Jahns, Eppendorf SE und Dr. Peter Schüßler, Thermo Fisher Scientific GmbH gewählt. Neuzugänge im Vorstand der Fachabteilung sind Dr. Franziska Freund, Thermo Fisher Scientific – Life Technologies GmbH und Gerhard Hofer, QIAGEN GmbH, wiedergewählt wurden Dr. Oliver Goldenberg, Illumina GmbH und Martina Klapperbein-Mischok, Merck Chemicals GmbH.

Nicht mehr angetreten waren Dr. Henning Menke, Hamilton Germany GmbH und Dr. Thomas Möllenkamp, NEB GmbH sowie der langjährige Vorsitzende Dr. Peter Quick, Promega GmbH. VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger dankte den dreien im Namen der gesamten Fachabteilung für ihren langjährigen erfolgreichen Einsatz.

Bilanz 2022

Ebenfalls wurde im Rahmen der Mitgliederversammlung die Vorjahresbilanz vorgestellt: die Branche erwirtschaftete im Jahr 2022 einen Umsatz von 3,24 Milliarden Euro. Somit gelang erneut eine Steigerung, diesmal um 2,3 Prozent. Die LSR-Unternehmen im VDGH entwickeln maßgeschneiderte Instrumente, Reagenzien, Testsysteme und Verbrauchsmaterialien, die den Bedürfnissen der Forscher in den Lebenswissenschaften entsprechen. LSR-Technologien spielten eine wesentliche Rolle bei der erfolgreichen Entwicklung von Labortests und Impfstoffen im Verlauf der Pandemie.

Neuer Blog: Wir Leben Forschung

Präsentiert wurde auch der neue Blog „Wir Leben Forschung“. Auf diesem werden die Mitglieder der Fachabteilung LSR nicht nur faszinierende Einblicke in die Welt der angewandten Forschung geben, sondern auch die Bedeutung im Alltag zeigen.

Aufbruch statt Rückkehr zur Normalität

Der Verband der Diagnostica-Industrie (VDGH) stellte am 31. März die Jahresbilanz 2022 vor. Demnach erreichten die Umsätze im deutschen In-vitro-Diagnostik-Markt (IVD) insgesamt 3,54 Milliarden Euro, einschließlich der Corona- und Routinediagnostik. Im Vergleich zum Vorjahr gingen die Umsätze um 44 Prozent zurück, was das Ende der pandemiebedingten Sonderkonjunktur markiert. Im Jahr 2021 war zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie das höchste Testaufkommen verzeichnet worden.

Der Vorsitzende des VDGH, Ulrich Schmid, kommentiert: „Der Alltag hält wieder Einzug in die IVD-Branche. Für uns heißt es zunächst Konzentration auf unser Kerngeschäft. Aber wir erwarten für die Labordiagnostik starke Impulse durch die nun hoffentlich voranschreitende Digitalisierung der Gesundheitsversorgung und Pflege.“ Die Coronadiagnostik machte 2022 noch 37 Prozent des Gesamtmarkts aus, im Vergleich zu 65 Prozent im Vorjahr. Seit Ende des Jahres 2022 ist das Corona-Testen auf eine Restgröße gesunken. Die Routinediagnostik verzeichnete ein flaches Wachstum von 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ausblick 2023

Für das laufende Jahr sind die Erwartungen gedämpft.  Nur rund ein Drittel der Unternehmen erwartet eine gute oder sehr gute wirtschaftliche Situation. Rund 12 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage ihres Unternehmens. Gründe dafür sind der Wegfall des Testaufkommens in der Corona-Diagnostik und die allgemein schwierige Wirtschaftslage.  Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft der IVD-Industrie hoch, wobei etwa 10 Prozent des Inlandsumsatzes in Forschung und Entwicklung fließen. Das zeigt sich auch in der Produktpalette: Rund 75 Prozent der Unternehmen planen, im Jahr 2023 neue Produkte auf den Markt zu bringen.

Digitalisierung des Gesundheitswesens vorantreiben, Innovationspotenziale ausschöpfen

VDGH-Geschäftsführer Dr. Martin Walger setzt darauf, dass die Bundesregierung zeitnah die Digitalisierungsstrategie umsetzt. Zwar sei das Thema nun seit rund 20 Jahren auf der Agenda des Gesundheitsministeriums, jetzt scheint der politische Wille für die Realisierung da zu sein. „Wichtig ist, dass auch die forschende Industrie Zugang zu anonymisierten Daten der Gesundheitsversorgung erhält, um Produkte patientenzentriert weiterentwickeln zu können. Dabei muss eine einheitliche Auslegung des Datenschutzes sichergestellt sein“, so Walger.

Die bürokratischen Hürden der seit Mai 2022 geltenden EU-Verordnung über In-vitro-Diagnostika (IVDR) bleiben eine Herausforderung für die Unternehmen.  Insbesondere die fehlende regulatorische Infrastruktur der Benannten Stellen sorgt für einen Flaschenhals beim Inverkehrbringen von IVDs. So sind erst 21 Prozent der aktuellen Produkte nach den neuen Vorgaben zertifiziert. Mit bis zu 36 Monaten hat hier die Prozessdauer einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Folge: Jedes sechste Bestandsprodukt wird vom Markt genommen und weniger Hersteller wollen ihre Innovationen zuerst in Europa auf den Markt bringen.