Neue Wege ohne Tierversuche in Jena30. Oktober 2025 Prof. Alexander Mosig forscht an Organ-on-Chip-Systemen als Testmodelle in der Infektions- und Entzündungsforschung. Foto: © Michael Szabó/Universitätsklinikum Jena Biochemiker Alexander Mosig ist Professor für Tierversuchsersatzmethoden in der Infektions- und Entzündungsforschung am Uniklinikum Jena. Er sieht eine Chance durch das Vermeiden von Tierversuchen bessere Modelle für den Menschen zu entwerfen. Wie ein Organ sieht das nicht aus: Ein kleiner Chip, kaum größer als ein Objektträger, mit winzigen Hohlräumen, Tanks und feinen Schläuchen. In den Hohlräumen wachsen zum Beispiel Zellen der menschlichen Darmschleimhaut, Lungenbläschen- oder Leberzellen – auch Immunzellen befinden sich darin. Über die kleinen Kanäle zirkuliert Flüssigkeit wie Blut im Körper. So entstehen im Labor lebende Mini-Modelle menschlicher Organe. „Mit unseren Biochips können wir Infektionen und die dazugehörigen Entzündungs- und Immunprozesse kontrolliert nachbilden“, erklärt Prof. Dr. Alexander Mosig. Der 49-jährige Biochemiker und Molekularbiologe hat seit diesem Monat die neu eingerichtete Professur für Tierversuchsersatzmethoden in der Infektions- und Entzündungsforschung am Universitätsklinikum Jena inne. Zwei Fliegen mit einer Klappe: Tierversuche vermeiden und präzisere Modelle für den Menschen schaffen Diese Forschungsrichtung verfolgt ein klares Ziel: Tierversuche vermeiden, wo immer es möglich ist – und zugleich präzisere Modelle für den Menschen schaffen. „Viele Fragestellungen werden bislang im Tiermodell untersucht, weil uns geeignete Alternativen fehlen“, sagt Mosig. „Doch im Sinne der Patientinnen und Patienten wollen wir menschliche Krankheitsprozesse im Labor so realitätsnah wie möglich nachbilden. Nur so können wir Krankheitsmechanismen besser verstehen und die Wirkung von Medikamenten individuell vorhersagen.“In seinen Chipmodellen untersucht Mosig mit seinem Team unter anderem molekulare Prozesse bei Lungenentzündungen oder Darmerkrankungen, die durch Viren, Bakterien oder Pilze verursacht werden. Dabei interessiert ihn besonders, wie Mikroorganismen mit dem Menschen interagieren und wie das Mikrobiom das Immunsystem bei Infektionen und Entzündungen beeinflusst. Die von seiner Forschungsgruppe entwickelten mikrofluidischen Chips sind inzwischen patentgeschützt. Das Jenaer Startup Dynamic42, das aus seiner Arbeitsgruppe hervorgegangen ist, macht die Technologie als standardisiertes System für Forschung und Industrie zugänglich. Mosig: Mehrfach ausgezeichnet und stark motiviert Nach seinem Studium in Jena promovierte Alexander Mosig zu Immunprozessen bei Arteriosklerose und leitete mehrere Projekte im Zentrum für Sepsis und Sepsisfolgen am UKJ. Für seine Forschung zu den Chip-Modellen ist er mehrfach ausgezeichnet worden, zum Beispiel mit dem Thüringer und dem Bundestierschutzforschungspreis. Einen Ruf auf eine Professur an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf lehnte er zugunsten der Professur in Jena ab. Prof. Mosig ist in die Grundlagenausbildung in der Biochemie eingebunden und lehrt in der forschungsorientierten Neigungslinie des Jenaer Medizinstudiums.Perspektivisch möchte er am Universitätsklinikum helfen, die 3R-Forschung weiter auszubauen. 3R steht für Replace, Reduce, Refine mit dem Ziel, die Zahl von Tierversuchen zu reduzieren und das Leid der Versuchstiere auf das geringstmögliche Maß zu beschränken. „Wir möchten Forschende in Jena dabei unterstützen, moderne Alternativen wie Stammzellmodelle oder Organ-on-Chip-Systeme in ihrer Arbeit zu nutzen“, erklärt Mosig. „Dazu werden wir Workshops und Weiterbildungen anbieten und wollen gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen passende Methoden für ihre jeweiligen Forschungsfragen entwickeln.“
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