Neue Zelltherapie soll transplantierte Organe gezielt schützen

Lagerung in Flüssigstickstoff: Zelltherapeutika wie regulatorische T-Zellen werden nach ihrer Herstellung häufig bei minus 196 Grad eingefroren. Copyright: KI-generiert von F. Noyan

Eine maßgeschneiderte Therapie mit körpereigenen regulatorischen T-Zellen (Tregs) soll nach einer Transplantation die dauerhafte Einnahme immunsuppressiver Medikamente und somit auch deren Nebenwirkungen verringern – ohne das Organ zu gefährden.

Patientinnen und Patienten müssen nach einer Organtransplantation lebenslang Immunsuppressiva einnehmen. Diese sind zwar wirksam, schützen aber nicht zuverlässig vor einer chronischen Organabstoßung und können erhebliche Nebenwirkungen verursachen.

Um insbesondere Kindern nach einer Herz- oder Lungentransplantation künftig eine geringere Immunsuppression sowie eine längere Organfunktion zu ermöglichen, entwickelt ein Forschungsteam der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Projekt „AgEndo“ eine maßgeschneiderte Zelltherapie.

Anstatt das Immunsystem pauschal zu unterdrücken, sollen körpereigene regulatorische T-Zellen (Tregs) das transplantierte Organ gezielt schützen. Damit soll sich das Leben der betroffenen Kinder und ihrer Familien verbessern. Das Land Niedersachsen und die VolkswagenStiftung fördern das Projekt mit rund 2,4 Millionen Euro für drei Jahre.

Immunsuppression an Ort und Stelle

Tregs gehören zu den natürlichen Kontrollmechanismen unseres Immunsystems. Als Gegenspieler der T-Effektorzellen beenden sie Immunreaktionen nach überstandenen Infektionen. Zudem nehmen sie eine Schlüsselrolle bei der Verhinderung von Autoimmunerkrankungen ein.

Ursprungsort der Tregs ist der Thymus. Ein kleiner Teil von ihm muss bei vielen kinderherzchirurgischen Eingriffen entfernt werden, um Zugang zum Herzen zu erhalten. Aus diesem Gewebsstück gewinnen die Forschenden die Tregs, die sie dann im Labor selektieren, vermehren und so vorbereiten, dass sie das Spenderorgan gezielt erkennen.

„Wir bringen diese maßgeschneiderten Tregs dazu, sich im transplantierten Organ anzusiedeln. Somit verfolgen wir mit unserem Projekt AgEndo den Ansatz, mit körpereigenen Zellen das Organ vor den Immunreaktionen zu schützen, die sich gegen das Transplantat richten, anstatt das Immunsystem pauschal zu unterdrücken“, erklärt PD Dr. Fatih Noyan von der MHH-Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie und Forscher im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL) am Standort Hannover, BREATH. Er hat das Projekt zusammen mit PD Dr. Alexander Horke von der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie initiiert.

Mehr Lebensqualität für die Kinder und ihre Familien

„Spenderspezifische regulatorische T-Zellen haben das Potential, die Transplantationsmedizin von Grund auf zu verändern. Sie versprechen weniger Immuntherapie und ein längeres Organüberleben. Für die betroffenen Kinder und ihre Familien bedeutet das weniger Nebenwirkungen, weniger Klinikaufenthalte und mehr unbeschwerten Alltag“, erläutert PD Dr. Alexander Horke von der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie die Vision hinter AgEndo. Er und Noyan haben das Projekt gemeinsam initiiert

Die Ergebnisse sollen die Grundlage für klinische Studien mit den entwickelten Tregs schaffen. Langfristig könnte der Ansatz auch bei anderen Organtransplantationen, Autoimmunerkrankungen sowie der Graft-versus-Host-Erkrankung eingesetzt werden.