Neuen Faktor für die Entstehung von vererbbarem Nierenkrebs entdeckt

Angefärbte Gewebeprobe aus der Maus. Zellen ohne HIRA entwickeln Tumore (lila) an der Niere (pink/rosa). Foto: (C) Lorea Valcarel / Universität zu Köln

Der Verlust des Proteins HIRA, eines Histon-Zellzyklusregulators, könnte einen treibenden Faktor bei einer stark metastasierenden Form von Nierenkrebs darstellen. Das berichten Kölner Forscher in „Science Advances“.

Dem vererblichen Leiomyomatose- und Nierenzellkarzinom-Syndrom, kurz HLRCC, liegt eine Veränderung des Gens zugrunde, welches das Protein Fumarat-Hydratase (FH) codiert. FH ist ein Zellprotein, welches maßgeblich an der Energiegewinnung in Zellen beteiligt ist. Doch die Mutation in dem Gen allein führt noch nicht zu der Erkrankung. Weitere Faktoren wie die geringere Produktion von HIRA sind für die Krebsentstehung nötig.

Dies fanden Wissenschaftler um Prof. Christian Frezza vom Exzellenzcluster für Alternsforschung CECAD der Universität zu Köln mithilfe von CRISPR/Cas9-Screenings an Zellen heraus. Wird HIRA ausgeschaltet, so begünstigt dies die Vermehrung und Invasion von Tumorzellen in Zellkultur und im Tiermodell. Mechanistisch gesehen aktiviert der Verlust von HIRA das Protein MYC, ein bekanntes Onkogen.

Auch bei HLRCC-Patienten konnten die Wissenschaftler im Vergleich zu Proben von gesunden Menschen eine Reduktion der Proteine FH und HIRA nachweisen. Zudem zeigte ein Vergleich von Tumorbiopsien von zwei Patienten mit umliegendem Gewebe eine Herunterregelung von HIRA im Tumorgewebe.

Begonnen wurde die Forschung am MRC Cancer Unit der Universität Cambridge (Großbritannien) und am CECAD in Köln abgeschlossen. Sie macht Hoffnung, HLRCC-Patienten mithilfe der neuen Erkenntnisse irgendwann besser helfen zu können. „Aufgrund unserer Studie zum Mechanismus der möglichen Krebsentstehung kann ein Modell für HLRCC-Nierentumore entwickelt werden, welches neue Perspektiven für gezielte Therapien eröffnen kann“, sagt Dr. Lorea Valcarcel, Erstautorin der Studie.

(Universität zu Köln / ms)