Neuer Ansatz gegen Epstein-Barr-Virus und Folgeerkrankungen27. Mai 2024 Die meisten tragen das Epstein-Barr-Virus in sich, die Mehrheit ohne Symptome oder Komplikationen. (Bild: © luchschenF – stock.adobe.com) Das Epstein-Barr-Virus kann schwere Erkrankungen auslösen, darunter auch eine Reihe von Krebsarten. Die Hemmung eines bestimmten Stoffwechselweges in infizierten Zellen kann die latente Infektion – und damit Folgeerkrankungen – jedoch reduzieren, berichten Forschende der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel in „Science“. Vor genau 60 Jahren veröffentlichten der Pathologe Anthony Epstein und die Virologin Yvonne Barr die Entdeckung eines Virus, das seither deren Namen trägt. Das Epstein-Barr-Virus (EBV) ging in die Wissenschaftsgeschichte ein, war es doch das erste Virus, von dem man nachweisen konnte, dass es beim Menschen Krebs verursachen kann: Epstein und Barr isolierten den zu den Herpesviren gehörenden Erreger aus Tumorgewebe und bewiesen in Folgeexperimenten sein krebserregendes Potenzial. Die meisten Menschen tragen EBV in sich: 90 Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind damit infiziert, meist ohne Symptome und ohne daraus folgende Erkrankung. Rund 50 Prozent infizieren sich bereits vor dem fünften Lebensjahr, viele aber auch erst als Jugendliche. Es kann Pfeiffersches Drüsenfieber – im Volksmund auch „Kusskrankheit“ – verursachen und erkrankte Personen mehrere Monate außer Gefecht setzen. Daneben steht der Erreger im Verdacht, an der Entstehung von Autoimmunerkrankungen wie der Multiplen Sklerose beteiligt zu sein. Eine zugelassene Impfung oder ein Medikament, welches EBV im Körper ausbremst, gibt es bisher nicht. Eine Forschungsgruppe der Universität und des Universitätsspital Basel berichtet nun von einem vielversprechenden Ansatzpunkt, EBV nach der Infektion aufzuhalten. EBV missbraucht den Stoffwechsel der infizierten Zellen Die Forschenden um Prof. Dr. Christoph Hess haben nun entschlüsselt, wie EBV infizierte B-Zellen umprogrammiert. Dieser auch als „Transformation“ bezeichnete Prozess ist eine Voraussetzung dafür, dass die Infektion chronisch wird und Folgeerkrankungen wie Krebs nach sich ziehen kann. Konkret entdeckte das Team, dass das Virus die infizierte Zelle dazu bringt, die Produktion eines Enzyms namens IDO1 hochzufahren. Dies führt schlussendlich zu höherer Energieproduktion durch die Mitochondrien der infizierten Zellen. Die zusätzliche Energie wiederum ist für den erhöhten Stoffwechsel und die schnelle Vermehrung der durch EBV umprogrammierten B-Zellen nötig. Der klinische Fokus der Forschenden lag auf einer Gruppe von Patienten, die nach einer Organtransplantation einen durch EBV ausgelösten Blutkrebs entwickelt hatten. Damit ein transplantiertes Organ nicht abgestoßen wird, muss das Abwehrsystem mit Medikamenten geschwächt werden, was es EBV erleichtert, überhand zu nehmen. Das Virus kann dann Blutkrebs verursachen, Fachleute sprechen vom Posttransplantationslymphom. In der nun publizierten Arbeit konnten die Forschenden zeigen, dass EBV das Enzym IDO1 schon Monate vor der Diagnose des Posttransplantationslymphoms hochreguliert. Diese Erkenntnis hilft möglicherweise, Biomarker der Erkrankung zu entwickeln. Zweite Chance für gescheitertes Medikament „IDO1-Inhibitoren wurden bereits in der Hoffnung entwickelt, dass sie im Rahmen von Krebstherapien nützlich sein könnten – was sich leider nicht bestätigt hat. Es gibt daher klinisch getestete Hemmstoffe gegen dieses Enzym“, erklärt Hess. Entsprechend könnte diese Medikamentenklasse nun eine zweite Chance in der Anwendung gegen EBV-assoziierte Erkrankungen erhalten. In Versuchen mit Mäusen reduzierte die Hemmung von IDO1 mit diesen Medikamenten die Transformation der B-Zellen und damit die Viruslast und Lymphom-Entwicklung.
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