Neuer Ansatz in der Migränebehandlung19. März 2026 Symbolbild: © Andrii Zastrozhnov/stock.adobe.com Das jüngst gestartete Innovationsfondsprojekt MIGRA-MD will Lücken in der Migräneversorgung schließen und Therapieentscheidungen stärken. Deutschlandweit sollen 1000 Patientinnen und Patienten aufgenommen und therapiert werden. Migräne ist eine der häufigsten Erkrankungen im jungen bis mittleren Erwachsenenalter und führt oft zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität und beruflichen Leistungsfähigkeit. Zwei von drei erwachsenen Deutschen leiden zumindest zeitweilig unter Kopfschmerzen. Von diesen sind fast 18 Millionen von Migräne betroffen. Trotz guter Therapieoptionen erhalten Migränepatientinnen und -patienten in Deutschland nicht immer eine leitliniengerechte, auf die individuelle Situation abgestimmte Therapie. Deshalb fördert der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) das Innovationsfondsprojekt „MIGRA-MD – Strukturierte fachärztliche Migräneversorgung – multimodal und digital“. Das Universitätsklinikum Dresden ist ein Partner in dem Projekt, das durch die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft e.V. (DMKG) initiiert wurde. Die Förderung beträgt über fünf Millionen Euro. In den kommenden anderthalb Jahren, beginnend mit dem 1. März 2026, werden insgesamt 1000 Patientinnen und Patienten aufgenommen. Digitale Tools, multimodale Edukation und Unterstützung bei leitliniengerechten Therapieentscheidungen „Dieses Projekt mit multimodalem Ansatz und Nutzung von digitalen Anwendungen hat das Potenzial, die Versorgung von Menschen mit Migräne deutlich zu verbessern.“, sagt Prof. Gudrun Goßrau, Leiterin des Kopfschmerzzentrums am Universitätsklinikum Dresden. Das Projekt MIGRA-MD nutzt digitale Tools, multimodale Edukation und Unterstützung bei leitliniengerechten Therapieentscheidungen, um Lücken in der Migräneversorgung zu schließen. Teilnehmende Fachärztinnen und -ärzte werden von der DMKG zur Migränebehandlung geschult und erhalten im Arztportal des DMKG-Kopfschmerzregisters eine strukturierte Übersicht der von Patientinnen und Patienten vorab eingegebenen Daten sowie Checklisten für Diagnostik und Therapie. Dies ermöglicht eine gezieltere Behandlung. Die Patientinnen und Patienten dokumentieren ihre Kopfschmerzen digital über die DMKG-App und einen Fragebogen und nehmen drei Behandlungstermine bei teilnehmenden Fachärztinnen und -ärzten wahr. Ergänzend nutzen sie die Online-Plattform „MIGRA-MD Wissen“ mit kurzen Videos und Audios zu Migräne, auslösenden Faktoren und Behandlungsmöglichkeiten, einschließlich nichtmedikamentöser Prävention wie Stressreduktion, Entspannungsverfahren und Bewegung. Zusätzlich werden regelmäßige Online-„Meet-the-Expert“-Veranstaltungen angeboten. Die Teilnahme inklusive Nachbeobachtung dauert 13 Monate. Die Teilnehmenden werden randomisiert einer Gruppe mit sofortigem Behandlungsbeginn oder einer Gruppe mit dreimonatiger Verzögerung zugeteilt. Begleitet wird das Innovationsfondsprojekt von der MigräneLiga e.V.. „MIGRA-MD ist ein großer Schritt vorwärts in der Migräneversorgung“, sagt Präsidentin Veronika Bäcker. „Wir freuen uns, mit unserer Arbeit einen Beitrag für eine gute Datenqualität zu leisten, damit aussagekräftige Studienergebnisse erzielt werden können“, ergänzt Dr. Xina Grählert, Leiterin des Koordinierungszentrum für Klinische Studien Dresden an der TU Dresden. Zeigt die Evaluation von MIGRA-MD eine nachhaltige Verbesserung in Bezug auf Kopfschmerzhäufigkeit und Beeinträchtigung im Alltag, kann eine Überführung in die Regelversorgung empfohlen werden. Patientenrekrutierung gestartet Seit März werden Patientinnen und Patienten in das Programm aufgenommen. Eine Plattform informiert über das Projekt und prüft anhand von Fragen die Eignung von interessierten Patientinnen und Patienten. Teilnehmen können gesetzlich krankenversicherte Erwachsene mit Migräne, die regelmäßig zwischen vier und 25 Kopfschmerztage pro Monat haben und nicht mehr als zwei migräneprophylaktische Medikamente ohne Erfolg angewendet haben. Wer für die Teilnahme in Frage kommt, wird von einer Studienassistenz und einem Studienarzt des LMU Klinikums kontaktiert, detailliert über die Studie aufgeklärt und bei Erfüllung aller Einschlusskriterien in die Studie aufgenommen. Die Behandlung erfolgt an einem wohnortnahen MIGRA-MD-Zentrum. Patientinnen und Patienten aus der Region Dresden / Ostsachsen können auch am Kopfschmerzzentrum des Universitätsklinikums Dresden behandelt werden. Außerdem interessant zum Thema Migräne: Fortschritte in der Migräneprävention: Neue Therapien verbessern Lebensqualität Migräne wird bei Frauen mit Makromastie eher übersehen
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