Neuer Forschungsverbund für Endo-Radionuklid-Theranostik gegründet

Radionuklide ermöglichen zusammen mit speziellen Liganden neue Formen der Krebsdiagnostik und -therapie (“Theranostik”). Foto: pangoasis – stock.adobe.com

Krebs mit radioaktiven Arzneimitteln präziser aufzuspüren und besser zu bekämpfen, ist das Ziel eines neu gegründeten Verbunds von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Krebs von innen zu bestrahlen, die so genannte Endo-Radionuklidtherapie, ist längst keine Fiktion mehr. Bei mehreren Krebsarten, unter anderem beim metastasierten Prostatakarzinom, ist diese Therapieform eine Option. Das Verfahren beruht darauf, dass Liganden, an spezifische Zielstrukturen der Krebszelle andocken. Die Liganden tragen eine Art molekularen Rucksack, der ein strahlendes Radionuklid enthält. Krebszellen nehmen diesen Wirkstoff ins Innere auf, sodass er sich in den Tumoren anreichert und von innen heraus seine Strahlendosis abgibt. Das besondere an diesen radioaktiven Wirkstoffen: Je nachdem, ob der Ligand mit einem stark oder schwach strahlenden Radionuklid gekoppelt wurde, wirken sie als Therapeutikum, das Krebszellen abtötet – oder sie ermöglichen die diagnostische Bildgebung per Positronen-Emissions-Tomografie (PET). Solche Kombi-Moleküle werden daher als „Radionuklid-Theranostika“ bezeichnet.

„Die Endo-Radionuklidtherapie ist eine sehr smarte und zielgerichtete Art, Krebs zu bekämpfen“, sagt Prof. Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ. „Während die konventionelle Strahlentherapie sehr wirksam ist, um lokal begrenzte Tumoren zu behandeln, ist die Bestrahlung von innen eine effektive Strategie bei Tumoren, die bereits gestreut und Metastasen entwickelt haben.” Um auf dem zukunftsweisenden Gebiet der Endo-Radionuklidtherapie schneller Fortschritte zu erzielen, haben sich Wissenschaftler vom DKFZ und vom HZDR jetzt zum „Helmholtz-Verbund für Radiopharmazeutische Wissenschaften“ zusammengeschlossen.

Die beteiligten Institutionen sehen in der Bündelung der radiopharmazeutischen Krebsforschung über die Grenzen der einzelnen Institution eine große Chance, um Krebs schneller und zielführender zu bekämpfen. Ihr Ziel ist es, gemeinsam theranostische Arzneimittel für die Bildgebung und Endo-Radionuklidtherapie von Krebserkrankungen zu entwickeln und deren klinischen Einsatz voranzubringen. Auch die Erprobung weiterer Radionuklide mit alternativem Wirkungsspektrum steht auf dem Programm des Forschungsverbunds. Eine Schlüsselrolle spielt die Nachwuchsförderung und -generierung, um das Fachgebiet auch in Zukunft weiterentwickeln zu können. Zur Weiterbildung ist bereits eine fachübergreifende, öffentliche Seminarreihe angelaufen.

Im HZDR-Institut für Radiopharmazeutische Krebsforschung mit seinem Zentrum für Radiopharmazeutische Tumorforschung (ZRT) sind nach eigenen Angaben sämtliche Schritte der Theranostik unter einem Dach vereint: die Produktion der Radionuklide am Zyklotron, das Design und die Entwicklung neuer Radiopharmaka, die präklinische radiopharmakologische Bewertung an Zellen und am Kleintier sowie die behördlich überwachte Produktion der Arzneimittel und der Translation in die Klinik. Der Wissenschaftliche Direktor des HZDR, Prof. Sebastian M. Schmidt, unterstreicht die Bedeutung des neu gegründeten Helmholtz-Verbundes: „Speziell auf dem Gebiet der Radiopharmazeutischen Onkologie sehen wir im Verbund mit dem DKFZ großes Potenzial, um von der Grundlagenforschung bis zur medizinischen Anwendung für die Behandlung von Krebs neue Perspektiven zu eröffnen. Gemeinsam mit dem DKFZ werden wir weitere Synergien zum Wohle der Patientinnen und Patienten schaffen.“

(DKFZ/ms)