Neuer genetischer Score stratifiziert das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben14. Februar 2022 Genmutation (künstlerische Darstellung). Grafik: nobeastsofierce – stock.adobe.com Ein Bewertungsalgorithmus, der 290 genetische Risikovarianten für Prostatakrebs einbezog, hat in einer aktuellen Studie Personen korrekt identifiziert, die ein hohes oder niedriges Lebenszeitrisiko haben, metastasierten Prostatakrebs zu entwickeln oder an der Krankheit zu sterben. Der Algorithmus “PHS290” enthält 290 zuvor identifizierte Genvarianten, die mit dem Prostatakrebsrisiko in Verbindung gebracht werden. Das Vorhandensein oder Fehlen jeder Variante und das Alter der Patienten wurden auf den Algorithmus angewendet, um ein optimales Modell für die Assoziation mit dem Alter bei der Diagnose von Prostatakrebs zu generieren. Die Studie wird auf dem Genitourinary Cancers Symposium 2022 der American Society of Clinical Oncology (ASCO) vorgestellt, das vom 17. bis 19. Februar 2022 in San Francisco, Kalifornien (USA), und online stattfindet. Eine der wichtigsten Aussagen ist, dass Männer mit afrikanischer Abstammung das höchste Risiko haben, metastasierten Prostatakrebs zu entwickeln und an der Krankheit zu sterben. Datenbasis: Fast 600.000 Veteranen Die Forscher um Meghana Pagadala von der University of California in San Diego (USA) führten ihre Untersuchung im Rahmen des “Million Veterans Program” durch. Dieses umfasst seit 2011 über 650.000 Menschen, die in 63 Einrichtungen des US-amerikanischen Veterans Administration Health Care System medizinisch versorgt wurden. Etwa 600.000 der Teilnehmer waren männlich, und die Wissenschaftler konnten klinische Informationen für fast 97 Prozent dieser Männer erhalten. Etwa 425.000 hatten europäische und etwa 105.000 afrikanische Vorfahren, während die übrigen entweder asiatische oder hispanische Vorfahren hatten. Die Männer in der Studie waren im Median 69 Jahre alt und alle stimmten einer Blutspende für die Genotypisierung zu. „Im Vergleich zu anderen Risikotests verwendet der Bewertungsalgorithmus fast 300 Varianten, die mit vererbten genetischen Informationen verknüpft sind, während einige derzeit verfügbare kommerzielle Tests auf der Expression von nur etwa einem Dutzend krebsbezogener Gene und einer Handvoll Referenzgenen beruhen“, beschreibt Pagadala die Methodik. Der weitere wichtige Unterschied: „Während sich die meisten früheren genetischen Studien auf Männer europäischer Abstammung konzentriert haben, liefert unser Bewertungsalgorithmus in einer vielfältigen Population von Militärveteranen ein Maß für das Risiko, an Prostatakrebs zu sterben.“ Die Herkunft wurde dabei anhand der harmonisierten genetischen Abstammung und nach eigenen Angaben der Patienten bestimmt. Erhebliche Risikounterschiede Es ergab sich, dass das Sterberisiko für Männer mit Risiko-Score-Werten in den oberen 20 Prozent 4,41-mal höher war als bei den Männern, deren Risiko-Score in den niedrigsten 20 Prozent lag. Das Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken oder Metastasen zu bilden, war 5,66- bzw. 4,18-mal höher für diejenigen in den oberen 20 Prozent im Vergleich zu denjenigen in den niedrigsten 20 Prozent. Betrachtet man die Abstammung, wobei die europäische Herkunft in der Analyse als Referenzgruppe verwendet wurde, zeigten sich die ausgeprägtesten Ergebnisse basierend auf einem PHS290-Score bei Menschen mit afrikanischer Ethnizität: Diese hatten ein 1,84-mal höheres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken im Vergleich zu Menschen europäischer Abstammung. Es gab ein 2,27-mal höheres Risiko für Prostatakrebsmetastasen und ein 1,97-mal höheres Todesrisiko, basierend auf Risiko-Scores bei Menschen afrikanischer Abstammung im Vergleich zu denen europäischer Herkunft. Für Männer mit asiatischer Ethnizität lagen nicht genug Daten vor, um eine zuverlässige Risikoschätzung vorzunehmen. Das Risiko für Menschen hispanischer Abstammung bewegt sich im Rahmen der Männer mit europäischer Herkunft. Auch die Familiengeschichte von Prostatakrebs eines individuellen Patienten bedeutete ein größeres Risiko, an Prostatakrebs zu erkranken und daran zu sterben. Der Scoring-Algorithmus ist bisher nicht im Handel erhältlich. Die Forscher hoffen, mehr abstammungsspezifische Risikovarianten für Prostatakrebs zu identifizieren und besser zu verstehen, wie die Abstammung in die Schätzung des genetischen Risikos einbezogen werden kann. Darüber hinaus wollen sie das Zusammenspiel von genetischem Risiko und Umweltfaktoren untersuchen. „Aktuelle Empfehlungen zur Früherkennung von Prostatakrebs stützen sich auf Familienanamnese sowie Herkunft und ethnische Zugehörigkeit, Faktoren, die das Risiko einer Person, an Prostatakrebs zu erkranken oder daran zu sterben, oft nicht vollständig erfassen. Diese neue Studie legt nahe, dass ein umfassender genetischer Risiko-Score ein wirksames Instrument sein könnte, um Screening-Entscheidungen zu leiten, indem Personen mit hohem oder niedrigem Risiko, metastasierten Prostatakrebs zu entwickeln, identifiziert werden. Wichtig ist, dass dieses Tool in einer vielfältigen Population validiert wurde“, kommentierte Robert Dreicer, Experte für Urogenitalkrebs der ASCO. (ASCO/ms)
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