Neuer Höchststand schwerer Augenverletzungen: Augenärzte fordern Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk29. Dezember 2025 Nach einem neuen Rekord an schweren Augenverletzungen zum vergangenen Jahreswechsel setzt sich die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft für ein Verbot von privatem Silvesterfeuerwerk ein. Symbolbild: © ShDrohnenFly-stock.adobe.com Angesichts eines neuen Höchststandes schwerer Augenverletzungen zum Jahreswechsel 2024/2025 warnt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) eindringlich vor den Gefahren von privatem Silvesterfeuerwerk und ruft die Bevölkerung zu verantwortungsvollem Verhalten auf. Insgesamt 905 Personen mit feuerwerksbedingten Verletzungen hatten die notdienstleistenden Augenkliniken laut DOG zum Jahreswechsel 2024/2025 dokumentiert – „so viele wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung“. Erneut befanden sich vor allem unbeteiligte Personen und ein hoher Anteil von Kindern und Jugendlichen unter den Betroffenen. Ein Patient verstarb sogar in Folge einer Kopfverletzung. Vor dem Hintergrund dieser alarmierenden Entwicklung habe eine Mehrheit der DOG-Mitglieder für ein Verbot privaten Silvesterfeuerwerks votiert, teilt die Fachgesellschaft mit. Seit 2016/2017 sammelt die DOG Daten zu feuerwerksbedingten Augenverletzungen an den Silvestertagen. Zum Jahreswechsel 2024/2025 beteiligten sich nahezu 90 Prozent aller in Deutschland notdienstleistenden Augenkliniken an der Umfrage. Wie die Auswertung zeigt, traf es in 60 Prozent der Fälle – wie in den Vorjahren auch – Unbeteiligte und Passanten, die das Feuerwerk selbst gar nicht gezündet hatten. „Besonders schwer wiegt der hohe Anteil an verletzten Kindern und Jugendlichen, der wieder bei nahezu 40 Prozent lag“, erklärt Prof. Ameli Gabel-Pfisterer, Mitglied der DOG-Arbeitsgruppe Feuerwerksverletzung. „Viele davon sind jünger als 12 Jahre und haben bei schweren Verletzungen lebenslang mit funktionellen und kosmetischen Folgen zu kämpfen“, ergänzt die Leitende Oberärztin für Augenheilkunde am Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam. Seit 2016 wächst das Verletzungsrisiko Von den 905 Verletzten musste insgesamt ein Viertel stationär aufgenommen werden. „Dass erstmals seit Bestehen der Erhebung ein Patient verstarb, markiert eine traurige Zäsur, die die Brisanz des Themas auf tragische Weise unterstreicht“, betont Prof. Hansjürgen Agostini, ebenfalls Mitglied der DOG-Arbeitsgruppe Feuerwerksverletzung. Denn seit 2016 zeichnet sich in den bundesweiten Umfragen ein alarmierender Trend ab, berichtet der Leitende Oberarzt der Universitäts-Augenklinik Freiburg: „Die Auswertung belegt ein steigendes und inzwischen dramatisch hohes Niveau schwerer Augenverletzungen“, so Agostini. In der Zeit vor der COVID-19-Pandemie wurden jährlich etwa 500 Fälle dokumentiert. DOG-Mitgliederumfrage: Klares Votum gegen privates Feuerwerk Dass dagegen aus augenärztlicher Sicht dringend gehandelt werden sollte, demonstriert ein Votum der DOG-Mitglieder. Im Sommer 2024 hatte die DOG eine Befragung durchgeführt, die per E-Mail an mehr als 8400 Mitglieder verschickt wurde. Von den antwortenden Augenärzten votierte die Mehrheit dafür, dass die DOG ein Verbot privaten Feuerwerks fordern solle. Auf Basis dieses Stimmungsbildes wandte sich die DOG an Behörden und politische Entscheidungsträger – darunter das Bundesgesundheits-, das Bundesinnen- und das Bundesumweltministerium sowie kommunale Spitzenverbände – und plädierte erneut für ein Ende privater Pyrotechnik. „Wir appellieren an alle Verantwortlichen, die Datenlage und die Empfehlung der Augenärzteschaft zu berücksichtigen“, sagt DOG-Generalsekretär Prof. Claus Cursiefen. Die bestehenden Regelungen reichten nicht aus, um die Bevölkerung zu schützen. Vorsicht, Aufklärung, Schutz Derweil rät die DOG zu Verhaltensmaßnahmen, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. So sollte man Orte besser meiden, an denen viel gezündet wird. „Wer in Kontakt mit Feuerwerk kommt, ist gut beraten, im Freien oder auf dem Balkon eine einfache Schutzbrille aus dem Baumarkt zu tragen, das verhindert schwere Verletzungen“, empfiehlt Gabel-Pfisterer. Alkohol am Zündplatz ist tabu. „Wer getrunken hat, sollte kein Feuerwerk in die Hand nehmen“, betont Agostini. Eltern müssten ihre Kinder zudem eindringlich davor warnen, nicht explodierte Knallkörper vom Boden aufzusammeln. „Das ist kein Spielzeug“, betont der DOG-Experte. „Das Hantieren mit Auflesefunden zählt zu den häufigsten Ursachen schwerer Verletzungen.“ Neue Datenerhebung zum Jahreswechsel Auch diesmal erfasst die DOG bis zum 3. Januar 2026 mit ihrer Umfrage wieder Daten zu feuerwerksbedingten Augenverletzungen. „Wir hoffen auf breite Beteiligung, um die politische Diskussion weiterhin mit Fakten begleiten zu können“, sagt Cursiefen. „Jede dokumentierte Verletzung zeigt, dass wir es mit vermeidbaren Schicksalen zu tun haben“, ergänzt Agostini.
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