Neuer Therapieansatz: Meditation kann erhöhten Augeninnendruck senken11. Februar 2019 Einer aktuellen Studie zufolge kann Yoga zur IOD-Senkung beitragen (Symbolbild): Foto: © Teodor Lazarev – Fotolia.com Eine neue Studie im “Journal of Glaucoma” zeigt, dass Achtsamkeitsmeditation hilft, den Augeninnendruck bei Glaukom-Patienten zu senken, stressbedingte Biomarker zu reduzieren und die Lebensqualität deutlich zu verbessern. Darauf macht das Universitätsklinikum Magdeburg aufmerksam. In der im “Journal of Glaucoma”, Zeitschrift der World Glaucoma Association, erschienenen Studie wurde laut Mitteilung der Magdeburger Uniklinik ein neues Verfahren zur ergänzenden Behandlung des Glaukoms vorgestellt. Patienten mit primärem Offenwinkelglaukom zeigten demzufolge nach Teilnahme an einem dreiwöchigen Programm mit Achtsamkeitsmeditation sowohl “signifikante Verbesserungen des Augeninnendruckes” als auch eine Verringerung der Stresshormone und einen Anstieg der Lebensqualität im Vergleich zur Kontrollgruppe, die nicht an der Meditation teilnahm. „Wir wissen, dass chronischer Stress zu einer Erhöhung des Blutdruckes führen kann (systemische Hypertonie), denken jedoch selten über seine bekannte Wirkung auf das Auge nach, wo Stress einen hohen Augeninnendruck (IOD) hervorruft”, sagte der Leiter der Studie, Dr. Tanuj Dada, vom Dr. Rajendra Prasad Center für Augenheilkunde des All India Institute of Medical Sciences* in Neu Delhi, Indien. Dies sei nun die erste Studie, die zeige, dass ein Entspannungsprogramm mit Meditation den IOD bei Glaukompatienten senken und ihre Lebensqualität verbessern könne, indem Stresshormone wie Cortisol gesenkt würden. “Achtsamkeitsmeditation ist selbst für ältere und bettlägerige Patienten einfach durchzuführen“, betonte Dada. Prof. Bernhard Sabel vom Institut für Medizinische Psychologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg*, Koautor der Studie, fügte hinzu: „Die Studie legt nahe, dass psychischer Stress eine der Hauptursachen für erhöhten Augeninnendruck ist. Die Anwendung dieser uralten Meditationstechnik zur Verringerung von Stress ist ein wirksames Mittel, um das Gesamtbefinden der Patienten, und nicht nur das Auge, mit einem ganzheitlichen Ansatz zu behandeln und das allgemeine Wohlbefinden der Patienten zu verbessern.“ Augentropfen plus Meditation versus Augentropfen alleine Die Wissenschaftler teilten 90 Glaukom-Patienten zufällig einer von zwei Gruppen zu. Eine Gruppe praktizierte jeden Morgen 60 Minuten mit einem ausgebildeten Yogalehrer für einen Zeitraum von drei Wochen ein Meditations- und Atemübungsprogramm, während die Teilnehmer weiterhin ihre Augentropfen nahmen. Die zweite Gruppe nahm ebenfalls weiterhin Augentropfen ein, meditierte jedoch nicht. Nach drei Wochen zeigten 75 Prozent der meditierenden Patienten eine signifikante Verringerung ihres Augeninnendruckes um circa 25 Prozent; eine Verbesserung, die in der Kontrollgruppe nicht beobachtet wurde. Darüber hinaus konnten durch die Meditation Stress-Indikatoren wie Cortisol-Spiegel (Stresshormon), oxidative Stressbiomarker und proinflammatorische Marker (Interleukine) reduziert werden. Des Weiteren konnte ein Anstieg von Entspannungsmarkern wie Beta-Endorphinen und neurotrophischen Faktoren im Gehirn nachgewiesen werden. „Unsere Ergebnisse eröffnen einen spannenden Ansatz, die Kraft des Gehirns zur Heilung von Leiden des menschlichen Körpers zu nutzen. Ein Großteil der menschlichen Krankheiten beruht auch auf einer psychologisch/psychosomatischen Komponente, und es ist die Psychologie des Patienten, auf die die Meditation abzielt”, erklärte Sabel. Die Reduktion des Stresshormonspiegels könne sich auf viele Organe im Körper günstig auswirken, einschließlich der Augen. Es seien nun weitere Untersuchungen erforderlich, um diese neue Perspektive zu erforschen und um zu ermitteln, ob durch Meditation auch das Fortschreiten des Sehverlustes zu reduzieren, zu stoppen oder vielleicht sogar eine Wiederherstellung des Sehvermögens zu erreichen sei. Das Ziel der traditionellen Behandlung sei es, so die Uniklinik weiter, den Augeninnendruck zu reduzieren, wodurch weitere Schäden am Sehnerv verhindert würden. Durch den ergänzenden Einsatz der Meditation könne der Bedarf an medikamentösen oder chirurgischen Behandlungen sinken, wodurch Nebenwirkungen verringert sowie Kosten für den Patienten und das Gesundheitssystem gesenkt werden könnten. “Obwohl Yoga und Meditation, Schlüsselelemente für eine ganzheitliche Gesundheit, in Indien seit mehr als 5000 Jahren praktiziert werden, sind sie modernen Ärzten kaum bekannt und werden derzeit nicht in der medizinischen Praxis verwendet”, betont das Uniklinikum Magdeburg. Die meisten Menschen dächten bei Yoga an körperliche Übungen. Tatsächlich werde der größte Nutzen für die Gesundheit durch Atemübungen und Meditation erreicht, Entspannungstechniken, die die Freisetzung von Stresshormonen reduzierten und so die Beziehung zwischen Körper und Geist harmonisierten. Publikation: Mindfulness Meditation Reduces Intraocular Pressure, Lowers Stress Biomarkers and Modulates Gene Expression in Glaucoma: a randomized controlled trial. Tanuj Dada, Deepti Mittal, Kuldeep Mohanty, Muneeb A. Faiq, Muzaffer, Bhat, Raj K. Yadav, Ramanjit Sihota, Talvir Sidhu, Thirumurthy Velpandian, Mani Kalaivani, Ravindra M. Pandey, Ying Gao, Bernhard A. Sabel, Rima Dada. Journal of Glaucoma 27:1061-1067. doi: 10.1097/IJG.0000000000001088, veröffentlicht von Wolters Kluwer Health, Inc. Die Studie wurde nach Angaben des Universitätsklinikums Magdeburg am All India Institute of Medical Sciences in Neu-Delhi durchgeführt und vom indischen Ministerium für AYUSH finanziert. * Hintergrundinformationen Das Dr. Rajendra Prasad Zentrum für Augenheilkunde (RPC), All India Institute of Medical Sciences, Neu-Delhi, benannt nach dem ersten indischen Präsidenten, Dr. Rajendra Prasad, wurde am 10. März 1967 als nationales Kompetenzzentrum für Augenheilkunde gegründet, um modernste Patientenversorgung zu gewährleisten, die Personalressourcen für die medizinische Ausbildung zu erweitern und Forschungsarbeiten zu Problemen der Augenheilkunde von nationaler Bedeutung durchzuführen. Es ist derzeit mit über 250 Forschungspublikationen jährlich das führende ophthalmologische Zentrum Indiens für Ausbildung und Forschung und bietet modernste klinische Versorgung zu stark subventionierten Preisen (für die Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze kostenlos). Das Zentrum versorgt jährlich 0,4 Millionen Patienten ambulant und 0,6 Millionen in spezialisierten Augenkliniken mit über 40.000 Augenoperationen. https://www.aiims.edu/de/departments-and-centers/specialtycenters.html Das Institut für Medizinische Psychologie (IMP) st eine Lehr- und Forschungseinrichtung der Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Sabel hat es sich in über 25 Jahren als Zentrum zur Behandlung von Sehbehinderungen durch die Plastizität des Gehirns mittels neuer Technologien zur Therapie von Glaukom, Schlaganfall und Sehnervschädigung etabliert. Das Institut arbeitet eng mit dem SAVIR-Centrum (www.savir-center.com) und internationalen Partnern zusammen und hat über 200 wissenschaftliche Publikationen zum Thema Erholung nach Schädigungen des Nervensystems vorgelegt (www.imp.ovgu.de). Quelle: Universitätsklinikum Magdeburg
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