Neuer Weg zur Verlangsamung des Tumorwachstums beim Glioblastom entdeckt

Symbolbild von Glioblastomzellen (© Tariq/stock.adobe.com)

Ein Team kanadischer Wissenschaftler hat einen neuen Weg entdeckt, das Wachstum von Glioblastomen zu verlangsamen – und ein bereits existierendes Medikament identifiziert, das zur Behandlung eingesetzt werden könnte.

Die Studie zeigt, dass Oligodendrozyten – von denen man einst annahm, sie würden lediglich die gesunde Nervenfunktion unterstützen – das Wachstum und die Ausbreitung von Glioblastomen fördern. Die Forschenden entdeckten, dass diese Zellen Signale aussenden, die den Tumor stärken. Blockierten sie diese schädliche Kommunikation in Labormodellen, verlangsamte sich das Krebswachstum deutlich.

Außerdem legt die Studie nahe, dass ein bereits existierendes HIV-Medikament umfunktioniert werden könnte, um diesen Prozess gezielt zu beeinflussen und so eine neue Behandlungsoption für Patienten zu bieten, für die es derzeit nur wenige Möglichkeiten gibt. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Neuron“ veröffentlicht und von Wissenschaftlern der McMaster University und des Hospital for Sick Children (SickKids) geleitet.

„Ein Glioblastom ist nicht nur eine Ansammlung von Krebszellen, sondern ein komplexes Ökosystem“, erklärt Sheila Singh, Co-Seniorautorin der Studie und Professorin für Chirurgie an der McMaster University. „Indem wir entschlüsselt haben, wie diese Zellen miteinander kommunizieren, haben wir eine Schwachstelle entdeckt, die mit einem bereits zugelassenen Medikament angegriffen werden könnte“, fügt Singh hinzu, die auch Direktorin des Zentrums für Krebsforschung an der McMaster University ist.

Oligodendrozyten ändern ihre Funktion und fördern Tumorwachstum

Es ist bekannt, dass Glioblastome durch die Bildung eines Netzwerks von Zellen wachsen, die miteinander kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen. Die Unterbrechung dieser Verbindungen kann das Krebswachstum verlangsamen. Die Studie untersuchte genauer, welche Gehirnzellen beteiligt sind. Die Forscher entdeckten, dass Oligodendrozyten, die normalerweise Nervenfasern schützen, ihre Funktion ändern und das Tumorwachstum sogar fördern können. Diese Helferzellen kommunizieren über ein spezifisches Signalsystem mit Krebszellen und schaffen so ein Umfeld, das das Tumorwachstum fördert. Als die Forschenden diese Kommunikation in Labormodellen blockierten, verlangsamte sich das Krebswachstum. Dies zeigt, dass diese Interaktion für das Überleben von Glioblastomen entscheidend ist.

Zudem wurde herausgefunden, dass das Signalsystem einen Rezeptor namens CCR5 umfasst, der bereits Ziel des HIV-Medikaments Maraviroc ist. Das bedeutet, dass ein bereits zugelassenes und weit verbreitetes Medikament möglicherweise zur Behandlung von Glioblastomen eingesetzt werden könnte und somit Hoffnung auf schnellere Fortschritte bei der Entwicklung neuer Therapien weckt.

„Das zelluläre Ökosystem innerhalb eines Glioblastoms ist weitaus dynamischer als bisher angenommen. Mit der Aufdeckung eines wichtigen Aspekts der Krebsbiologie haben wir auch ein potenzielles therapeutisches Ziel identifiziert, das mit einem bereits existierenden Medikament angegangen werden könnte. Dieser Befund eröffnet einen vielversprechenden Weg, um zu untersuchen, ob die Blockierung dieses Signalwegs die Entwicklung neuer Behandlungsmöglichkeiten für Patienten beschleunigen kann“, erläutert Jason Moffat, Co-Autor der Studie, leitender Wissenschaftler und Leiter des Programms für Genetik und Genombiologie am SickKids-Krankenhaus.

(lj/BIERMANN)

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