Neues Antibiotikum bei komplizierten Harnwegsinfekten13. März 2019 Florian Wagenlehner, Experte für urogenitale Infektionen von der Universität Gießen. Foto: Wagenlehner Plazomicin bewies in einer Studie Nichtunterlegenheit gegenüber Meropenem. Die Ergebnisse aus dem Fachgebiet Urologie an der Universität Gießen wurden im „New England Journal of Medicine“ publiziert. In der internationalen randomisierten klinischen Phase-III-Studie EPIC (Evaluating Plazomicin In CUTI) haben die MedizinerInnen Plazomicin, ein neues Aminoglykosid mit biologischer Aktivität gegen multiresistente Bakterien, im direkten Vergleich mit Meropenem, einem Reserveantibiotikum, erfolgreich getestet. Eingebunden waren 609 Patientinnen und Patienten mit komplizierter Harnwegsinfektion (complicated urinary tract infection, CUTI) sowie akuter Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis). Das Hauptziel der EPIC-Studie bestand darin zu zeigen, dass Plazomicin gegenüber Meropenem in der Wirksamkeit nicht unterlegen ist. Die primären Endpunkte waren die klinische Heilung in Verbindung mit der vollständigen mikrobiologischen Eliminierung des Krankheitserregers (Eradikation) am Tag 5 sowie an den Tagen 15 bis 19 nach Therapiebeginn, in der sogenannten mikrobiologisch modifizierten Patientenkohorte. Darin befanden sich PatientInnen, die eine Studienmedikation erhielten und die Bakterien in der Urinkultur aufwiesen, die sowohl sensibel auf Meropenem als auch Plazomicin reagierten. Im Gegensatz zu anderen Phase-III-Studien, die bei PatientInnen mit CUTI durchgeführt wurden, wurden diesmal Personen aus der Analyse ausgeschlossen, die einen Erreger in der Urinkultur hatten, der resistent gegen das Vergleichsantibiotikum Meropenem war. Damit war eine mögliche Verzerrung der Ergebnisse durch eine erhöhte Resistenz gegenüber dem Vergleichsantibiotikum ausgeschlossen. Die Ergebnisse waren eindeutig, freut sich Erstautor Prof. Florian Wagenlehner, Direktor der Klinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie am Universitätsklinikum Gießen: „Die EPIC-Studie hat gezeigt, dass Plazomicin gegenüber Meropenem bei der Behandlung von PatientInnen mit CUTI, einschließlich akuter Pyelonephritis, nicht unterlegen war.“ Im Gegenteil: Nach der Behandlung mit Plazomicin ließ sich eine höhere Rate der Erregerabtötung nachweisen als nach der Behandlung mit Meropenem. Auch die Rate von klinischen Rückfällen im Nachsorgezeitraum fiel deutlich geringer aus. In einem weiteren Schritt sei die Sicherheit des neuen Aminoglykosides Plazomicin untersucht worden, erklärt Wagenlehner. Nur bei einer kleinen Anzahl von Patientinnen und Patienten sei der Nierenparameter Kreatinin geringfügig erhöht gewesen (7% bei Plazomicin, 4% bei Meropenem). Die Befunde dieser Studie zeigten demnach erstmals, dass Plazomicin bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit komplizierten HWI oder akuter Pyelonephritis – sowie weiteren Infektionen, die durch multi-resistente Erreger verursacht werden – eingesetzt werden kann. (Universität Gießen / ms) Publikation: Wagenlehner FME, Cloutier DJ, Komirenko AS et al. Once-Daily Plazomicin for Complicated Urinary Tract Infections. N Engl J Med 2019 Feb 21;380(8):729-740. doi: 10.1056/NEJMoa1801467
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