Darmkrebs: Neues Biomarker-Verfahren für Nachsorge bei jungen Erwachsenen?

Immer mehr junge Menschen sind von Darmkrebs betroffen. Neue Biomarker sollen die klinische Nachsorge dieser Patienten verbessern. Symbolbild: SewcreamStudio/stock.adobe.com

Ein neues Biomarker-Panel wird in Kombination mit Ernährungsinterventionen in der klinischen Nachsorge bei jungen Erwachsenen mit Darmkrebs getestet. Dies geschieht im Rahmen des interdisziplinären Forschungsverbundes OUTLIVE-CRC am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck.

Der interdisziplinäre Forschungsverbund OUTLIVE-CRC am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Lübeck, und an der Universität zu Lübeck erhält einen positiven Förderbescheid für seine zweite Förderperiode. Ziel des Verbundes ist es, die Prognose und Lebensqualität junger Patientinnen und Patienten nach einer Darmkrebserkrankung zu verbessern.

Im Fokus stehen dabei innovative, auf Flüssigbiopsien basierende Biomarker sowie personalisierte Ernährungsinterventionen für Patientinnen und Patienten unter 50 Jahren. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben in der zweiten Phase mit 2,81 Millionen Euro im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs.

Biomarker-Panel für klinische Nachsorge

Bereits in der ersten Förderperiode entwickelte OUTLIVE-CRC ein neuartiges Multi-Marker-Risikopanel, das klinische Parameter des biologischen Alterns mit umfangreichen Multi-Omics-Daten verknüpft. Analysiert werden unter anderem Metabolomik, Proteomik, Genomik, Epigenomik und Mikrobiomik aus nicht invasiven Flüssigbiopsien wie Blut- oder Stuhlproben. Ziel war es, biologische Alterungsprozesse präziser zu erfassen und mit dem individuellen Krankheitsverlauf in Beziehung zu setzen.

In der nun gestarteten zweiten Förderperiode liegt der Schwerpunkt auf der Anwendung und Validierung dieses Ansatzes in der klinischen Nachsorge. Im Rahmen strukturierter Nachsorgeuntersuchungen sollen die in der ersten Phase entwickelten personalisierten Ernährungsinterventionen bei jungen Darmkrebspatientinnen und -patienten eingesetzt werden. Gleichzeitig wird das Multi-Marker-Risikopanel daraufhin überprüft, ob sich Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Rezidivrisiko oder einem frühen Rückfall zuverlässig identifizieren lassen. Langfristig soll so eine frühzeitigere und individuellere Nachsorge ermöglicht werden.

Mehr Neuerkrankungen im jüngeren Lebensalter

Weltweit ist eine zunehmende Inzidenz von Darmkrebs im jüngeren Lebensalter zwischen 20 und 50 Jahren zu beobachten. Prognosen gehen davon aus, dass die globale Inzidenz bis 2030 um rund 60 Prozent ansteigen wird; für das Jahr 2040 werden weltweit etwa 3,2 Millionen Neuerkrankungen erwartet. Besonders europäische Länder gelten als stark betroffen von diesem Trend, der eine wachsende Herausforderung für die Gesundheitssysteme darstellt. Ein möglicher ungünstiger Faktor für die Prognose junger Patientinnen und Patienten ist die Diskrepanz zwischen chronologischem und biologischem Alter, insbesondere bei Vorliegen eines metabolischen Syndroms. Da Ernährung als zentraler Expositionsfaktor biologische Alterungsprozesse beeinflussen kann, rückt sie im Verbund OUTLIVE-CRC gezielt in den Fokus der Forschung.

Koordiniert wird der Forschungsverbund von Prof. Stefanie Derer-Petersen, stellvertretende Direktorin und Arbeitsgruppenleiterin des Instituts für Ernährungsmedizin des UKSH, Campus Lübeck, und der Universität zu Lübeck, sowie von Prof. Nikolas von Bubnoff, Direktor der Klinik für Hämatologie und Onkologie des UKSH, Campus Lübeck.

Bild (v. l.): Dr. Martina Oberländer und Prof. Alexander Katalinic, Prof. Stefanie Derer, Dr. Eva Dazert-Klebsattel, Prof. Nikolas von Bubnoff, Prof. Hauke Busch, Dr. Larissa Almeida und Jasmin Ostermann. Foto: Universität zu Lübeck

Betroffene werden einbezogen

Am Forschungsverbund OUTLIVE-CRC beteiligen sich zahlreiche weitere Einrichtungen des UKSH und der Universität zu Lübeck: das Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie, das Interdisziplinäre Centrum für Biobanking-Lübeck, die Sektion für Translationale Chirurgische Onkologie und Biomaterialbanken der Klinik für Chirurgie sowie die Abteilung Medizinische Systembiologie. Partner ist auch das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg.

Zwei weitere Besonderheiten des Verbundes sind zum einen die kontinuierliche Partizipation von Patientinnen und Patienten, um die Forschung und die wissenschaftliche Kommunikation eng an den Bedürfnissen von Betroffenen und ihren Angehörigen auszurichten. Zum anderen das vom OUTLIVE-CRC-Konsortium etablierte HARMONIZE-Projekt, das die verbundübergreifenden Netzwerkaktivitäten aller vier geförderten Konsortien koordiniert. Zentrale Ziele des HARMONIZE-Projektes sind der Aufbau einer gemeinsamen Daten- und Bioprobenbank, der netzwerkübergreifende Technologietransfer sowie die Entwicklung standardisierter Analyseverfahren.

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