Neues Blut dank neuer Technik19. Dezember 2018 Foto: © Dan Race – Fotolia.com Die Herstellung von Blutzellen schreitet voran: Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)legen den Grundstein für eine neue Therapie zur Bekämpfung von Infektionen, wie kürzlich in der Fachzeitschrift “Nature Communications” veröffentlicht wurde. Bisher kann man Blut nicht künstlich in großem Maßstab herstellen, sondern nur durch Spenden generieren. Ein interdisziplinäres Forscherteam der MHH hat nun eine neuartige Technik entwickelt: In Bioreaktoren können kontinuierlich unterschiedliche, reife Blutzellen nach Bedarf hergestellt und in einem wöchentlichen Rhythmus über einen Zeitraum von mehreren Monaten geerntet werden. „Unsere Technologie ist so effizient, dass wir die jetzigen Erkenntnisse in nur wenigen Schritten auf größere, noch effizientere Bioreaktoren übertragen können, um so Blutzellen im industriellen und qualitätskontrollierten Maßstab herzustellen“, sagt Privatdozent Dr. Nico Lachmann, MHH-Institut für Experimentelle Hämatologie, der gemeinsam mit Dr. Antje Munder, MHH-Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie, die Forschungsarbeiten leitete. Das Team veröffentlichte seine Erkenntnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications. Die Erstautorenschaft der Publikation teilen sich Dr. Mania Ackermann, MHH-Institut für Experimentelle Hämatologie, und Dr. Henning Kempf, ehemaliger Mitarbeiter von Dr. Robert Zweigerdt, MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie. Zur Herstellung der Blutzellen verwenden die Forscherinnen und Forscher menschliche induzierte pluripotente Stammzellen. Mit der neuen Technologie hat das Team zunächst Makrophagen hergestellt, diese wendeten sie dann erfolgreich als innovative Therapie in einem Tiermodell an: Eine durch Pseudomonas-Bakterien ausgelöste akute Lungeninfektion in Mäusen verlief sehr viel milder, wenn den Tieren zusätzlich Makrophagen verabreicht wurden. Pseudomonas-Bakterien gehören laut neuesten Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation zu den zehn gefährlichsten Krankheitserregern, und sie stellen beispielsweise für Menschen mit der Erkrankung Mukoviszidose ein großes Problem dar. Auch für Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen sind multiresistente Pseudomonaden eine große Gefahr. Eine Makrophagen-Therapie könnte als Antibiotika-unabhängige Behandlung für diese Risikopatienten etabliert werden. „Aufgrund der Eigenschaften von Makrophagen, Bakterien zu bekämpfen, denken wir, dass das neue Herstellungsverfahren und die Makrophagen-basierte Therapie bei zahlreichen bakteriellen Infektionen hilfreich sein könnten und wir somit einen neuen therapeutischen Weg einschlagen können“, sagt Dr. Ackermann. Die Forschungsarbeiten wurden unterstützt vom Exzellenzcluster REBIRTH (Von Regenerativer Biologie zu Rekonstruktiver Therapie), von der Else Kröner-Fresenius- Stiftung, vom Deutschen Zentrum für Lungenforschung sowie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Mehr erfahren zu: "Vermeidbare Sterblichkeit in Deutschland weiterhin hoch" Vermeidbare Sterblichkeit in Deutschland weiterhin hoch Im westeuropäischen Vergleich ist die vermeidbare Sterblichkeit in weiten Teilen Deutschlands weiterhin hoch – besonders betroffen ist der Nordosten. Mitverantwortlich könnten mangelnde Präventionsmaßnahmen hinsichtlich Tabak-, Alkohol- und Zuckerkonsum sein.
Mehr erfahren zu: "Strategischer Einsatz von KI als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Kliniken" Strategischer Einsatz von KI als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit von Kliniken Wie können Krankenhäuser Künstliche Intelligenz (KI) so einsetzen, dass sie medizinisches Personal nachhaltig entlastet, die Versorgungsqualität verbessert und gleichzeitig regulatorischen Anforderungen gerecht wird? Antworten liefert das neue Whitepaper „Künstliche Intelligenz […]
Mehr erfahren zu: "Intensivstation: Wie Angehörige den Patientenwillen einschätzen" Intensivstation: Wie Angehörige den Patientenwillen einschätzen Die Behandlungswünsche von Patienten auf der Intensivstation werden von deren engsten Angehörigen teilweise falsch eingeschätzt. Auch die Patientenverfügung hilft nicht immer weiter. Ein spezielles Konzept zur Vorausplanung könnte helfen.