Neues Projekt testet Therapie gegen Malaria und bakterielle Infektionen bei Kindern4. September 2026 Bildquelle: Pricha/stock.adobe.com Ein internationales Konsortium unter Leitung des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) startet ein Forschungsvorhaben zur Behandlung von schwerer Malaria und bakteriellen Blutstrominfektionen – zwei der häufigsten Todesursachen bei Kindern in Subsahara-Afrika. Ziel ist eine Kombinationstherapie, die beide Erkrankungen zugleich bekämpft. Das Projekt „FACT“ beruht auf der langjährigen Zusammenarbeit des BNITM mit dem Tropeninstitut der Universität Tübingen, dem Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun, dem Kumasi Centre for Collaborative Research (KCCR) in Ghana sowie der Deutschen Malaria GmbH. Es ist auf fünf Jahre angelegt und wird im Rahmen der Europäischen Partnerschaft für klinische Studien in Entwicklungsländern (EDCTP) mit rund zehn Millionen Euro gefördert. Eine Therapie gegen zwei Krankheiten Malaria bleibt eine der größten Gesundheitsbedrohungen weltweit, besonders für Kinder in Afrika. In vielen Fällen kommen kleine Patientinnen und Patienten mit hohem Fieber ins Krankenhaus. Oft ist unklar, ob Malaria allein die Ursache ist oder ob zusätzlich eine bakterielle Infektion vorliegt. Genau hier setzt das Projekt an: Eine Therapie soll beide Krankheitsursachen gleichzeitig behandeln. Die Forschenden entwickeln und testen eine neue Wirkstoffkombination aus drei bereits bekannten Medikamenten,die dem Projekt seinen Namen geben: Fosmidomycin, Artesunat und Clindamycin. Diese Kombination soll als Infusion verabreicht werden. In klinischen Studien in mehreren afrikanischen Ländern prüfen die Teams zunächst die optimale Dosierung und anschließend Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Therapie. Die Studien finden unter anderem in Gabun, Ghana, der Demokratischen Republik Kongo und Äthiopien statt. Gleichzeitig untersuchen die Forschenden, wie gut die Therapie gegen resistente Erreger wirkt und wie sie sich in den klinischen Alltag integrieren lässt. Zeit gewinnen und Überlebenschancen verbessern Die neue Therapie wirkt somit sowohl gegen den Malaria-Erreger als auch gegen bakterielle Infektionen im Blut. Damit greift sie direkt dort, wo die Behandlung bislang an Grenzen stößt. Denn viele schwer kranke Kinder erhalten zunächst nur eine Therapie gegen eine der beiden möglichen Ursachen. Dadurch geht oft wertvolle Zeit verloren. Die neue Kombination deckt beide von Beginn an ab. Zudem könnte sie die Behandlungsdauer bei schwerer Malaria verkürzen und helfen, Resistenzen gegen bestehende Medikamente einzudämmen. „Wir bauen in diesem Projekt auf langjährige, vertrauensvolle Kooperationen zwischen Partnern in Europa und Afrika auf“, sagt Dr. Mirjam Groger, Koordinatorin des Projekts an der Abteilung Klinische Forschung des BNITM. „Jetzt wollen wir dieses Netzwerk nutzen, um eine Therapie zu entwickeln, die in der Klinik sofort greift – gerade dort, wo schnelles Handeln über Leben und Tod entscheiden kann.“ Gleichzeitig stärkt FACT gezielt Forschungsstrukturen in Afrika. Junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhalten gezieltes Training in klinischer Forschung und Pharmakologie. Wenn die Studien erfolgreich verlaufen, könnte die neue Therapie künftig Teil der Standardbehandlung für schwere Malaria werden. In den kommenden fünf Jahren wollen die Forschenden dafür die entscheidenden klinischen Daten liefern. Das würde die medizinische Praxis grundlegend verändern und die Überlebenschancen vieler Kinder deutlich verbessern.
Mehr erfahren zu: "Präzisere Diagnosen bei Mukoviszidose sind möglich: Wie Gensequenzierung helfen kann" Präzisere Diagnosen bei Mukoviszidose sind möglich: Wie Gensequenzierung helfen kann Der Standard-Gentest auf Mukoviszidose umfasst nur die häufigsten die Krankheit verursachenden CFTR-Varianten. Bei manchen CF-Patienten bleibt eine eindeutige genetische Bestätigung der Diagnose aus – vor allem, weil die in einer […]
Mehr erfahren zu: "Degenerative Erkrankungen in Nieren und Leber besser verstehen" Degenerative Erkrankungen in Nieren und Leber besser verstehen Kölner Forschende haben eine Methode entwickelt, mit der sich zelluläre Schäden auf Einzelzellebene nachverfolgen lassen. Die Studie eröffnet neue Wege, um altersbedingte degenerative Erkrankungen zu erforschen, beispielsweise in den Nieren […]
Mehr erfahren zu: "Herzinfarktverdacht: Wie schnell ist eine sichere Diagnose möglich?" Herzinfarktverdacht: Wie schnell ist eine sichere Diagnose möglich? Wie schnell lässt sich bei Menschen mit akutem Brustschmerz sicher feststellen, ob ein Herzinfarkt vorliegt? Mit dieser Frage beschäftigen sich zwei Forschungsarbeiten, deren Ergebnisse beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für […]