Neues Projekt untersucht die Funktion von Hirnbarrieren nach Schlaganfall

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Ein neues Forschungsprojekt unter der Leitung der Biochemikerin Prof. Lydia Sorokin von der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster untersucht die Funktionen verschiedener Barrieren im Gehirn und wie sie sich bei einem Schlaganfall verändern.

Das Projekt mit dem Titel „DeCoDis – Deciphering Cellular and Acellular Barrier Dysfunction in Cerebrovascular Diseases“ startet im Juli und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des EU-Netzwerks „ERA-NET NEURON“ für drei Jahre mit 850.000 Euro gefördert. An dem Projekt sind Wissenschaftler der Charité Berlin, der Universität Bern in der Schweiz und des Center of Immunology Marseille-Luminy in Frankreich beteiligt.

Zum Projekt

Mehrere Barrieren an der Gehirnoberfläche und um die Blutgefäße herum schützen das Gehirn vor schädlichen Einflüssen von außen. Nach einem Hirninfarkt kann dieser Schutz zusammenbrechen, sodass potenziell schädliche Immunzellen und Blutbestandteile unkontrolliert eindringen können. Die Folgen sind häufig Schwellungen und Schädigungen des Gehirns.

Bisher zielt die Behandlung nach einem Schlaganfall darauf ab, das Eindringen weißer Blutkörperchen in das Gehirn zu verhindern – allerdings mit wenig Erfolg. Das Team um Sorokin verfolgt einen neuen Ansatz. „Wir wollen herausfinden, welche Hirnbarrieren durch einen Schlaganfall genau geschädigt werden und wie wir die Funktion dieser Barrieren anschließend wiederherstellen können“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Das Team erforscht daher in den kommenden Monaten, wie diese Barrieren zum Eindringen schädlicher Immunzellen nach einem Schlaganfall beitragen und wie die Störung ihrer Funktion zum Hirnödem führt. Das Verständnis dieser Zusammenhänge ermöglicht, neue Strategien für Behandlungen zu entwickeln, die die Funktion der entsprechenden Barriere nach einem Hirninfarkt stabilisieren und so die Schädigung des Gehirns verringern und die Überlebenschancen verbessern.

Konkret wollen die Forscher die Vorgänge an den verschiedenen Hirnschranken in genetisch veränderten Mäusen untersuchen. Mithilfe spezieller Mikroskopietechniken – der sogenannten Intravitalmikroskopie – können sie im lebenden Organismus sichtbar machen, wie Immunzellen mit den Hirnschranken interagieren und analysieren, wie sich die Funktion der Barriere bei einem Schlaganfall verändert. „Auf diese Weise“, erläutert Sorokin, „können wir verschiedene Faktoren identifizieren, die die Eigenschaften der Hirnschranke verändern, und sie anschließend in Proben von menschlichem Hirngewebe, die nach einem Schlaganfall entnommen wurden, validieren.“