Neues zum Brachyzephalen Obstruktiven Atemwegssyndrom

David Sargan, Fran Tomlinson and Jane Ladlow (von links nach rechts) von der Cambridge Vet School mit Studienprobanden. Foto: © Fran Tomlinson, CC-BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

In einer Untersuchung von 14 Hunderassen wiesen Pekinesen und Japan Chins sowie übergewichtige Hunde mit verengten Nasenlöchern und flachen Gesichtern einen hohen Schweregrad des Brachyzephalen Obstruktiven Atemwegssyndroms auf.

Bei brachycephalen Hunden gehen ein sehr flaches Gesicht, verengte Nasenlöcher und ein korpulenter Körperbau mit Atemproblemen einher. Pekinesen und Japan Chins sind dabei besonders gefährdet. Dies geht aus einer Studie von Francesca Tomlinson (Universität Cambridge, Großbritannien) und ihren Kollegen hervor, die im Februar 2026 in der Open-Access-Zeitschrift „PLOS One“ erschienen ist.

Menschengemachtes Schönheitsideal führt zu lebenslangem Leiden der Tiere

Die niedlichen, flachen Gesichter von Hunden wie Bulldoggen und Möpsen können ihren Preis haben. Die verkürzte Schädelform wird als Brachyzephalie bezeichnet und kann zu einer Erkrankung namens Brachyzephales Obstruktives Atemwegssyndrom (BOAS) führen.

BOAS verursacht Keuchen, Atembeschwerden und verminderte Belastbarkeit und kann einen chirurgischen Eingriff erforderlich machen. Möpse, Französische Bulldoggen und Bulldoggen sind bekannt für ihre Kurzköpfigkeit, andere Rassen wurden jedoch bisher wenig erforscht.

Um die Merkmale, die BOAS vorhersagen, besser zu verstehen, sammelten die Studienautoren Daten von 898 Hunden 14 verschiedener Rassen. Darunter befanden sich Boxer, King Charles Spaniels und Cavalier King Charles Spaniels, Chihuahuas, Pekinesen, Japan Chins, Zwergspitze (Pomeranians), Shih Tzus und andere. Sie maßen Schädel, Nase, Körper und Hals der Tiere und untersuchten sie auf BOAS-Symptome.

Die Hunde wurden hinsichtlich BOAS auf einer Skala von null bis drei bewertet, wobei null für wenige Symptome und drei für Schwierigkeiten bei Bewegung und ausreichender Sauerstoffaufnahme stand.

Deutliche Rasseunterschiede festgestellt

Die Wissenschaftler verglichen die 14 untersuchten Rassen mit Möpsen, Französischen Bulldoggen und Bulldoggen. Die Autoren stellten fest, dass Pekinesen eine ähnliche BOAS-Rate wie Bulldoggen aufwiesen. Nur 11 Prozent der Pekinesen konnten frei atmen. Auch Japan Chins schnitten schlecht ab. Nur 17,4 Prozent der Hunde waren symptomfrei.

Andere Rassen wie der King Charles Spaniel, Shih Tzu und Boston Terrier wiesen zwischen 25 und 50 Prozent symptomfreie Hunde (Grad null) auf.

Am besten schnitten Cavalier King Charles Spaniel, Pomeranian, Boxer, Chihuahua und weitere Rassen ab. Bei diesen Rassen erreichten 50 bis 75 Prozent der Hunde den Schweregrad Null.

Bei einzelnen Hunden waren ein sehr flaches Gesicht, Nasenlöcher, die beim Einatmen zusammenfielen, und ein höherer Body Condition Score (der auf einen übergewichtigen Hund hindeutet) mit einem erhöhten Risiko für BOAS verbunden.

Welche Hunderassen mit flacher Schnauze leiden unter Atemproblemen? Eine neue Studie untersucht das Risiko des brachycephalen obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) bei 14 kurzköpfigen Hunderassen. Infografik: © Anthony Lewis (www.anthony-lewis.com), PLOS, CC-BY 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/)

Die Daten basieren auf Hunden, deren Besitzer sie freiwillig für die Studienteilnahme zur Verfügung gestellt haben. Die Vergleichswerte für den BOAS-Score bei Möpsen, Französischen Bulldoggen und Bulldoggen stammen aus dem Jahr 2016. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Möglichkeit besteht, dass die Züchter die Gesundheit der Rassen seither verbessert haben könnten.

Gesundheitsschädigende Zuchtmerkmale nicht mehr belohnen

Ein besseres Verständnis der Merkmale, die BOAS begünstigen, kann dazu beitragen, dass diese ungesunden Eigenschaften auf Ausstellungen nicht „belohnt“ werden. Außerdem könnten dadurch Züchter bei einer Zucht, die diesen gesundheitsschädlichen Merkmale entgegenwirkt, unterstützt werden. Und es könnte Züchtern und zukünftigen Hundehaltern bei der Auswahl von Hunden helfen, die besser atmen können.

Die Autoren ergänzen: „Unsere Forschung zeigt, dass das BOAS bei brachycephalen Rassen stark variiert. Indem wir diese Unterschiede verstehen und die wichtigsten Risikofaktoren identifizieren, können wir gezieltere und effektivere Strategien zur Verbesserung des Wohlbefindens entwickeln.“ Auch kamen sie zu dem Fazit, dass langfristige Verbesserungen des Hundewohls von der Kombination wissenschaftlicher Erkenntnisse mit dem Engagement von Züchtern und Haltern abhingen, denen das Wohl ihrer Hunde sehr am Herzen liegt. „Diese Forschung wäre ohne die Unterstützung engagierter Halter und Züchter, die ihre Hunde freiwillig zur Teilnahme zur Verfügung gestellt haben, nicht möglich gewesen. Ihre Begeisterung und Bereitschaft zur Teilnahme an den Gesundheitstests zeigen, wie vielen Menschen die Verbesserung der Rassegesundheit wichtig ist.“

Förderung: Diese Arbeit wurde durch einen Zuschuss (PNAG/710) des Kennel Club Charitable Trust (https://www.kennelclubcharitabletrust.org) unterstützt. Die Förderer hatten keinen Einfluss auf Studiendesign, Datenerhebung und -analyse, die Entscheidung zur Veröffentlichung oder die Erstellung des Manuskripts.

(sg/BIERMANN)