Neues zur Sequenzierung von Androgenentzugstherapie und Strahlentherapie bei Prostatakrebs4. Mai 2023 Wird ausschließlich die Prostata bestrahlt, so ist eine gleichzeitige/adjuvante Kurzzeit-Androgendeprivationstherapie am günstigsten, so eine aktuelle Metaanalyse. Foto: Mark Kostich – stock.adovbe.com Bei der Behandlung von nichtmetastasiertem Prostatakrebs mit einer Kombination aus kurzzeitiger Androgenentzugstherapie (ADT) plus Radiotherapie (RT) beeinflusst die Sequenzierung (neoadjuvante/gleichzeitige ADT vs. gleichzeitige/adjuvante ADT) die Ergebnisse. Dies fand eine US-amerikanische Studie heraus. Zudem fanden die Autoren eine Wechselwirkung der Sequenzierung mit der Feldgröße bei der Bestrahlung. Wissenschaftler des Konsortiums “Meta-Analysis of Randomized Trials in Cancer of the Prostate” (MARCAP) um Dr. Martin Ma von der University of California in Los Angeles (USA) haben die Auswirkungen der Sequenzierung einer ADT bei Männern, die eine ADT mit ausschließlicher Bestrahlung der Prostata (PORT) oder mit einer Gesamt-Becken-RT (WPRT) erhielten, in der SANDSTORM-Studie untersucht. Der Hintergrund ist, dass die ADT-Sequenzierung in Bezug auf die RT die Ergebnisse bei Prostatakrebs in Abhängigkeit von der RT-Feldgröße beeinflussen kann. In ihre gepoolte Analyse bezogen die Wissenschaftler Daten individueller Patienten aus 12 randomisierten Studien ein, die Teilnehmer einschlossen, welche eine neoadjuvante/gleichzeitige oder eine gleichzeitige/adjuvante Kurzzeit-ADT (4-6 Monate) zusätzlich zur RT gegen die lokalisierte Erkrankung erhielten. Inverse Probability of Treatment Weighting (IPTW) wurde mit Propensity-Scores durchgeführt, die aus Alter, initialem PSA-Wert, Gleason-Score, T-Stadium, RT-Dosis und Aufnahmejahr in der Mitte der Studie („mid-trial enrollment year“) abgeleitet wurden. Das metastasenfreie Überleben (primärer Endpunkt) und das Gesamtüberleben (OS) wurden anhand IPTW-adjustierter Cox-Regressionsmodelle bewertet, die unabhängig für Männer analysiert wurden, die PORT vs. WPRT erhielten. IPTW-adjustierte Fine- und Grey-Modelle konkurrierender Risiken wurden erstellt, um Fernmetastasen und die prostatakrebsspezifische Mortalität zu bewerten. Insgesamt konnten die Autoren 7409 Patienten in ihre Studie einschließen (6325 neoadjuvant/gleichzeitig und 1084 gleichzeitig/adjuvant) bei einer medianen Nachbeobachtung von 10,2 Jahren (Interquartile Range 7,2–14,9). Eine signifikante Interaktion zwischen der ADT-Sequenzierung und der RT-Feldgröße wurde für alle Endpunkte (PInteraktion<0,02 für alle) außer für das OS beobachtet. Bei der PORT (n=4355) war die gleichzeitige/adjuvante ADT gegenüber der neoadjuvanten/gleichzeitigen ADT mit Verbesserungen beim metastasenfreien Überleben (10-Jahres-Nutzen 8,0%; Hazard Ratio [HR] 0,65; 95%-KI 0,54–0,79; p<0,0001), bei Fernmetastasen (Subverteilungs-HR 0,52; 95%-KI 0,33–0,82; p=0,0046), bei der Prostatakrebs-spezifischen Mortalität (Subverteilungs-HR 0,30; 95%-KI 0,16–0,54; P<0,0001) und beim OS assoziiert (HR 0,69; 95 %-KI 0,57–0,83; p=0,0001). Allerdings wurde bei Patienten, die eine WPRT erhielten (n=3049), kein signifikanter Unterschied in Bezug auf irgendeinen Endpunkt bzgl. der ADT-Sequenzierung beobachtet, mit Ausnahme eines schlechteren Ergebnisses bei Fernmetastasen (HR 1,57; 95%-KI 1,20–2,05; p=0,0009) bei gleichzeitiger/adjuvanter ADT. „Die ADT-Sequenzierung zeigt einen signifikanten Einfluss auf die klinischen Ergebnisse, bei einer signifikanten Wechselwirkung mit der Feldgröße“, bilanziert das Autorenteam. Eine gleichzeitige/adjuvante ADT solle der Behandlungsstandard sein, wenn eine kurzzeitige ADT in Kombination mit einer PORT indiziert ist. (sf/ms)
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