NeuroIntensivmedizin – wieviel, wofür, wo und wie spezifisch?

Kongresspräsident Hartmut Vatter auf der ANIM 2023. Foto: ©Helge Schubert/Conventus

Spezifität der NeuroIntensivmedizin war das brennende Thema auf der ANIM 2023 in Berlin. „Motor und Denkanstoß“ dazu sei der massive Bettendruck im Rahmen der COVID-Pandemie vor dem Hintergrund von demographischen- und Umweltveränderungen gewesen, erklärte Kongresspräsident Prof. Hartmut Vatter aus Bonn.

„NeuroIntensivmedizin – wieviel, wofür, wo und wie spezifisch?“ war für Vatter, den Kongresspräsidenten der gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI) und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), ein wichtiges Schwerpunktthema der 40. Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM). „Trotz Bettendruck bleibt die Frage, wie spezifisch die NeuroIntensivmedizin innerhalb der Intensivmedizin ist, welche Anteile davon strukturell belassen werden müssen oder inwieweit sie auch durch eine internistische oder eine rein anästhesiologische Intensivmedizin abgedeckt werden können.“

Diese aktuelle Diskussion war ein zentraler Punkt für die ganze ANIM. Nicht alle Teile der hochkomplexen fachspezifischen Behandlung müssten auf entsprechend ausgerüsteten und geschulten Neuro-Intensivstationen durchgeführt werden, sondern in speziellen Fällen sei eine erfolgreiche Behandlung auch auf wesentlich breiter verfügbaren, allgemein intensivmedizinischen Stationen möglich. „Dabei sind natürlich zwei Aspekte relevant, zum einen die Krankheitsbilder selbst und zum anderen deren zeitlicher Verlauf“, betonte Vatter.

In der ersten Phase einer Subarachnoidalblutung, eines Schlaganfalles oder eines Schädel-Hirn-Traumas stehe mit Sicherheit die neurochirurgisch-neurologische Expertise im Sinne der Behandlung des Hirnödems, der zerebralen Perfusionsstörung und einiger weitere zerebraler Probleme im Mittelpunkt. „Patienten in dieser frühen Phase in einer allgemeinen intensivmedizinischen Einheit behandeln zu lassen, empfinde ich persönlich als kritisch.“

Wie und wo in der weiteren Phase und auch in späteren Phasen Behandlungsabläufe zu optimieren wären, wurde bei dem Fachkongress diskutiert. Dabei ging es um die Mischung einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Versorgung von relativ häufigen Erkrankungen wie dem Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma und einer hochspezialisierten Behandlung von aneurysmatischen Subarachnoidalblutungen oder Gefäßmalformationen, die nur an wenigen hochspezialisierten Zentren durchgeführt werden können. Neurovaskuläre Netzwerke, die miteinander interagieren, können laut Fachgesellschaft eine bundesweite Versorgung auf hohem Niveau ermöglichen.

Dass mit einer immer größeren Anzahl von Schlaganfallpatienten zu rechnen ist, die entsprechend behandelt werden müssen, sei im wesentlichen auf den demographischen Wandel zurückzuführen, erläuterte Vatter. Zudem seien die intensivmedizinischen Herausforderungen bei älteren Schädel-Hirn-Trauma-Patienten und allen anderen Erkrankungen erheblich größer. Und auch Umweltfaktoren würden sich auf die NeuroIntensivmedizin auswirken, weshalb es von Relevanz sei, die Versorgungsstrukturen nachhaltig zu optimieren.

(ah)