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Liebe Leserinnen und Leser der Ärztlichen Praxis Neurologie Psychiatrie,
wer in Deutschland eine ambulante Psychotherapie benötigt, wartet derzeit rund fünf Monate auf einen Therapieplatz. Diese lange Wartezeit stellt nicht nur für die Betroffenen eine große Herausforderung dar, sondern beeinträchtigt im schlimmsten Fall auch den späteren Behandlungserfolg, da die Symptomatik über den langen Zeitraum chronifizieren kann. Schwerer erkrankte Patienten, die nach einem stationären Aufenthalt nicht zeitnah einen Therapieplatz finden, haben zudem ein erhöhtes Risiko für Rückfälle.
Dem steht eine seit Jahren wachsende Zahl an Therapeuten gegenüber – allein von 2006 bis 2021 hat sich ihre Zahl verdoppelt. Ein Psychologenteam der Universität Duisburg-Essen hat deshalb hinterfragt, warum sich die Versorgungssituation in der Psychotherapie dennoch nicht verbessert, und kommt zu einem brisanten Ergebnis: In der Praxis würden möglicherweise oft Störungen behandelt, die bei genauerer Betrachtung keine sind. Die Ursache hierfür sehen die Wissenschaftler in einer überbordenden Sensibilisierung der Gesellschaft, in der Persönlichkeitsunterschiede und vorübergehende seelische Krisen zunehmend pathologisiert werden. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels, der mit steigenden Ausgaben und wahrscheinlich auch sinkenden Einnahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung einhergehen wird, raten die Forschenden daher, Erwachsenen mit psychischen Beeinträchtigungen künftig stärker niederschwellige Angebote wie Coachings, Beratungsgespräche oder Apps anzubieten.
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