|
Liebe Leserinnen und Leser,
der schmale Grad zwischen Über- und Unterversorgung ist eine besondere Herausforderung in der Medizin. Auch bei Patienten, die mit akutem Koronarsyndrom ohne ST-Hebung (NSTE-ACS) in die Klinik kommen, stellt sich die Frage nach der optimalen Behandlung: Ist die invasive Diagnostik wirklich nötig? Zur Beantwortung dieser Frage empfiehlt die europäische Leitlinie zum Management des ACS die Beurteilung mittels GRACE-Score. Bei einem Punktwert von mehr als 140 sollte der Patient demnach innerhalb von 24 Stunden einer Koronarangiographie zugeführt werden.
Teilweise werden damit aber die falschen Patienten adressiert, wie eine neue Auswertung von Daten zu mehr als 600.000 Patienten ergeben hat. Mit GRACE 3.0 hat das verantwortliche internationale Forschungsteam daher eine optimierte Version des Scores entwickelt. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) habe das System gelernt, wer tatsächlich von einer frühen invasiven Behandlung profitiert – und wer nicht, erklärt der Studienerstautor Florian A. Wenzl. Die Forschenden sind überzeugt: Mit GRACE 3.0 liegt nun ein einfaches und validiertes KI-Tool für die klinische Praxis vor, das dabei hilft, Herzinfarkt-Patienten künftig individueller zu versorgen.
Im Gegensatz dazu machen Wissenschaftler aus Berlin auf eine Art „Kehrseite“ der Arbeit mit KI-gestützten Tools in der Medizin aufmerksam: Je zuverlässiger die KI-Systeme würden, desto größer sei die Gefahr, dass Menschen die korrekten Empfehlungen der KI überstimmten oder ignorierten, erklären die Autoren eines aktuellen Positionspapiers. Welche Ursachen sie dafür verantwortlich machen und wie ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma aussehen könnte, lesen Sie im entsprechenden Beitrag.
Eine informative Lektüre wünscht
|