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Liebe Leserinnen und Leser,
die hohe Sepsis-Sterblichkeit ist noch immer ein ungelöstes medizinisches Problem. Kortikosteroide kommen zwar zum Einsatz, ihr Nutzen bleibt jedoch umstritten. Neben der Hemmung übermäßiger Entzündungsreaktionen können sie auch unerwünschte Wirkungen haben. Ein aktueller Cochrane-Review gelangt zu dem Schluss, dass sie auf das mittelfristige Mortalitätsrisiko (drei Monate) möglicherweise nur geringe oder keine Auswirkungen haben (siehe „Unsere Auswahl“). Ein Fazit der Cochrane-Autoren ist, dass künftige Studien den Nutzen und Schaden von Kortikosteroiden bei bestimmten Gruppen untersuchen sollten.
Welche Patienten möglicherweise von einer Kortikosteroidbehandlung profitieren, untersuchten nun Wissenschaftler aus Amsterdam unter Verwendung eines speziellen Deep-Learning-Modells. Dieses identifizierte klinische Variablen, die in Zusammenhang mit einer Reduktion der prognostizierten 28-Tage-Mortalität bei intensivstationären Sepsispatienten stehen. Demnach scheint die Kortikosteroidtherapie insbesondere bei Patienten mit schwerer metabolischer Azidose und hämodynamischer Instabilität zu einer Senkung der Mortalität zu führen. Interessanterweise identifizierte das Modell sogar doppelt so viele Personen, bei denen die Behandlung zu einer Erhöhung der Mortalität führen könnte, während ein Großteil der Patienten als Non-Responder galt.
Die Studie verdeutlicht somit, dass der Effekt der Kortikoide heterogen ist. Zwar gibt sie Hinweise auf relevante Patientenmerkmale, diesen muss nun jedoch in prospektiven Studien nachgegangen werden. Für die klinische Praxis bedeutet das: Für die Verwendung von Kortikosteroiden in der Sepsisbehandlung bleibt eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
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