Ausgabe 51/2025

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Montag, 15. Dezember 2025

Liebe Leserinnen und Leser,

bei einer Sepsis spielt das Immunsystem im sprichwörtlichen Sinn verrückt. Während es bei einigen Patienten überaktiv ist, fährt es bei anderen Patienten herunter. Frühere Ansätze der Immunmodulation scheiterten daran, dass diese heterogenen immunologischen Phänotypen nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Das könnte sich ändern, wenn man die Immuntherapie weg von einer „One-size-fits-all“-Lösung und hin zur Präzisionsmedizin denkt.
So zeigt eine aktuelle Studie, dass eine an immunologischen Markern orientierte, patientenangepasste Immuntherapie durchaus Wirkung entfalten kann. Die Forscher bestimmten dazu Ferritin und die HLA-DR-Expression auf den zirkulierenden Monozyten von Sepsispatienten, um deren Immunantwort der Kategorie Hyper- oder Hypoinflammation zuzuordnen. Entsprechend wurden die Patienten entweder mit Anakinra zur Immunsuppression oder rekombinantem Interferon-gamma zur Förderung der entzündlichen Reaktion behandelt. Im Vergleich zu Placebo führte die auf diese Weise vorgenommene Präzisionsimmuntherapie bei einem weitaus größeren Anteil von Patienten zu einer Verbesserung der Organfunktion, gemessen anhand des SOFA-Scores. Der beobachtete Effekt ist klinisch relevant und unterstützt das Konzept, therapeutische Entscheidungen anhand konkreter Immunprofile zu treffen.
Zwar konnte kein signifikanter Mortalitätsunterschied zwischen der Interventions- und der Placebogruppe festgestellt werden, dennoch markiert die Studie einen wichtigen Schritt in Richtung Präzisionsimmuntherapie bei Sepsis – zumindest für den Teil der Patienten, bei denen eine Hyper- oder Hypoinflammation aufgedeckt werden kann. Einschränkend muss nämlich auch gesagt werden, dass dies bei weniger als der Hälfte der für die Studie gescreenten Patienten der Fall war. Doch die Studiengruppe will in künftigen Untersuchungen auch die übrigen Sepsispatienten adressieren. Zudem bleibt offen, wie rasch und zuverlässig sich Marker wie HLA-DR im klinischen Alltag bestimmen lassen – ein praktischer Aspekt, der für die Umsetzung entscheidend sein wird.
Somit bleibt viel Forschungspotenzial in einem Therapiefeld, das bei sorgfältiger Patientenauswahl und präzise austarierten Behandlungsalgorithmen die Sepsistherapie substanziell verbessern könnte.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre und einen guten Start in die Woche.




   Ihre
   Dr. Aileen Hochhäuser

 

 
 
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TERMINE:

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37. Norddeutsche Anästhesietage
23.–24. Januar 2026
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