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Liebe Leserinnen und Leser des Kompakt Gastroenterologie,
bereits im Frühjahr dieses Jahres hatten Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungsinstitut (DKFZ) auf ein Merkmal der NordICC-Studie aufmerksam gemacht, das deren Aussagekraft einschränkt: eine Prävalenz-Verzerrung. Denn bei der Ermittlung des Risikos waren Darmkrebspatienten berücksichtigt worden, die man als neue Fälle wertete, die aber schon vor Eintritt in die Studie ihre Diagnose erhalten hatten. Das Resultat daraus: Die günstigen Effekte des Darmkrebs-Screenings per Koloskopie wurde in dieser ersten kontrollierten randomisierten Langzeitstudie zur Effektivität der Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme wahrscheinlich erheblich unterschätzt.
Nun haben Forschende vom DKFZ eine weitere Schwachstelle der NordICC-Studie ausfindig gemacht und dazu publiziert: Demnach kommt es bei der Erfassung von Krebsfällen in den Krebsregistern zu Verzögerungen. Auch dieser Umstand könne dazu führen, dass die Effektivität der Koloskopie in der NordICC-Studie erheblich unterschätzt wurde.
Bleiben wir beim Kolorektalkrebs: Eine internationale Arbeitsgruppe berichtete jüngst über die Entwicklung Gen-spezifischer Klassifikationskriterien, dank derer ein erheblicher Anteil von Varianten unklarer Signifikanz des APC-Gens neu eingestuft werden kann – und zwar als doch nicht relevant für die Entstehung von Darmkrebs. Mutationen dieses Gens sind für die familiäre adenomatöse Polyposis verantwortlich. Dadurch, dass nun ein großer Teil der APC-Mutationen als harmlose Normvarianten erkannt worden ist, würden „weltweit alle Träger dieser Varianten entlastet“, erklärt Humangenetiker Prof. Stefan Aretz von der Universität Bonn, einer der Seniorautoren der Arbeit.
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